Harburg

Mobbing? Linken-Vorstand tritt zurück

Sabine Boeddinghaus ist Fraktionsvorsitzende der Linken.

Sabine Boeddinghaus ist Fraktionsvorsitzende der Linken.

Foto: Thorsten Ahlf

Bezirksgremium sieht sich bedroht. Vorwürfe gegen die Fraktionsvorsitzende der Linken in der Bürgerschaft, Sabine Boeddinghaus.

Hamburg. Mit einem Paukenschlag hat sich der Bezirksvorstand der Linken in Harburg zurückgezogen. Die drei verbliebenen Mitglieder sind zurückgetreten. In einem internen Schreiben an die „lieben Genossinnen und Genossen“ wird der Schritt begründet. Es geht um angebliches Mobbing und selbst Gewaltandrohung. In der Kritik steht auch die Fraktionsvorsitzende der Linken in der Bürgerschaft, Sabine Boeddinghaus.

Bereits im November vergangenen Jahres, unmittelbar nach der Wahl des neuen Vorstandes, gab es Streit. „Seit dem Wahlabend gibt es Anfeindungen, fieses Mobbing und Ausgrenzung gezielt gegen einzelne Mitglieder des Vorstandes oder auch gegen den Bezirksvorstand in Gänze“, heißt es in dem Schreiben, in dem die drei verbliebenen Vorstandsmitglieder Alexandra Maria Grimm, André Lenthe und Taras Fillanich ihren Rücktritt erklärten.

Arbeit des Vorstandes sei mit Anträgen torpediert worden

In der Zeit danach sei die Arbeit des Vorstandes mit Anträgen torpediert worden. Bereits nach kurzer Zeit warfen in der Folge zwei Vorstandsmitglieder das Handtuch. Man habe nicht mehr inhaltlich arbeiten können und sei „gezielt behindert“ worden. In einer „persönlichen Erklärung“ des Vorstandsmitglieds André Lenthe zu seinem Rücktritt heißt es hingegen: Bereits am Abend nach der Vorstandswahl sei vor der Tür gesagt worden „jetzt hilft nur noch Mobbing, Mobbing, Mobbing“.

Lenthe bringt auch den Wahlkampf von Boeddinghaus ins Spiel, die im Februar über die Landesliste erneut in die Bürgerschaft eingezogen war. Ihr Wahlkampf soll auch mit Geld finanziert worden sein, das für ein Kinderfest vorgesehen war.

Boeddinghaus war von dem Vorwurf überrascht

Boeddinghaus sagte auf Anfrage, sie sei von dem Vorwurf überrascht. „Das Wahlkampfbudget für unseren Bürgerschaftswahlkampf ist satzungskonform durch unsere Bezirksmitgliederversammlung mit sehr großer Mehrheit beschlossen worden“, so Boeddinghaus. In der persönlichen Erklärung liest sich der Vorgang so: „Das Wahlbüro beschloss, ohne Rücksprache mit den Mitgliedern, der Partei oder dem Vorstand, eine Erhöhung des Wahlkampfbudgets aus Geldern des Kinderfestes.“

Das Wahlbüro sei lediglich eine Arbeitsgruppe und kein satzungsgemäßes Gremium, das über die Vergabe und Umschichtung von Geldern bestimmen könne. Deswegen sei der Vorgang vom Vorstand hinterfragt worden, der mehrheitlich die Geldentnahme abgelehnt hätte.

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Seitdem, so empfinden es die jetzt zurückgetretenen Vorstandsmitglieder, sei man als „Nestbeschmutzer“ verunglimpft worden. Boeddinghaus verweist zusätzlich darauf, dass das Kinderfest wegen Corona abgesagt wurde. Allerdings war zum Bürgerschaftswahlkampf eine Covid-19-Pandemie noch kein Thema.

Der Streit dürfte parteiintern noch für einige Aufregung sorgen. Die zurückgetretenen Vorstandsmitglieder wollen eine Aufarbeitung der „Mobbingattacken, verbalen Entgleisungen und Gewaltandrohung“ durch Parteigremien. Bereits am kommenden Mittwoch soll im Bezirksverband Harburg ein neuer Vorstand gewählt werden.