Verkehrsminister

Scheuer fliegt von Hamburg nach Sylt – Ziel: Niebüll

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer am 23. Juli 2020 beim Luftfahrtgipfel in Berlin – ob er sich dort für eine bessere Anbindung des Sylter Flughafens einsetzte, ist nicht bekannt.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer am 23. Juli 2020 beim Luftfahrtgipfel in Berlin – ob er sich dort für eine bessere Anbindung des Sylter Flughafens einsetzte, ist nicht bekannt.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Der CSU-Politiker wollte ausgerechnet den Ausbau der Bahnstrecke und den Bau einer Wasserstoffanlage in Augenschein nehmen.

Hamburg/Sylt. Wahrscheinlich hatte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer sein Amt einfach nur besonders ernst nehmen wollen: Um von Salzwedel in Sachsen-Anhalt zu einer Wasserstofftankstelle in Nordfriesland zu kommen, setzte der CSU-Politiker nicht auf ein, sondern auf gleich drei verschiedene Verkehrsmittel – und auf einen "kleinen" Umweg über Hamburg und Sylt.

Mit dem Auto, so berichtet es die "taz", fuhr der Minister Anfang Juli vom Termin zum Breitbandausbau in Sachsen-Anhalt nach Hamburg, setzte sich dort ins Flugzeug, um nach Sylt zu fliegen, blieb eine Nacht auf der Insel und fuhr am nächsten Tag mit dem Zug nach Niebüll. Alles ganz dienstlich, versteht sich, ein parlamentarischer Staatssekretär erläuterte der "taz", dass es sogar während der Bahnfahrt um das "Schienenprojekt Niebüll-Klanxbüll" gegangen sei.

Kritik an Scheuers Flug von Hamburg nach Sylt von den Grünen

Dann der mentale Gangwechsel: Von der Schiene zurück auf die Straße, zur Wasserstofftankstelle, wieder mit dem Auto. Angefallen, so das Ministerium, seien die "im Rahmen einer Dienstreise üblichen Kosten", genauer wollte man sich gegenüber der "taz" nicht äußern. Aufgrund von Terminschwierigkeiten sei keine andere Planung möglich gewesen, heißt es aus dem Ministerium.

Nicht ganz so amüsant findet der niedersächsische Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler (Grüne) den umtriebigen Minister, er sagte der "taz": „Was ist das für ein Verkehrsminister, der in Zeiten der Klimakrise innerdeutsch eine Distanz von 190 Kilometer fliegt und nicht die Bahn nimmt oder ein E-Auto fährt?“

Kindler weist zudem darauf hin, dass Scheuer nicht nur einen größeren Beitrag zum Klimaschutz hätte leisten können – sondern auch einen kleineren zur finanziellen Belastung des Steuerzahlers: Als Bundestagsabgeordneter könne er die Bahn gänzlich kostenfrei nutzen. Die fährt von Hamburg nach Niebüll übrigens stündlich – und wenn es keine Verzögerungen gibt, braucht sie dafür auch nur zweieinhalb Stunden.