Rücksichtslosigkeit

„Vermüllung und Verrohung wird in Hamburg geduldet“

Illegal: Sperrmüll am Alpenrosenweg in Eidelstedt

Illegal: Sperrmüll am Alpenrosenweg in Eidelstedt

Foto: Gerlach

Müll, Lärm, Partys – Bezirksamtschefin Stefanie von Berg klagt über Rücksichtslosigkeit. Hier sind weitere Leser-Reaktionen.

Hamburg. Vergangene Woche hatte sich Stefanie von Berg (Grüne), Bezirksamtschefin von Altona, in einem Interview mit dem Abendblatt massiv über die zunehmenden Probleme mit Müllsündern, rücksichtslosen Radfahrern und alkoholisiertem Partyvolk beklagt. „Ich kann nicht begreifen, warum der Elbstrand in einer warmen Sommernacht regelmäßig zugemüllt wird. Warum nehmen die Leute nicht ihre Flaschen, ihr Besteck, ihre Teller wieder mit“, sagte die ehemalige Bürgerschaftsabgeordnete.

Wir wollten von unseren Leserinnen und Leser wissen, welche Schandflecke es in Hamburg gibt. Das Echo war groß. Hier dokumentieren wir weitere Mails.

Wenn am Sonntag schönes Wetter war und ich dann montagmorgens früh im Stadtpark um die Festwiese jogge, sieht es dort aus wie auf dem Müllplatz von Bombay (Ironie). Die Müllwerker, die ich angesprochen habe, sagten, dass sie schon einen ordentlichen Teil entsorgt hätten. Wie kann das sein!? Warum wird nicht, ähnlich wie auf Flohmärkten, eine Art Müllkaution verlangt, dann müssen die Leute den Nachweis erbringen, dass sie ihren Müll in den Container entsorgt haben oder wieder mit nach Hause nehmen. Bei uns auf der Ecke, Schinkelstraße/Semperstraße, stehen Altpapiercontainer. Diese werden regelmäßig zwischen 23 Uhr und 6.30 Uhr zugemüllt. Nicht nur mit Pappkartons, die in den Nachtstunden offenbar sowohl von privaten als auch von gewerblichen dort abgestellt werden. Auf relativ vielen Kartons sind die Empfänger-Adressen derjenigen, die dort die Kartons abgestellt haben, zu lesen. Werden die eigentlich sanktioniert? Ich glaube, dass solche Menschen, nur über ihr Portemonnaie zu disziplinieren sind! Heinz N. Fischer

Sehr verehrte Frau von Berg, der Artikel über die „Rücksichtslosigkeit der Hamburger“ stößt bei mir auf ganz viel Verständnis. Ich lebe seit ca. 30 Jahren in dieser Stadt und sehe die zunehmende Vermüllung in mittlerweile allen Stadtteilen. Seit Jahren wird über dieses große Problem in der Tageszeitung berichtet und in vielen gesellschaftlichen Nischen darüber diskutiert, aber es findet keine Veränderung statt. Die Vermüllung und Verrohung wird von politischer Seite stillschweigend geduldet.

Wenn ich sehe, wie Menschen im Schweiße ihres Angesichts Mauern errichten, Parks schön gestalten, und kurze Zeit später ist wieder die Mauer angesprüht und die Parkbänke verunstaltet, macht es mich traurig und fassungslos. Der „Mob“ hat mittlerweile in unserer Stadt das Sagen, und wir Bürger nehmen es zur Kenntnis und können nur noch stillschweigend den Mist, den andere Leute verzapfen, betrachten. Ich denke, unsere Stadt muss nicht so geputzt sein wie München, aber sie sollte für alle Bürger annehmbar bleiben. Daher finde ich einen Freiwilligendienst gar nicht richtig! Warum soll ein Bürger ständig für andere, die es gar nicht zu schätzen wissen, eine Ordnung und Sauberkeit aufrechterhalten.

Ich finde, diese Stadt hat mittlerweile zulange gewartet und immer wieder auf Toleranz gesetzt, und jetzt ist es m. E. schon viel zu spät, um wieder an die vielen Mitbürger zu appellieren, umsichtig zu handeln. Daher wünsche ich mir, dass wir New York als gutes Beispiel nehmen und einfach Strafen verhängen. Dann lernen automatisch die Kinder von den Erwachsenen, wie gute Umwelterziehung umgesetzt werden kann, und die Lehrerin, wie ich auch eine bin, kann mit glaubwürdigen Argumenten überzeugen. Maria Bien-Benkö

Je schlechter das Wetter, desto sauberer ist die Stadt

Ein Hotspot für illegale Müllentsorgung ist der Containerplatz Beerentalweg/ Ecke Beerentaltwiete. Besonders am Wochenende wird dort viel illegaler Müll einfach hinter den Containern abgelegt. Ein Grund dürfte die gute „Deckung“ sein, wenig Wohnbebauung, direkt neben einer Pferdekoppel. Seit es die App der Stadtreinigung gibt, nutze ich diese nahezu wöchentlich! Eine Auflistung gefällig? Nach Renovierungsarbeiten? Wochenlang Teppiche, alte Tapeten, Fußbodenleisten, Holzparkett, vergammelte Holztüren, Fenster mit und ohne Glas, Lampen, Elektroschrott, Farben, Lacke, Malerutensilien, Sicherheitsschuhe, Einweganzüge etc. Hans-Jürgen Sählandt

Jetzt mal ein Gegenbeispiel: Auf der (Neuen) Großen Bergstraße in Altona liegt so gut wie kein Müll. Altbekannte Regel: Wo der öffentliche Raum werthaltig gestaltet ist, gibt es wenig Vandalismus und Vermüllung. Gegenbeispiel zum Gegenbeispiel: das Elbufer östlich von Neumühlen: schon immer ein Sommertheater gewesen, mit vielen, weitgehend gescheiterten Initiativen. Was hilft? Sonnabend- und Sonntagsreinigung durch die Hamburger Stadtreinigung (also die Gebührenzahler*innen). Was nicht hilft? Aufenthaltsverbote durch ohnehin kaum vorhandene Ordnungskräfte. Was schon gar nicht hilft? Schilder aufstellen, die keine*r beachtet, und Appelle an um Ausflüchte nicht verlegene Gastronom*innen. Natürlich hilft auch das Hamburger Wetter: Je mieser, desto sauberer ist die Stadt. Dr.-Ing. Reinhold Gütter

Lesen Sie auch Teil 1 der Leserreaktionen: "Es gibt Leute, die sich wie Warzenschweine benehmen"

Auch wir haben im schönen Volksdorf unter anderem dieses Müll- und Lärmproblem: Neben der Einmündung der Straße Ohlendorffs Tannen zum Volksdorfer Damm stehen seit sehr vielen Jahren Papier- und Glascontainer sowie Container für Kleidung und Elektroschrott, inzwischen zwölf Stück. Ein kleiner Müllhof auf öffentlichem Gelände. Ist das in einem Wohngebiet eigentlich gestattet? Beachtung der Einwurfzeiten, keine Spur. Besonders am Sonntag oder Feiertag ab Mittag ist laufende Anlieferung, „umweltgerecht“ fast ausnahmslos mit dem Auto. Motor oder laute Musik abstellen, oftmals Fehlanzeige. Spätestens ab nachmittags wird der Müll einfach hingeschmissen, da Papiercontainer immer, Glascontainer oft voll sind. Gerne werden auch noch brauchbare Sachen einfach auf die Container gestellt zum Mitnehmen.

Prinzipiell gut, doch leider ist es der falsche Platz. Gerne suchen im Kleider- und in den Papiercontainern Menschen nach Brauchbarem und zerren die Inhalte raus. Vor Corona-Zeiten haben am Wochenende die ganze Nacht hindurch Heimkehrer Flaschen entsorgt, leider ging oft etwas daneben. Mit dem Fahrrad darf man auf diesem Straßenteil wegen der Scherben nicht mehr fahren. Die Waste Watcher haben gut zu tun. Und durch den herumliegenden Müll tauchen auch immer mal Ratten auf. Auf viele Ansprachen meinerseits, höflich, freundlich, bekam ich die buntesten Geschichten zu hören, teilweise kleine Romane, doch auch viel Pöbelei und viel Anmache. Ich habe es aufgegeben. Wir direkten Anlieger haben vor einigen Jahren in einer Ortsversammlung ersucht, das Problem zu schildern, und darum gebeten, dass nach einigen Jahren jetzt auch mal ein anderer Standort „dran“ ist. Leider glitten unsere Aussagen an allen anwesenden Politikern einfach ab. Wir bekamen nicht einmal eine Antwort! Angela Holtz

Liebes Abendblatt, Sie müssen einmal an einem milden Sonnabend den Uhlenhorster Kuhmühlenteich besuchen. Sie werden erleben, wie dort der Bär tobt – auf dem Wasser und am Wasser. Seit Jahren weisen aufmerksame Bewohner zudem den Bezirk auf eine Unsitte hin, Boote und Kanus gegen die Regeln an der Uferböschung monatelang zu parken. Etwa 50 Boote sind zwischen Kuhmühle und Von-Essen-Straße zu zählen! Der Bezirk wurde wiederholt darauf aufmerksam gemacht. Nichts passiert. Man muss sich nicht wundern, wenn die Leute die Regeln nicht ernst nehmen. Olaf Krämer

Es gibt seit Jahren zu wenig Müllbehälter

Meiner Meinung nach gibt es seit ein paar Jahren viel zu wenig Müllbehälter. Früher gab es gefühlt an jeder Parkbank einen Müllbehälter. Die alten Behälter wurden ersetzt durch neue rote Behälter mit „witzigen“ Sprüchen. Aber wesentlich weniger als zuvor. Statt das Geld für die „witzigen“ Sprüche auszugeben, sollte lieber in eine größere Anzahl investiert werden. Statt dass die Waste Watcher die Sündenböcke anzeigen, könnten sie mit einem großen Müllsack herumgehen, den Müll direkt von den Sünden­böcken einsammeln und sie dadurch beschämen. H. Schröder

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Liebes Abendblatt-Team, seit vielen Jahren beobachte und beklage ich, wie in Hamburg mit Müll umgegangen wird. Leider ist das kein neues Problem: Vor etwa 30 Jahren führte mich mein täglicher Arbeitsweg mit dem Fahrrad durch den Stadtpark, und schon damals konnte ich, besonders montags, sehen, wie vermüllt der Park von den an Wochenenden dort feiernden, picknickenden, spielenden und sonstiges unternehmenden Menschen hinterlassen wurde. Und es hat sich rein gar nichts geändert! Die Leute können ihre vollen Picknickkörbe hinschleppen, aber die leeren Sachen lassen sie einfach liegen! Wie achtlos wird ein Stück Schokolade aufgerissen, gegessen und die Verpackung weggeworfen! Es macht mich unendlich traurig, denn im Kleinen beginnt es, und im Großen endet es. Vor unserem Grundstück haben wir eine ca. 100 m² große städtische Grünfläche, die wir pflegen.

Sie können sich nicht vorstellen, wie häufig Hundehaufen dort hinterlassen werden, obwohl wir an unserem Gartenzaun Hundebeutel hängen haben. Manchmal liegt der große Haufen weniger als ein Meter vor den Beuteln! Man fasst es nicht! Einmal sah ich ein junges Pärchen, das den Haufen von seinem Hund auf der Grünfläche liegen ließ, und sprach es höflich darauf an. Es beschimpfte mich aufs Übelste: „Du blöde alte Kuh, halt dein Maul“, war noch das Freundlichste! Auch betrachte ich mit großem Kummer die Vermüllung rund um die Flaschen- oder Papiercontainer, allerdings weiß ich nicht, wie man die Rücksichtslosigkeit der Menschen ändern kann. Es ginge nur, wenn die Stadt mehr Leute einstellt, die das Geschehen in allen Stadtteilen beobachten müssen und Bußgeldbescheide erteilen dürfen. Anders als mit Bußgeldern ist meines Erachtens der egoistische Mensch leider nicht zu ändern. Karin Schramm

Das Problem mit dem Müll in öffentlichen Anlagen ist aus meiner Sicht gravierend und nicht mehr länger hinnehmbar. Jeden Morgen (ca. 7–8 Uhr) spaziere ich mit meinem Hund durch den Jenischpark hinunter nach Teufelsbrück an die Elbe. Insbesondere die Rasenflächen vor dem Jenisch Haus sind übersät mit Flaschen, Flaschen, Flaschen. Teilweise sind selbige zerbrochen, und ganz besonders schlimm: Zerbrochene Flaschenhälse werden hochkant in den Rasen gerammt! Kurz nach 8 Uhr tummeln sich bereits die ersten Kitagruppen auf dem Rasen – welche Gefahr!

Immer wieder verletzten sich Hunde an den Scherben, und selbst mein stabiler Turnschuh wurde durch die Scherben durchschnitten. Dieser Müll wird dort von Jugendlichen in der Zeit zwischen 20 und ca. 2 Uhr nachts hinterlassen. Der Ordnungsdienst ist regelmäßig tagsüber zugegen, aber dann ist alles friedlich und normaler Spaziergängerbetrieb. Sinnvoll wäre es, in den Nachtstunden zu kon­trollieren, Personalien aufzunehmen und zu verwarnen. Auch zusätzliche Müllbehältnisse sowie Überwachungs­kameras rund ums Jenisch Haus wären gewiss hilfreich. Cathrin Peper

Es gibt kaum eine Mauer, die nicht beschmiert ist

Leider wird auch in Siek und Großhansdorf fast täglich Sperrmüll abgeladen. Der Platz war gerade gereinigt worden, da lagen diese Sachen schon dort. In Großhansdorf wurde deshalb eine Sammelstelle für Glas und Papier wegen ständiger Vermüllung geschlossen. Ellen Böhme

Ich gehe täglich meine Spazierrunde (fünf bis acht km) in Neuallermöhe-Ost, auch immer an unserem See entlang! In den warmen Tagen war der See, aber auch die hochfrequentere Liegewiese besucht, oft mit Großfamilien und mit Grillen! Immer ist der Platz sehr erfreulich (weitgehend) müllfrei, auch nach dem Wochenende 11./12. Juli mit enger „Belegung“ an allen Tagen. Gert Rauschning

Wir wohnen am Stormarnplatz in Poppenbüttel. Unser Vermieter hat freundlicherweise 2002 um den Neubau herum Bänke und drei Ascheimer aufstellen lassen. In zunehmendem Maße werden diese zum Müllproblem. Der Stormarnplatz ist ein beliebter Cornertreff geworden. Die Ascheimer sind übervoll, und die Reste werden auf den Fußweg oder in die Beete geschmissen. Dazukommen noch die Kotbeutel der Hunde, die die Hundehalter gnadenlos ebenfalls auf Fußweg oder Beete schmeißen. Alle Bitten an die Hundehalter, diese Beutel zu Hause zu entsorgen, sind gescheitert. Elsbeth Krohn

Auch ich ärgere mich jeden Morgen über den Müll und die Verwahrlosung öffentlicher Flächen am Fischmarkt. Es gibt hier kaum eine Mauer in öffentlicher Hand, die nicht beschmiert ist. Jetzt, da kein Fischmarkt mehr ist, ist es auch nicht viel sauberer geworden. Von der Aktion vor eineinhalb Jahren, dass 500 neue Mitarbeiter bei der Stadtregierung für mehr Sauberkeit sorgen sollen, kommt bei uns nicht viel an. Leider ist der obere Teil vom Fischmarkt so verwahrlost, dass er mittlerweile eher wie eine Bahnbrache aussieht.
Die Fischmarktfläche Richtung Strand Pauli ist teilweise unglaublich mit Müll verdreckt und grundsätzlich voller Scherben. Auch hier ist alles voller Graffiti. Graffiti kann ja auch Kunst sein, bei uns leider nur Schmierereien! Jörg Knütter