Neuer Schutzschild

„Kugelsichere Luftmatratzen“ für Hamburgs Polizisten

Hauptkommissar Michael Mayer zeigt den neuen Schutzschild.

Hauptkommissar Michael Mayer zeigt den neuen Schutzschild.

Foto: André Zand-Vakili

Der neue aufblasbare Schutzschild widersteht nicht nur Kalaschnikow-Angriffen, es kann auch als Floß oder Trage eingesetzt werden.

Hamburg. Am Anfang war man skeptisch-amüsiert. Ein aufblasbarer Schild soll Hamburgs Polizisten vor Kugeln schützen und gleichzeitig selbst als Schwimmhilfe dienen. Es machte schon der Witz von der „kugelsicheren Luftmatratze“ die Runde. Mittlerweile ist man überzeugt. Jeder Streifenwagen in Hamburg soll jetzt mit solchen Schutzschilden ausgerüstet werden.

Der Mann, der für die Einführung zuständig ist, ist Hauptkommissar Michael Mayer, von der Abteilung „Waffen und Gerät“. Er führt den neuen Schild, der 60 mal 60 Zentimeter groß ist, vor. Daher kommt es wie eine Sporttasche, die an zwei Schlaufen getragen wird. Das beschusssichere Gewebe kann man sogar rollen. Einfach ausklappen, dann kommt man an die Griffe, an denen man ihn als Schild halten kann. Für die nötige Stabilität sorgt eine CO2-Patrone, die einmal ausgelöst, ruckzuck den Schild mit Gas füllt und ihm Stabilität gibt. „Es hält mehr ab als die Unterziehwesten, die jeder Beamte hat“, so Mayer. Gleichzeitig schützt er gegen Stiche, beispielsweise durch Messer, aber auch vor Schlägen, die der Schild abfedert.

Selbst die Geschosse einer Kalaschnikow soll der Schild abhalten

Es geht noch mehr. Zwei Platten aus schusssicherem Material, die ebenfalls mitgeführt werden, können in den Schild eingeschoben werden. „Dann schützt er auch gegen Beschuss aus den meisten Langwaffen“, so Mayer. Selbst die Geschosse der berüchtigten Kalaschnikow, dem russischen Sturmgewehr, soll der Schild abhalten. Sind die 60 mal 60 Zentimeter großen Flächen zu klein, mit denen man gut den Oberkörper schützen kann, setzt man einfach einen zweiten Schild daran. Der hält über einen Reißverschluss, der als stabile Verbindung dient. So hat man einen fast mannshohen Schutz.

Es können aber auch weitere Schilde verbunden werden. Dann ist der Schild sogar für einige andere Aufgaben zu „missbrauchen“. „Man kann ihn beispielsweise als Trage nutzen, um Verletzte zu transportieren“, so Mayer. Auch als Not-Floß funktioniert es. Selbst mit den eingesteckten beschusssicheren Platten hat der Schutzschild genug Auftrieb, um zu schwimmen und sogar eine Person über Wasser zu halten. Mehrere miteinander verbundene Schilde ergeben dann das Floß.

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Jetzt sollen die ersten 30 Exemplare ausgegeben werden. Sie gehören zur Antiterrorausstattung, werden aber bei allen relevanten Einsatzlagen genutzt. Einige kommen auf Streifenwagen. Andere werden zum Training benutzt. Das ist sozusagen der letzte Praxistest. Bevor sie als normales Einsatzmittel ausgegeben werden.

Die Einführung hat einen konkreten Hintergrund. Der Schild bietet nicht nur besseren Schutz als die aktuelle Variante. Er ist mit 8,5 Kilo inklusive ballistischer Platten deutlich leichter als der aktuell gebräuchliche Schutzschild, der 14 Kilo auf die Waage bringt. Und er ist leichter im Fahrzeug zu verstauen. Das hilft bei einem aktuellen Problem. Die Polizeiwagen kommen, wegen der mittlerweile umfangreichen Ausrüstung, an die Grenzen der zulässigen Zuladung. Da hilft jedes Kilo, das gespart wird.