Aus Geldmangel

Neues Studium für Psychotherapie erst 2021?

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Marc Hasse

Uni Hamburg fordert zusätzliche Mittel von der Stadt für die reformierte Ausbildung. Psychotherapeutenkammer zeigt sich „bestürzt“.

Hamburg. Wer hierzulande Psychotherapeut werden wollte, brauchte dafür bisher viel Geduld und Geld: Nach einem mindestens fünfjährigen Psychologiestudium mussten Anwärter eine dreijährige Ausbildung absolvieren und dafür in der Regel mehr als 20.000 Euro zahlen. Attraktiver soll der Zugang zu dem Beruf durch eine Reform der Ausbildung werden, die der Bundestag im September 2019 beschlossen hatte: Demnach können Universitäten ab dem Wintersemester 2020/21 erstmals ein Studium der Psychotherapie anbieten, das sich in einen dreijährigen Bachelor- und einen zweijährigen Masterstudiengang gliedert.

Nach einer bestandenen staatlichen Prüfung soll die Approbation erteilt werden, also die Erlaubnis zu Behandlung. An das Studium anschließen soll sich eine Weiterbildung, während der die Psychotherapeuten für ihre Leistungen eine „angemessene Vergütung“ erhalten sollen.

An der Exzellenzuniversität Hamburg könnte die Einführung des reformierten Bachelorstudiengangs allerdings auf sich warten lassen – offenbar aus Geldmangel. Der Start zum Wintersemester sei nicht möglich, „weil erforderlichen Finanzmittel nicht zur Verfügung stehen“, wie die Hochschule auf Anfrage mitteilt. Nach Angaben der Universität müsste zusätzliches Personal eingestellt werden, um den neue Bachelor- und den neue Masterstudiengang anbieten zu können, was voraussichtlich 1,1 Millionen Euro pro Jahr kosten würde und nicht im Haushalt der Uni eingeplant sei. „Ursprünglich waren hierzu Mittel vom Bund in Aussicht gestellt worden“, teilt die Uni mit. Eine Zusage zur Übernahme der Kosten gebe es bisher jedoch weder vom Bund noch vom Land Hamburg.

Bewerbungsphase für Psychologiestudium endet am 20. August

Diese unklare Perspektive sorgt für Kritik. Viele Vertreter des Berufs hätten lang für eine Reform der psychotherapeutischen Ausbildung gekämpft, sagt Heike Peper, Präsidentin der Hamburger Psychotherapeutenkammer. Auch Hamburg habe im Bundesrat für das zum 1. September in Kraft tretende neue Gesetz gestimmt und davon ausgehen müssen, dass zusätzliche Lehrinhalte auch zusätzliche Kosten verursachen werden. „Umso bestürzter sind wir darüber, dass die Stadt die nötigen Mittel für den neu gestalteten Bachelorstudiengang an der Universität Hamburg im Wintersemester nicht zur Verfügung stellen will“, sagt Peper.

Es sei enttäuschend, dass die Wissenschaftsbehörde das Gesetz nicht umsetze, sagt Prof. Tania Lincoln, Leiterin des Arbeitsbereichs Klinische Psychologie an der Universität Hamburg. „Die Situation, die dadurch geschaffen wird, ist so, als würde man zu angehenden Medizinstudierenden sagen: Ihr könnt zwar in Hamburg Medizin studieren, aber damit nicht Arzt werden.“

Die Bewerbungsphase für das Psychologiestudium an der Universität Hamburg endet am 20. August. Bliebe es dabei, dass der neue Bachelor-Studiengang Psychotherapie nicht zum Wintersemester startet, könnten Studienanfänger nur mit dem „alten“ Bachelorstudiengang beginnen und darauf hoffen, dass eine Nachqualifizierung möglich sein wird und dass sie Zugang zu dem geplanten neuen Masterstudiengang bekommen werden, der zur Approbation führt, sagt Larissa Brockmann vom Fachschaftsrat Psychologie an der Universität. Das Institut für Psychologie der Uni erklärt online: „Wir setzen uns derzeit für eine Einführung zum Wintersemester 2021/22 ein.“

Behörde im „intensiven Austausch“ mit der Uni über Finanzierung

Die aktuelle Situation sei nicht hinnehmbar, sagt Larissa Brockmann. Den Fachschaftsrat hätten schon viele Fragen von Abiturienten erreicht, wie es weitergehe. Die Stadt Hamburg laufe Gefahr, ihren Status als norddeutschen Anlaufpunkt für Psychologie-Studierende zu verlieren.

Für Studierende, die bereits Psychologie studieren, sieht das neue Gesetz ein Übergangsfrist von zwölf Jahren vor. In diesem Zeitraum können sie ihr Studium abschließen und nach altem Recht eine Therapeutenausbildung absolvieren.

Die Wissenschaftsbehörde erklärt auf Anfrage, es sei ihr „Ziel“, den neuen Studiengang doch schon zum diesjährigen Wintersemester einzuführen. „Wir sind mit der Universität Hamburg im intensiven Austausch, wie die finanziellen Fragen gelöst werden können“, teilt die Behörde mit. Sollte die Einführung erst später möglich sein, werde der bisherige Psychologie-Studiengang erweitert. „So haben Studierenden auch in diesem Fall die Möglichkeit, im kommenden Wintersemester Module zu belegen, die für das Studium nach dem Psychotherapeutengesetzt notwendig sind und entsprechend anerkannt werden.“

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