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Meck-Pomm: Tagestouristen aus Hamburg des Landes verwiesen

| Lesedauer: 10 Minuten
Die illegalen Tagestouristen wurden von der Polizei des Landes verwiesen (Symbolbild).

Die illegalen Tagestouristen wurden von der Polizei des Landes verwiesen (Symbolbild).

Foto: picture alliance

Der Tag im Überblick: Ansturm auf Testzentrum am Airport. Corona-Zahlen in Hamburg. Krankenhäuser warnen.

Hamburg. Seit Spanien als Corona-Risikogebiet eingestuft worden ist, wächst die Unsicherheit unter Urlaubern. Am Sonntag bildeten sich vor dem Corona-Testzentrum am Flughafen in Hamburg lange Schlangen aus Reiserückkehrern. Derweil fürchten die Krankenhäuser der Stadt weiter um ihre Einnahmen und warnen vor einem stärkeren Infektionsgeschehen im Herbst und Winter.

Eine gute Nachricht gibt es für Reisende in Schleswig-Holstein: Bei der Einreise nach Dänemark müssen Touristen künftig nicht mehr nachweisen, dass sie mindestens sechs Übernachtungen im Land gebucht haben.

Lesen Sie hier alle Nachrichten zu Corona am Sonntag, 16. August:

Interaktive Karte: Das Coronavirus in Deutschland und weltweit

Hamburger Tagestouristen aus Mecklenburg-Vorpommern geworfen

Wie die Polizei Gadebusch mitteilt, wurden die Beamten am Sonntagnachmittag alarmiert, weil Anwohner eine größere Personengruppe am Dutzower See ausgemacht hatten, deren in der Nähe abgestellte Pkw nicht aus dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern (MV) stammten. Da der Besuch von MV Tagestouristen weiterhin untersagt ist, wurden die etwa 100 Menschen am Seeufer von der Polizei kontrolliert.

Ein Teil der Anwesenden kam aus Hamburg und Schleswig-Holstein und wurde des Landes verwiesen und muss nun mit einem Ordnungswidrigkeitsverfahren rechnen. Laut Polizei Gadebusch zeigten sich alle Angesprochenen einsichtig. Auch Verstöße gegen die Regelungen zum Mindestabstand seien nicht festgestellt worden.

Hunderte Menschen demonstrieren in Kiel gegen Corona-Auflagen

Wie am Vortag in Hamburg, haben am Sonntag auch in Kiel viele Menschen gegen die Corona-Auflagen und die Maskenpflicht demonstriert. Unter dem Motto „Freiheit und Selbstbestimmung“ fanden sich nach Polizeiangaben rund 400 bis 500 Menschen auf der Reventlou-Wiese ein. Die Kundgebung von „Querdenken Kiel 22“ sei friedlich verlaufen.

Allerdings sei es insgesamt sehr voll gewesen, da sich dort am Wasser auch viele andere Menschen aufgehalten hätten, sagte der Polizeisprecher. Die Abstandsregeln seien insgesamt jedoch eingehalten worden. An der Kiellinie fanden sich unter dem Motto „Solidarität im Umgang mit Corona“ auch Gegendemonstranten ein.

Unter den Gegnern von Maskenpflicht und Corona-Auflagen befand sich auch der rechtsextreme Aktivist Nikolai Nerling, bekannt als Videoblogger „Der Volkslehrer“. Nerling unterrichtete bis 2018 an einer Grundschule in Berlin-Gesundbrunnen. Da er nebenbei über seinen YouTube-Kanal Verschwörungstheorien sowie antisemitisches, rassistisches und völkisches Denken verbreitete, wurde er zunächst vom Schuldienst suspendiert und später ganz entlassen.

Hamburger Flughafen: Lange Schlangen bei Corona-Testzentrum

Nach der Einstufung von Spanien als Risikoland ist das Corona-Testzentrum am Hamburger Flughafen stark ausgelastet. Es gebe nach der Landung von Maschinen aus Spanien eine große Nachfrage nach Corona-Tests und längere Schlangen vor den fünf Teststraßen im „Terminal Tango“ außerhalb des eigentlichen Flughafengebäudes, sagte eine Sprecherin des Airports am Sonntag.

Allein am Sonntag sollten im Laufe des Tages sieben Maschinen aus Palma de Mallorca in Hamburg landen, dazu einige weitere vom spanischen Festland, aus der Türkei und aus den Balkan-Ländern.

Wann können Sie sich in den Testzentren testen lassen?

  • nach einer Testanordnung durch die Behörde
  • nach einer Meldung durch die Corona-App
  • Rückkehrer aus dem Ausland
  • Mitarbeiter an Schulen

Die Hamburger Gesundheitsbehörde hat das Corona-Testzentrum eingerichtet, das vom Deutschen Roten Kreuz betrieben wird. Die Kapazität wird mit rund 2000 Tests pro Tag angegeben, was rechnerisch ausreichend wäre. Wegen der ungleichmäßigen Auslastung über den Tag sind dennoch Engpässe zu erwarten, wenn mehrere Maschinen in kurzen Abständen landen.

Die Passagiere aus Risikogebieten sind zu einem Corona-Test verpflichet, sie müssen aber nicht das Testzentrum am Flughafen nutzen. Ebenso ist es möglich, den Test innerhalb von drei Tagen beim Hausarzt oder einem anderen Testzentrum nachzuholen. Nur mit einem negativen Test dürfen die Reisenden die vorgeschriebene häusliche Quarantäne vorzeitig verlassen.

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Hamburg meldet neun Corona-Neuinfektionen

Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Hamburg ist seit Sonnabend um neun gestiegen (am Vortag waren es 28 neue Fälle). Die niedrige Zahl der Neuinfektionen geht vermutlich auch auf weniger stark besetzte Labore am Wochenende zurück. Damit haben sich seit Beginn der Pandemie in Hamburg 5886 Menschen in Hamburg mit Sars-CoV-2 angesteckt. Rund 5100 davon können nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen aber als genesen angesehen werden.

In Hamburger Krankenhäusern werden den Angaben zufolge derzeit 15 Menschen mit dem Coronavirus behandelt. Neun von ihnen liegen auf Intensivstationen. Laut dem Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf starben in Hamburg bisher 231 Menschen an Covid-19.

In den zurückliegenden sieben Tagen gab es nach Angaben der Behörde insgesamt 212 Neuinfektionen. Das sind 11,8 pro 100.000 Einwohner. Das Infektionsgeschehen in der Stadt liegt damit nach wie unter dem Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, ab dem der Senat über erneute Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie beraten müsste.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Hamburger Krankenhäuser im Pandemie-Modus

Fünf Monate nach dem Anfang der Corona-Pandemie arbeiten Hamburgs Krankenhäuser in einer neuen Form des Normalbetriebs. Aufgeschobene Operationen und Behandlungen würden nachgeholt, doch könnten unter der anhaltenden Corona-Gefahr nicht alle Betten belegt werden, sagte Claudia Brase, Geschäftsführerin der Hamburgischen Krankenhausgesellschaft.

„Die Pandemiemaßnahmen erfordern mehr Aufwand und lassen eine normale Auslastung nicht zu“, sagte sie. Das Leistungsangebot der 35 Krankenhäuser werde jedoch vollständig vorgehalten. Die medizinische Versorgung der Bevölkerung sei gesichert.

Mit Blick auf 12.500 Krankenhausbetten seien die Krankenhäuser durch die unmittelbare Behandlung von Pandemie-Opfern nicht mehr stark belastet. Auch die zehnfache Zahl von Covid-Patienten wäre gut zu schaffen. „Wir haben aber Respekt und stehen auf Standby“, sagte Brase. „Die Pandemie ist nicht vorbei und es hängt vom Verhalten der Bevölkerung ab, wie sich die Infektionen ausbreiten.“

Krankenhäuser erzielen deutlich weniger Einnahmen

Im Winterhalbjahr könnten wieder mehr Infektionen und Erkrankungen auftreten, weil sich die Menschen verstärkt in geschlossenen Räumen aufhalten. „Wir hoffen, dass wir nicht wieder in die Situation kommen, in den Krisenmodus umschalten zu müssen.“

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Doch auch bei einem überschaubaren Infektionsgeschehen ist der Aufwand für die Krankenhäuser erheblich: Jeder neu eintreffende Patient wird auf das Coronavirus getestet, das Personal in regelmäßigen Abständen sowie anlassbezogen. Die Hygiene- und Abstandsregeln müssen streng eingehalten werden. Bei erhöhtem Aufwand erzielen die Krankenhäuser somit weniger Einnahmen, die bislang nur zum Teil ausgeglichen werden.

Wegen Corona? Menge an illegalen Sperrmülls steigt

Viele Städte und Gemeinden bemerken einen Anstieg an illegalem Sperrmüll in Schleswig-Holstein. In Flensburg haben sich illegale Müllablagerungen zu Beginn der Corona-Pandemie gegenüber dem Vorjahr fast verdoppelt. Demnach wurden zwischen März und April insgesamt 138 Fälle registriert, im Vergleichszeitraum 2019 waren es lediglich 76, wie die Stadt auf Nachfrage mitteilte. Der größte Teil davon sei Sperrmüll. Auch im Vergleich der Zeiträume Januar bis Juli zählte Flensburg dieses Jahr deutlich mehr illegalen Müll auf den Straßen als im Vorjahr.

Insgesamt wurden demnach 465 illegale Müllablagerungen gezählt, im Jahr davor waren es 350 Fälle, wie es hieß. Besonders häufig stellen die Menschen in Flensburg demnach alte Sitz- und Schlafmöbel sowie Schrankteile in der Öffentlichkeit ab. „Allerdings werden vermehrt auch Kühlschränke entsorgt, obwohl diese für die Umwelt schädliche Kühlflüssigkeiten enthalten“, heißt es. Auch Altkleider fänden sich oft unter dem entsorgten Material.

Ähnlich verhält es sich in der Landeshauptstadt Kiel. Hier wurden zwischen dem 1. Januar und dem 30. Juni insgesamt 1612 Fälle von illegalem Müll gemeldet, darunter auch Sperrmüll. Im Vergleichszeitraum 2019 waren es noch 1220, wie die Stadt mitteilte. Einen Zusammenhang mit der Corona-Pandemie schließt die Stadt zumindest beim Sperrmüll nicht aus.

Einen leichten Anstieg von verbotenen Müllablagerungen registrierte der Kreis Rendsburg-Eckernförde mit 72 Fällen in den ersten beiden Quartalen. In den Vergleichsquartalen des Vorjahres waren es 65. In jedem fünften Fall befanden sich umweltschädliche Substanzen wie Mineralwolle und asbesthaltige Produkte in dem weggeworfenen Material, hieß es.

Coronavirus: Das müssen Sie über Fachbegriffe wissen

  • Coronavirus: Eine Klasse von Viren, zu denen der neuartige Erreger gehört
  • Sars-CoV-2: Die genaue Bezeichnung des Virus, das sich von China aus verbreitet
  • Covid-19: Die Erkrankung, die das Virus auslöst

Lesen Sie hier den Corona-Newsblog von Sonnabend, 15. August

( ras/dpa/josi )

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