Kriminalität

So viele Raddiebstähle in Hamburg wie nie im Juli

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André Zand-Vakili
Fahrraddiebe benutzen häufig Bolzenschneider oder einen Akku-Winkelschleifer.

Fahrraddiebe benutzen häufig Bolzenschneider oder einen Akku-Winkelschleifer.

Foto: Getty Images

Vor allem die Innenstadt, St. Georg, Winterhude, Uhlenhorst und Barmbek sind betroffen, Bergedorf dagegen kaum.

Hamburg.  Fahrraddiebe haben Hochkonjunktur. Im Juli wurden im Hamburger Stadtgebiet 1272 Fahrräder als gestohlen gemeldet. Das sind so viele innerhalb eines Monats wie seit Jahren nicht mehr. Besonders betroffen sind die Bereiche rund um die Alster. Das gute Wetter und der Fahrrad-Boom haben die Entwicklung offenbar begünstigt. Eher unauffällig sind dagegen die Bereiche südlich der Elbe. Allerdings gibt es auch dort leichte Steigerungen.

Es ist noch einmal ein deutlicher Anstieg zum Vormonat. Im Juli stieg die Zahl der Fahrraddiebstähle in Hamburg im Vergleich zum Juni um satte 15,4 Prozent. Damit liegt die Zahl noch einmal höher als im bisherigen Rekordmonat August 2018, als etwa 1230 Fahrräder als gestohlen gemeldet wurden. Zudem ist es der vierte Monat in diesem Jahr in Folge, in dem mehr Fahrraddiebstähle angezeigt wurden.

Eher unauffällig ist die Region Harburg

Besonders betroffen sind die polizeiliche Region Mitte 1, zu der die Innenstadt, aber auch St. Georg und die HafenCity gehören, die Region Eimsbüttel und die Region Nord mit unter anderem der Uhlenhorst, Winterhude und Barmbek. Allein in diesen Bereichen wurden 718, also mehr als die Hälfte aller Fahrraddiebstähle im Juli registriert. Zum Vergleich: Im Juli 2019 wurden in den drei Bereichen insgesamt 450 Fahrräder gestohlen. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um knapp 60 Prozent. Deutliche Anstiege gab es im Vergleich zum Vorjahr im Bereich Wandsbek, zu dem der Nordosten Hamburgs mit Rahlstedt und den Walddörfern gehört. Dort wurden im Juli 144 Fahrräder gestohlen. Im Vorjahres-Juli waren es 89. In der Region Mitte 2, zu der unter anderem Billstedt, Hamm und Horn gehören, wurden 106 Fahrraddiebstähle angezeigt. Im Juli 2019 waren es 68 Taten.

Eher unauffällig ist die Region Harburg, zu der der komplette Süderelberaum mit Finkenwerder und Wilhelmsburg gehört. Dort verschwanden im Juli 93 Fahrräder. Im Bereich Bergedorf waren es sogar nur 49. Bergedorf ist auch der einzige Bereich in Hamburg, wo in diesem Juli weniger Fahrraddiebstähle angezeigt wurden als im Juli 2019. Was alle Bereiche Hamburgs gemeinsam haben, ist, dass es vor allem Bahnhöfe sind, um die besonders viele Fahrräder gestohlen werden.

Opfer machen es den Dieben oft einfach

Dort haben die Täter eine große Auswahl, sie haben Zeit, weil die Besitzer oft mit der Bahn weitergefahren sind, und es ist unauffällig. In Wohngebieten gibt es dagegen eher eine „Streulage“. Dort verschwinden Fahrräder, „ohne dass besondere Schwerpunkte erkennbar wären“, so ein Beamter. Gestohlen wurden, zumindest im vergangenen Jahr, meistens Fahrräder in der Preisklasse von 500 bis 2500 Euro. 4768 Fälle wurden registriert. In der nächsten Kategorie, in der Fahrräder im Wert von 2500 bis 5000 Euro erfasst werden, waren es nur 292 Fälle. Aber auch 41 Fahrräder mit einem Wert von über 5000 Euro wurde gestohlen, eines davon war sogar über 25.000 Euro wert. Allerdings finden auch „Schrotträder“ ihre „Liebhaber“. So wurde in der Statistik für über 3000 der im vergangnen Jahr gestohlenen Fahrräder ein Wert von unter 15 Euro ausgewiesen.

Die Opfer machen es den Dieben oft einfach. „Beim Fahrradschloss wird eben immer noch gern gespart“, sagt Polizeisprecher Florian Abbenseth. Und die Täter hätten aufgerüstet. Heute hätten Fahrraddiebe nicht mehr den Bolzenschneider, sondern stattdessen oft die Akku-Flex im Rucksack. „Minderwertige Schlösser bekommt man damit innerhalb weniger Sekunden auf“, so Abbenseth. Sein Tipp: Man sollte nicht nur ein Schloss, sondern zwei, möglichst verschiedener Bauart, benutzen. Damit müssten die Täter beim Aufbruch das Werkzeug wechseln, was ihr Risiko erhöhe. Ebenfalls ein großes Defizit sei, dass die meisten Besitzer nicht einmal die Rahmennummer ihres Fahrrades wüssten.

Einbau eines versteckten GPS-Trackers wird empfohlen

„Leider ist die auf den meisten Kaufverträgen nicht drauf“, so Abbenseth. „Man findet sie am Lenkerkopf, am Rahmensitzrohr knapp unter dem Sattel, auf der Unterseite des Tretlagers oder auf der Gepäckträgerplatte.“ Er empfiehlt den Fahrradpass, den es auch als App gibt. Dort kann man nicht nur alle wichtigen Daten, sondern auch Fotos von seinem Fahrrad einfügen. Noch besser sei es, das Fahrrad zusätzlich codieren zu lassen. Dabei bekommt es eine individuelle Nummer eingeätzt. Die Hamburger Polizeiwachen führen regelmäßig kostenpflichtige Codieraktionen im Rahmen der Diebstahlsprävention durch. Zudem muss man seinen Ausweis und einen Kaufbeleg für das Fahrrad mitbringen.

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Bei hochwertigen Fahrrädern empfiehlt Abbenseth den Einbau eines versteckten GPS-Trackers. Damit kann das Fahrrad geortet werden. Ansonsten ist die Chance, ein gestohlenes Fahrrad wiederzubekommen, eher gering. Von den 12.079 Fällen von Fahrraddiebstahl, die sich im vergangenen Jahr in Hamburg ereigneten, wurden lediglich 4,1 Prozent aufgeklärt. Täter sind fast immer Männer. Von den 468 ermittelten Fahrraddieben waren im vergangenen Jahr lediglich 26 Frauen.

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