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Jungfernstieg wird autofrei: Das sind die konkreten Pläne

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Andreas Dey
So soll der Junfernstieg nach den neuesten Plänen ab Oktober aussehen.

So soll der Junfernstieg nach den neuesten Plänen ab Oktober aussehen.

Foto: BSW

Auf umfangreiche Bauarbeiten wird wegen der Corona-Krise zunächst verzichtet. Sie sind erst später geplant.

Hamburg. Passender hätte die Situation kaum sein können. Als sich Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt (SPD), Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) und Mitte-Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) auf der Verkehrsinsel am Jungfernstieg für Fotografen und Kameraleute aufstellten, konnte man sein eigenes Wort kaum verstehen. Busse, Taxis, Pkw, Motorräder – der Verkehr dröhnte nur so links und rechts an den Politikern vorbei. Die Luftqualität? Für so einen windigen Ort in Wassernähe äußerst bescheiden.

Das soll sich nun bald ändern. SPD und Grüne greifen das im Koalitionsvertrag verankerte Ziel, die Innenstadt weiter verkehrlich zu beruhigen und autoarm zu gestalten, überraschend schnell auf und beginnen an einem der prominentesten Punkte: dem Jungfernstieg. Wie bei der Regierungsbildung im Juni beschlossen, soll dieser vom „motorisierten Individualverkehr“ befreit werden – und zwar schon im kommenden Oktober.

Zunächst wird es eine Übergangslösung geben

Da die eigentlichen Bauarbeiten dafür erst im Herbst 2021 starten sollen, wird es zunächst eine Übergangslösung geben. Dabei wird schlicht mithilfe von Schildern verdeutlicht, dass Autos, Motorräder und Lkw den Jungfernstieg nicht mehr befahren dürfen. Lediglich Busse, Taxis, Fahrräder und Lieferverkehr dürfen noch passieren – wobei Radler auf der Straße fahren müssen, auf der dann Tempo 30 gilt. Der oft und heftig kritisierte, weil kaum zu erkennende Radweg auf dem wasserseitigen Gehweg wird „zurückgebaut“, der Fußweg dadurch großzügiger.

Hinzu kommt: Eine neue Mittelinsel trennt die jetzt noch sehr breite Fahrbahn in zwei Hälften und erleichtert das Überqueren. Das Abbiegen in die Großen Bleichen ist von Oktober an ebenso nicht mehr möglich wie die Ausfahrt aus dem Neuen Wall. Wer mit dem Auto ins Passagenviertel will, muss über die Stadthausbrücke anfahren: Über Neuen Wall, Poststraße (hier wird die Einbahnstraßen-Richtung umgekehrt) und Große Bleichen wird das Quartier U-förmig erschlossen. Da auch das Linksabbiegen in den Neuen Jungfernstieg (vom Gänsemarkt kommend) nicht mehr möglich sein wird, wird auch auf dem Gänsemarkt deutlich weniger Verkehr sein. Anders als ursprünglich geplant wird die Zufahrt vom Ballindamm in die Bergstraße aber zunächst weiter möglich sein.

Coronageplagte Händler nicht noch zusätzlich mit einer Baustelle belasten

Auf die Übergangslösung hat man sich verständigt, um die coronageplagten Händler nicht noch zusätzlich mit einer Baustelle zu belasten, sagte Mitte-Bezirksamtsleiter Droßmann. Im Zuge der eigentlichen Umbauarbeiten ab Herbst 2021 wird der Straßenraum dann deutlich verkleinert, die Mittelinsel verschwindet wieder, dafür entstehen am Straßenrand neue Radwege.

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„So verbindet sich die Mobilitätswende ganz praktisch und erlebbar mit Umweltaspekten und stadträumlichen Qualitäten“, sagte Verkehrssenator Tjarks. „Wir wollen mit diesem sehr schnellen und hochwertigen Schritt den Jungfernstieg für die Hamburgerinnen und Hamburger neu erleb- und erfahrbar machen und damit ihre Verbindung zu einem der schönsten Orte Hamburgs stärken. Davon werden auch die Ladengeschäfte am Jungfernstieg profitieren.“

Umbau des Ballindamms ist in vollem Gange

Stadtentwicklungssenatorin Stapelfeldt sagte, es gehe darum, „Hamburgs prominenteste Flaniermeile behutsam weiterzuentwickeln, zu einem attraktiven grünen und lebenswerten Ort in unserer Stadt. Wir wollen die Innenstadt Stück für Stück städtebaulich deutlich aufwerten und die Plätze und Freiräume und Wegeverbindungen qualitätsvoll umgestalten. All das wird die Anziehungskraft Hamburgs stärken.“

So ist der Jungfernstieg nur ein, wenn auch wichtiger, Mosaikstein in einem größeren Plan für die City: Der Umbau des Ballindamms ist in vollem Gange und soll im Herbst abgeschlossen werden. Unter anderem entsteht hier Hamburgs breitester Radweg, dazu ein deutlich großzügigerer Fußweg zum Flanieren am Wasser. Die Arbeiten der Hochbahn an der U 3 im Bereich Mönckebergstraße habe dieser Tage begonnen – einen Monat später als geplant.

Auch viele Plätze in der Innenstadt sollen aufgewertet werden

Wie Tjarks sagte, verzichte man dafür bis Ende Februar auf eine Baustelle auf der Südseite der Straße, um den geplagten Händlern das Weihnachtsgeschäft nicht vollends zu verderben. Stattdessen wird die Mönckebergstraße – eine „Kommunaltrasse, die nur Busse und Taxis befahren dürfen – dann aber von März 2021 an voll gesperrt. Die Busse sollen dann über die Steinstraße umgeleitet werden. Ob das auch nach Ende der Arbeiten so bleibt, sei noch offen, sagte Tjarks.

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Nicht zuletzt sollen auch etliche Plätze in der Innenstadt aufgewertet werden. „Dass da schlicht Autos abgestellt werden, kann nicht die Perspektive sein“, sagte Stapelfeldt über den Burchardplatz im Kontorhausviertel mit seiner geschlossenen Backsteinbebauung. Und den Hopfenmarkt an der Nikolaikirche wolle sie „seiner historischen Bedeutung entsprechend“ umgestalten.

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