Corona

Boxschule will wieder mit Mädchen und Jungen trainieren

Boxtrainer Olaf Jessen gibt derzeit virtuell Unterricht.

Boxtrainer Olaf Jessen gibt derzeit virtuell Unterricht.

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia/Funke Foto Services

Verein macht Angebote an auffällige Kinder und Jugendliche. Derzeit sind Kurse ausgesetzt – dabei sind sie nötiger denn je.

Hamburg. Der Fitness-Coach und Betreiber der Boxschool, Olaf Jessen, richtet einen Appell an die Stadt: Die gesundheitliche Entwicklung von Kindern darf in der Pandemie nicht vernachlässigt werden. Olaf Jessen setzt sich seit mehreren Jahrzehnten für verhaltensauffällige Jugendliche ein. Das soziale Engagement des Boxtrainers wird finanziell von der Schulbehörde und dem Weißen Ring unterstützt. Seit fast einem halben Jahr werden allerdings alle Kurse aufgrund von Corona ausgesetzt.

Doch der 54-Jährige sorgt sich nicht um sein Unternehmen, sondern um seine Schützlinge. Er fordert die Politik auf, die pädagogische Arbeit von Sportvereinen nicht zu vergessen. Seit zehn Jahren bietet die Boxschool ein pädagogisch aufbereitetes Bewegungstraining an, das mithilfe des Boxens darauf abzielt, gewaltbereite Kinder und Jugendliche zu unterstützen.

Hier werden die Kinder von der Straße geholt

Sowohl in den Schulen vor Ort als auch in Jessens Sportcenter in Stellingen lernen sie den disziplinierten Umgang miteinander und werden von der Straße geholt. Das Ziel des Programms ist es, die jungen Boxer in ihrer sozialen Orientierung und Integration zu begleiten. Dafür setzen sich die Mitarbeiter der Boxschool auch mit Opfern von jugendlicher Gewalt auseinander.

Jessen glaubt, dass die Werte und pädagogischen Maßnahmen, die der Sport vermitteln kann, immer noch unterschätzt werden. Die Jugendlichen, die er trainiert und betreut, habe die Pandemie hart getroffen, so Jessen. „Da treffen gefrustete Jugendliche für einen langen Zeitraum auf Eltern, die schon vor Jahren die Erziehung in andere Hände gegeben haben. Und das auf engstem Raum.“ Durch Kurzarbeit und die schwierige Jobsituation würden zudem Existenzängste der Eltern auf die Kinder übertragen, so Jessen.

Corona-Konzept erarbeitet

In seinen mehr als 20 Jahren als Boxtrainer hat er gelernt, dass Sportvereine Kindern Halt geben können. Sie sind ein Ort, um sich gemeinsam auszupowern und an sich zu arbeiten. Doch bis zum Herbst setzt die Stadt den Boxsport weiterhin aus. Die Boxschool hatte mit einem eigens für die Corona-Pandemie ausgearbeiteten Konzept versucht Schülern den Zugang zum Training zu ermöglichen.

Das Konzept basierte auf einem ausführlichen Grundlagentraining unter Einhaltung des Mindestabstands in Gruppen von fünf bis sechs Sportlern. Obwohl der Sportunterricht in Schulen fortgeführt wird, erhielt die Boxschool von der Schulbehörde eine Absage. Begründung: körperbetonte Bewegung, kämpfen und verteidigen, das sei derzeit nicht zulässig.

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Jessen ist vor allem um einen gemeinsamen Neustart bemüht. In Zeiten der Flüchtlingskrise und bei der Bewerbung für die Olympischen Spiele war die Stadt noch an ihn herangetreten. Einen ähnlich engen Austausch hatte er sich nun auch in der Corona-Pandemie erhofft. „Mir fehlt in Hamburg die öffentliche Diskussion zur Lage unserer Kinder und Jugendlichen“, sagt er. Und wünscht sich, dass sich Politik und Sportvereine kurzfristig zusammensetzen, um ein Hygienekonzept zu erarbeiten.