Hamburgs härteste Kneipe

Elbschlosskeller-Wirt Schmidt: freche Schnauze, großes Herz

Kiez-Wirt Daniel Schmidt (r.) und Markus Heyde vom DRK.

Kiez-Wirt Daniel Schmidt (r.) und Markus Heyde vom DRK.

Foto: Julian Schmelmer

Die Kultkneipe war wegen Corona geschlossen. Daniel Schmidt nutzte die Zeit, um auf St. Pauli zu helfen, und wurde dafür ausgezeichnet.

Hamburg. Normalerweise steht Daniel Schmidt hinter der Bar einer der berüchtigtsten Kneipen auf St. Pauli, dem Elbschlosskeller. Während der Corona- Pandemie versorgte er stattdessen Obdachlose mit Duschen, Essen und warmer Kleidung. Für sein soziales Engagement während der Corona-Krise hat das Deutsche Rote Kreuz (DRK) den Wirt jetzt ausgezeichnet.

Elbschlosskeller-Wirt erhält Auszeichnung vom Roten Kreuz

Er ist einer der wichtigsten Akteure auf dem Hamburger Kiez: Daniel Schmidt. Neben dem Elbschlosskeller betreibt er auch die Meuterei und das Lokal Motherfukker. Doch wie so viele Betriebe litten auch Schmidts Kneipen unter den Auflagen der Regierung.

Die härteste Kneipe Hamburgs schloss zum ersten Mal nach 70 Jahren ihre Türen. „Ich habe erst mal drei Tage geweint. Alles, was meine Lebensgefährtin und ich uns in den letzten zwölf Jahren aufgebaut haben, schien vor dem sicheren Aus“, beschrieb Schmidt seine Gefühle am Rande der Veranstaltung.

Während Corona gründete Schmidt "Wer Wenn Nicht Wir e.V."

Doch einfach so aufgeben kam für den Hamburger nicht infrage. Während der Pandemie gründete der 35-Jährige den Verein „Wer Wenn Nicht Wir e. V.“. Die Nachbarschaftsbewegung versorgt bis zum heutigen Tag 150 Menschen auf den Straßen von St. Pauli mit warmem Essen und Kleidung. Hunderte weitere Haushalte werden direkt beliefert.

Bis zu ihrer Wiedereröffnung vor drei Wochen dienten Schmidts Kneipen als Lagerhallen für die Spenden. Das warme Essen lieferte ein benachbartes Lokal, viele Freiwillige halfen mit. Im Gegenzug beglich der Kiez-Wirt die Strom- und Wasserrechnung des gefährdeten Restaurants.

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Sorge um Kunden und Freunde

Schmidt sagt, dass ihn der erfolgreiche Kampf aus der eigenen Drogensucht antreibt, anderen Menschen zu helfen. Was Schmidt in der Krisenzeit motivierte, war aber die konkrete Sorge um Kunden und Freunde: „Für uns auf St. Pauli ist der Tod von Risikopatienten nicht weit weg. Ihr Schicksal ist Alltag. Aber diese Leute gehören zu unserer Gesellschaft, und einer muss sich ja um sie kümmern.“

Markus Heyde vom DRK Cloppenburg überreichte Schmidt die Ehrennadel und Medaille vor dem Elbschlosskeller. In seiner Rede würdigte er Schmidts Haltung. „Daniel ist vom Kiez nicht mehr wegzudenken. Er stellt sich schützend vor Mitarbeiter, Familie und den Stadtteil“, begründete der Rettungssanitäter die Auszeichnung.

Für Schmidt ist der Preis etwas ganz Besonderes: „Hinter meiner frechen Schnauze und meinen Tattoos steckt eben ein großes Herz“, sagt er lachend. Für die Zukunft hofft der Familienvater, dass sein Verein andere Leute motiviert, sich ebenfalls zu engagieren.