Corona-Pandemie

Flughafen Hamburg: Gestern Mallorca, heute Quarantäne

Reiserückkehrer von der Insel Mallorca am Hamburger Flughafen: Seit Spanien fast vollständig zum Risikogebiet erklärt wurde, ist die Zahl der täglichen Coronatests drastisch gestiegen.

Reiserückkehrer von der Insel Mallorca am Hamburger Flughafen: Seit Spanien fast vollständig zum Risikogebiet erklärt wurde, ist die Zahl der täglichen Coronatests drastisch gestiegen.

Foto: Michael Arning

Wie reagieren Reiserückkehrer, wie gut sind Stadt und Airport vorbereitet? Das Abendblatt beantwortet die wichtigsten Fragen.

Hamburg. Zu keinem anderen ausländischen Flugziel gibt es ab Hamburg mehr Verbindungen als nach Mallorca – entsprechend stark hat sich die Entscheidung des Bunds, Spanien inklusive der Balearen zum Corona-Risikogebiet zu erklären, bereits am Wochenende ausgewirkt. Nicht nur am Flughafen Hamburg gab es einen enormen Andrang auf die Tests. Der Senat prüft eine Ausweitung der Kapazitäten – unterdessen sind auch Reisende, die vor der Entscheidung zurückkehrten, teilweise verunsichert. Das Abendblatt klärt die wichtigsten Fragen.

Wie ist die Situation am Corona-Testzentrum des Flughafens Hamburg?

Bereits am Freitagabend kam es vor dem Testzentrum im „Terminal Tango“ zu langen Warteschlangen. Allein am Sonnabend landeten neun Maschinen aus Palma de Mallorca in Fuhlsbüttel, alle Passagiere müssen sich binnen 72 Stunden auf eine Corona-Infektion testen lassen. In der Spitze warteten die Betroffenen bis zu dreieinhalb Stunden auf ihre Tests, da weiter auch Reisende aus anderen Risikogebieten in Hamburg landeten. Laut Sozialbehörde dauert es weiterhin ein bis zwei Tage, bis die Ergebnisse vorliegen. Solange müssen die Betroffenen in Quarantäne bleiben.

Gab es positive Corona-Fälle unter Mallorca-Rückkehrern in Hamburg?

Ja. Bislang handelt es sich hierbei laut Senat aber um Einzelfälle. Die Ergebnisse der Tests am Wochenende sind noch nicht ausgewertet. Die Situation in anderen Risikoländern, aber auch auf dem spanischen Festland wird gemeinhin als deutlich kritischer eingestuft. Dennoch gelte es, wachsam zu sein.

Werden die Testkapazitäten für Reiserückkehrer erweitert?

Kurzfristig soll ein zweites Testzentrum im ersten Stock der Abflughalle in Terminal 1 entstehen – hierbei handelt es sich um ein kommerzielles Angebot des Konzerns „Centogene“, das sich an Menschen richtet, die in Nicht-Risikogebiete fliegen und dort ohne Test etwa in Quarantäne müssten. Dabei tragen immer die Reisenden die Kosten. Die Sozialbehörde kündigte am Sonntag auf Anfrage an, dass man gemeinsam mit der Kassenärztlichen Vereinigung (KVHH) angesichts der Masse der Mallorca-Rückkehrer eine Ausweitung des Zentrums im „Terminal Tango“ prüfe. „Wichtig ist aber zu betonen, dass die maximale Zahl von 2000 Tests pro Tag bis zum Wochenende noch nicht erreicht wurde“, so der Sprecher Martin Helfrich. Am Hauptbahnhof soll ein weiteres Testzentrum entstehen.

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Sind die Corona-Tests für Reisende in jedem Fall kostenlos?

Für Reisende aus Risikogebieten: ja. Das Gleiche gilt auch für Menschen, die aus Nicht-Risikoländern zurückkommen – sofern sie sich innerhalb von 72 Stunden testen lassen. Wie die KVHH auf Anfrage mitteilte, würde auch ein zweiter Test nach einigen Tagen von den Kassen übernommen, sofern der erste Test im Zeitfenster erfolgte. Obwohl Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Wochenende betonte, an der bisherigen Regelung festhalten zu wollen, will der Hamburger Senat die Rückkehrer aus Risikogebieten perspektivisch weiter selbst für die Testkosten aufkommen lassen. „Es finden hierzu weitere Diskussionen statt“, sagte der Behördensprecher Martin Helfrich. Ein Alleingang der Stadt komme jedoch nicht infrage.

Wie reagieren Reiseveranstalter auf die Entscheidung?

Bereits von Sonnabend an wurden geplante Pauschalreisen nach Mallorca in den kommenden Wochen vollständig abgesagt. Die Anbieter bieten den Betroffenen kostenlose Umbuchungen an. Der Reiseveranstalter Tui bat darüber hinaus alle Kunden, die sich noch auf Mallorca befinden, innerhalb von sieben Tagen nach Deutschland zurückzukehren.

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Wie sollen sich Rückkehrer verhalten, die vor der Entscheidung am Freitag in Hamburg gelandet sind?

Auch für sie wird ein Corona-Test nur dann von den Kassen übernommen, wenn sie sich in dem 72-Stunden-Fenster testen lassen oder sie Symptome zeigen. Die Sozialbehörde rät Menschen, die vor der Einstufung als Risikogebiet zurückkehrten, nicht pauschal zu einem Test. Unabhängig von den Risikogebieten wird Reisenden aber empfohlen, sich nach der Rückkehr für eine Woche in häusliche Quarantäne zu begeben und sich bei Symptomen testen zu lassen.

Finden Flüge von und nach Mallorca weiter wie geplant statt?

Vorerst ja. Am Sonntag hoben allein bis zum Nachmittag fünf Flugzeuge am Helmut-Schmidt-Airport nach Palma de Mallorca ab. Für diese Woche sind laut Flughafensprecherin Stefanie Harder bislang 64 Abflüge nach Spanien vorgesehen, davon 37 nach Palma de Mallorca. Die Zahl der erwarteten Ankünfte bewege sich in einem ähnlichen Bereich. „Bislang sind keine Flüge gestrichen worden“, sagte Harder. Am Wochenende seien viele Flugzeuge deutlich leerer gewesen als zuletzt. Dies könne aber auch mit dem Ende der Ferien zusammenhängen.

War Hamburg auf die Entscheidung des Bundes vorbereitet?

Nur teilweise. Zwar wurden etwa die Mitarbeiter des Arztrufes 116117 vorab über die neue Einstufung informiert – es gab jedoch zunächst Unklarheit darüber, welche Mallorca-Urlauber sich testen lassen sollten und in welchem Fall diese selbst dafür zahlen müssen. Am Wochenende kam es etwa in der Notfallpraxis Altona, wo sich Rückkehrer ebenfalls testen lassen können, zu langen Wartezeiten und großem Andrang.

Wie entwickelt sich die Zahl der Corona-Infektionen in Hamburg?

Am Sonnabend wurden 28 neue Covid-19-Fälle, am Sonntag nur neun weitere Infektionen in der Hansestadt bestätigt. Damit gab es nun insgesamt 5886 Fälle, von denen 5100 als geheilt gelten – die Zahl der Verstorbenen liegt weiter unverändert bei 231. Am Wochenende gab es jedoch eine Software-Umstellung in der Hamburger Verwaltung – es wird daher davon ausgegangen, dass zu Wochenbeginn noch Fälle nachgemeldet werden.

Wie reagieren Hamburger Reiserückkehrer?

Die Familien Wacker und Pohl lassen am Sonnabend eine kleine Lücke zu den Menschen vor ihnen entstehen, so gibt es zum Ärger wenigstens Schatten. Die beiden Paare warten mit ihren Kindern in der Schlange vor dem „Terminal Tango“, sie tragen selbst bedruckte Mallorca-T-Shirts, bis zum Freitag war es ein rundum gelungener Urlaub. „Dann kamen schon die Nachrichten“, sagt Hanno Wacker. Ein Kollege wünschte guten Rückflug. „Und willkommen in der Quarantäne“.

Sie versuchen, den Test und die Wartezeit so gelassen wie möglich zu nehmen. Grundsätzlich haben sie Verständnis. „Ehrlich gesagt ist es auf Mallorca aber gerade gar nicht so leicht, in engen Kontakt mit vielen Menschen zu kommen“, sagt Hanno Wacker. Er zeigt auf seinem Handy ein Selfie vom Strand von Alcudia im Nordosten Mallorcas, eine Touristenhochburg – hinter seinem Gesicht aber nur weiter Strand und Wasser, kaum eine Menschenseele. „Wir waren einen Tag lang in Palma de Mallorca. Wenn überhaupt etwas passiert sein könnte, dann wohl dort.“ In der Inselhauptstadt sind die Corona-Fallzahlen derzeit mit Abstand am höchsten. „Wir haben aber auch deshalb eine Finca an einem abgelegeneren Ort gebucht, damit der Kontakt so gering wie möglich ist.“

Was sagen Mallorca-Urlauber aus anderen (Bundes-) Ländern?

Genauso haben auch die Schülerinnen Nike Esselmann und Kim Wettern (beide 18) ihre Reise geplant. Zudem trugen sie an den Flughäfen jeweils zwei Masken übereinander – um sich selbst und andere möglichst gut zu schützen. „Hier in Hamburg hängt die Maske bei einigen unter der Nase – das haben wir auf Mallorca nicht gesehen“, sagt Kim Esselmann. „Wenn wir gewusst hätten, dass es zum Risikogebiet wird, hätten wir sicherlich umgebucht.“ Immerhin sei die Quarantäne kein Problem, da sie im niedersächsischen Hittfeld leben und noch unterrichtsfrei haben.

Für Reisende, die Hamburg nur als Abflugort nutzen, können die neuen Regeln jedoch auch doppelten Ärger bedeuten. Wie für den Dänen Jan Berg Nielsen (62), der mit seiner Frau nach der Ankunft noch eine Autofahrt nach Aarhus vor sich hat. „Der Pilot hat uns per Durchsage informiert. Jetzt werden wir getestet – und dann an der dänischen Grenze noch einmal“, sagt er am Sonnabendnachmittag. Mit Glück seien sie vor Mitternacht zu Hause.