Umfrage

Wo Frauen sich in Hamburg unsicher fühlen

Eine Joggerin im Wald. In einsamen Gegenden fühlen sich viele Frauen unsicher (Symbolbild).

Eine Joggerin im Wald. In einsamen Gegenden fühlen sich viele Frauen unsicher (Symbolbild).

Foto: Imago

Umfrage von Plan International zeigt, dass viele Angst in der eigenen Stadt haben. Welche Orte in der Hansestadt ein Problem sind.

Hamburg.  Kaum eine Frau fühlt sich sicher, wenn sie in Hamburg, Berlin, Köln oder München unterwegs ist. Das ist das Ergebnis der von der Kinderschutzorganisation Plan International von Januar bis März 2020 durchgeführten Befragung „Safe in the City?“ zur gefühlten Sicherheit in deutschen Großstädten. Knapp 1000 Teilnehmerinnen setzten dazu auf interaktiven Städtekarten Markierungen an Orten, die sie in der Hauptsache abends und in der Nacht als sicher oder unsicher erlebt hatten. In Hamburg fühlen sich die Mädchen und Frauen vor allem am Hauptbahnhof und auf der Reeperbahn unsicher.

Von den in Hamburg gesetzten Ortsmarkierungen wurden 85 Prozent als negativ eingestuft. Die Frauen begründeten dies beispielsweise mit aufdringlichen Sprüchen beim Joggen im Park, mit schlecht beleuchteten Straßen auf dem Heimweg, Verfolgungen oder unsittlichen Berührungen. Vor allem auf den Straßen (53 Prozent), in öffentlichen Verkehrsmitteln (19 Prozent) und in Parks (19 Prozent) fühlten sich die Hamburgerinnen unsicher – besonders nachts.

Schlecht beleuchtete Wege und einsame Gegenden verunsichern Frauen

Maike Röttger, Geschäftsführerin von Plan International Deutschland sagte: „Unsere Umfrage zeigt, dass Mädchen und Frauen sich in ihrer Stadt nicht wirklich sicher und frei bewegen können. Im Schnitt hat jede der Teilnehmerinnen einen unsicheren Ort in ihrem Umfeld markiert.“ Jede vierte Frau habe sexuelle Belästigung erlebt und jede fünfte sei schon einmal verfolgt, beschimpft und bedroht worden. „Ein Ergebnis, das uns sehr zu denken gibt“, so Röttger.

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Die am häufigsten genannten Gründe für Unsicherheit seien Begegnungen mit Personengruppen, die Alkohol oder Drogen konsumieren, ebenso schlecht beleuchtete Wege sowie einsame Gegenden. „Unsere Umfrage hat gezeigt, dass der Handlungsbedarf groß ist. Jedes Mädchen und jede Frau hat das Recht, sich in ihrer Stadt frei und ohne Angst zu bewegen.“ Städtebauliche Maßnahmen wie mehr oder bessere Beleuchtung oder das Abschaffen von düsteren Ecken in Parks wären ein guter erster Schritt.

Eine 2018 veröffentlichte Befragung von Plan International in Delhi, Sydney, Kampala, Lima und Madrid hatte gezeigt, dass sich ein großer Teil der jungen Frauen in ihren Städten nicht sicher fühlt. Von insgesamt über 21.000 Orts-Markierungen waren ebenfalls fast 80 Prozent negativ. „Viele Mädchen und Frauen zeigen oft aus Scham solche Taten nicht an“, sagte Mirko Streiber, Leiter des Landeskriminalamtes Hamburg. Tatsächlich ist die Zahl der Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im Vergleich zum Vorjahr in allen Städten außer München gestiegen – in Hamburg plus 6,9 Prozent. Hier gehe das aber auf mehr Anzeigen im Bereich der Kinderpornografie zurück, sagte Streiber.