Newsblog für Norddeutschland

Hamburger Hausärzte lehnen Senats-Pläne zu Testzentrum ab

| Lesedauer: 22 Minuten
Testzentrum auf das Coronavirus am Flughafen Hamburg: Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD) und ein DRK-Mitarbeiter zeigen, wie Corona-Tests an Fluggästen durchgeführt werden.

Testzentrum auf das Coronavirus am Flughafen Hamburg: Staatsrat Andreas Rieckhof (SPD) und ein DRK-Mitarbeiter zeigen, wie Corona-Tests an Fluggästen durchgeführt werden.

Foto: dpa/Daniel Bockwoldt

Polizei sprengt Fetisch- und Swinger-Partys. Aida Cruises sagt Kreuzfahrten vorerst ab. Zahl der Hamburger Neuinfektionen zweistellig.

Hamburg. Die Zahlen der Neuinfektionen bleiben relativ hoch. Immerhin: Das Alkoholverkaufsverbot in Hamburgs Vergnügungsvierteln hat auch in der Nacht zu Sonntag Wirkung gezeigt. "Die Nacht verlief im Vergleich zu den Wochen vor dem Alkoholverkaufsverbot ruhig", so ein Sprecher des polizeilichen Lagedienstes. Derweil meldeten die Behörden 15 Corona-Neuinfektion in Hamburg am Sonntag. Im Kreis Dithmarschen sinkt die Zahl der neu mit dem Covid-19-Virus infizierten Menschen.

Rückschlag für die Kreuzfahrt-Branche: Die Kreuzfahrtreederei Aida Cruises meldete am Sonntag, dass sie den Neustart nach der Corona-Zwangspause verschiebt. Und es gibt Ärger wegen der Gästelisten in Restaurants.

Lesen Sie die Nachrichten zu Corona am Sonntag, 2. August:

Hamburger Hausärzte verweigern Tests an Rückkehrern

Hamburgs Hausärzte gehen auf Konfrontationskurs zum Senat und dem neuen Testzentrum am Flughafen. Sie wollen offenbar Reiserückkehrer ohne Symptome nicht in den Praxen testen, wie es in einer Mitteilung vom Sonntagabend heißt. Dafür hätten sie keine Zeit und wollten die Versorgung ihrer Patienten nicht einschränken, ließ der Chef des Hausärzteverbandes, Dr. Frank Stüven, erklären.

Die Hausärzte unterstützten "alle Maßnahmen, die eine zweite Welle der Corona-Pandemie verhindern können". Aber die Reiserückkehrer ohne Symptome sollten von "angelernten Helfern des öffentlichen Gesundheitsdienstes" getestet werden. Stüven sagte: „Zudem ist die per Rechtsverordnung erzwungene Vergütung von 15 Euro für Terminierung, Abstrich in Schutzausrüstung, Probenversand, Übermittlung der Ergebnisse und Ausstellung eines Attestes eine Unverschämtheit.“

Die niedergelassenen Ärzte hätten bislang sechs von sieben Corona-Infizierte in Hamburg behandelt und seien "maßgeblich daran beteiligt" gewesen, die "finanziell gut ausgestatteten Krankenhäuser vor Überlastung zu schützen“.

Gästelisten: Dehoga über Polizei empört

Auch die Gaststätten in Niedersachsen sind empört: Der Hotel- und Gaststättenverband Dehoga des Landes kritisiert, dass die Polizei Corona-Gästelisten auswerten kann. In Bremen, Hamburg und München waren kürzlich Fälle bekannt geworden. "Das ist ein Missbrauch unserer Daten", sagte die Dehoga-Geschäftsführerin Renate Mitulla zu NDR 1 Niedersachsen. Hotel- und Restaurant-Betreiber seien nicht der verlängerte Arm der Polizei.

Interaktive Karte: Coronavirus in Deutschland und weltweit

Andrang am Corona-Testzentrum im Flughafen Hannover steigt

Der Andrang am Corona-Testzentrum im Flughafen Hannover hat mit der Möglichkeit freiwilliger Tests für Reisende, die nicht in einem Risikogebiet waren, zugenommen. Wie der Betreiber, die Johanniter-Unfall-Hilfe (JUH), am Sonntag mitteilte, stieg der Andrang alleine am Sonnabend bereits um etwa 30 Prozent im Vergleich zu den Vortagen. Seit Start am Mittwoch bis zum Sonnabendmittag seien etwa 1000 Fluggäste getestet worden. In der Nacht auf Sonntag kamen zwischen 22 und 6 Uhr weitere 340 Fluggäste hinzu, die einen Test vornehmen ließen, sagte JUH-Sprecher Oliver Bruse.

Aufgrund der aktualisierten Corona-Verordnung, nach der sich seit dem Wochenende alle Urlaubs-Rückreisende kostenlos und freiwillig auf das Coronavirus testen lassen können, häufe sich die Nachfrage nach Tests auch von Menschen, die gar nicht mit dem Flugzeug gereist seien. Deshalb betonte die Johanniter-Unfall-Hilfe, dass das Testzentrum am Flughafen nur Fluggästen zur Verfügung steht, die sich per Ticket oder Bordkarte ausweisen müssen.

Wer per Bus, Bahn oder Auto aus dem Urlaub zurückgekehrt sei, könne über die Patienten-Service-Hotline 116117 eine Teststation in seiner Nähe erfragen oder sich von seinem Hausarzt testen lassen. Wie Buse sagte, plane die Region Hannover die Einrichtung eines weiteren Testzentrums für Bahn-, Bus- und Autourlauber.

Hamburger Polizei sprengt Fetisch- und Swinger-Partys

Die Hamburger Polizei hat eine Fetisch-Party und eine Swinger-Party gesprengt. In beiden Fällen war massiv gegen die Corona-Regeln verstoßen worden, wie ein Sprecher sagte. So hätten im Keller einer Sexboutique auf der Reeperbahn etwa 65 teils in Lack und Leder gekleidete Menschen in der Nacht zum Sonntag gefeiert. Bei lautstarker Musik vom DJ und mit Lichtorgel und Nebelmaschine sei auch getanzt worden. Viel zu viele Menschen hätten sich auf zu engem Raum befunden. „Die Luft war stark verbraucht“, sagte der Sprecher.

Im Hamburger Bezirk Bergedorf sei über Facebook unter dem Motto „Your Pride Fuck is not cancelled“ offenkundig zu einer Sexparty aufgerufen worden. Sogar einen Shuttle-Service vom S-Bahnhof Tiefstack habe es gegeben. Als die Polizei einem Shuttlebus gefolgt sei, hätten die Beamten in einem leerstehenden und nach außen abgedunkelten Firmengebäude mehrere Dutzend teils leicht bekleidete Gäste angetroffen. Es habe sich um eine „sexuell offene Veranstaltung“ mit Séparées und ausliegenden Kondomen gehandelt. Außerdem sei getanzt worden. In beiden Fällen seien Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden.

Polizei löst Party am Baggersee in Scharmbeck auf

Sonnabend kurz vor Mitternacht ging bei der Polizei Winsen (Luhe) ein Hinweis auf ein Treffen einer größeren Personengruppe an einem Baggersee in Scharmbeck (Landkreis Harburg) ein. Die Beamten konnten vor Ort schätzungsweise 80 bis 100 junge Erwachsene feststellen. Als sie die Polizisten entdeckten, flüchteten sie in verschiedene Richtungen. Von einzelnen Personen konnten die Personalien festgestellt werden. Aufgrund der Corona-Pandemie sind solche Treffen zur Zeit nicht zulässig.

Erneut mehrere Dutzend Neuinfektionen in Niedersachsen

Die Zahl der Corona-Infektionen in Niedersachsen ist auch am Sonntag erneut um mehrere Dutzend gestiegen. Wie das Sozialministerium in Hannover mitteilte, stieg die Zahl der bestätigten Infektionen um 52 auf 14.524 Fälle seit Beginn der Epidemie, 91,6 Prozent der Betroffenen sind demnach genesen. Binnen einer Woche betrug der Anstieg in Niedersachsen 323 Fälle.

Obwohl die Zahl der Neuinfektionen wieder etwas höher liegt, als vor wenigen Wochen, ist die Zahl der Corona-Patienten in niedersächsischen Krankenhäusern stabil. Sie betrug zuletzt am Freitag 153, lediglich 27 davon mussten auf der Intensivstation behandelt werden.

Zu viele Besucher – zwei Badeseen in Gifhorn abgesperrt

Wegen des zu großen Besucherandrangs musste die Polizei und die Feuerwehr in Gifhorn die Zufahrten zu zwei Badeseen vorübergehend sperren. Der Betreiber des Tankumsees habe sich gemeldet, weil er mit den vielen Besuchern am Sonnabend überfordert gewesen sei, sagte ein Polizeisprecher am Sonntag. Die Sicherheit der Badegäste, sowie der Mindestabstand zwischen den Besuchern habe nicht mehr gewährleistet werden können. Die Feuerwehr sperrte in Zusammenarbeit mit der Polizei dann die Zufahrten, sodass keine neuen Gäste mehr kommen konnten.

Kurze Zeit später wurde es dann auch am nur wenige Kilometer entfernten Bernsteinsee zu voll. Auch hier mussten die Zufahrten am Sonnabend abgesperrt werden. Autofahrer wurden gebeten, auf andere Orte auszuweichen.

Die Linke fordert Tarifverträge für Bodendienstleister am Flughafen

Der Hamburger Flughafen muss wegen der Corona-Krise mit massiven Umsatzeinbußen kämpfen. Ein Großteil der Beschäftigten wurde in Kurzarbeit geschickt und erhält ein aufgestocktes Kurzarbeitergeld in Höhe von 90 Prozent des Einkommens. Deutlich schlechter gestellt sind die rund 400 Beschäftigten des Bodendienstleisters Aviation Handling Services (AHS) – denn die AHS ist nicht Teil des Tarifvertrags der Flughafengruppe.

Das stößt bei der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft auf Kritik. Sie fordert jetzt mit einem Antrag, die AHS in das tarifliche Gefüge der Flughafengruppe aufzunehmen. „Die Beschäftigten bei AHS dürfen nicht schlechter gestellt werden als andere Beschäftigte am Flughafen. Wir wollen daher die AHS-Beschäftigten an den Flughafen angliedern“, erklärt Stephan Jersch, tourismuspolitischer Sprecher der Fraktion.

Aida Cruises verschiebt Neustart nach Corona-Zwangspause

Die Kreuzfahrtreederei Aida Cruises hat ihren Neustart nach der Corona-Zwangspause kurzfristig verschoben. Die geplanten Mini-Kreuzfahrten auf der Ostsee für die erste Augusthälfte wurden am Sonntag abgesagt. Entgegen den Erwartungen des Unternehmens stehe eine letzte formale Freigabe für den Start der Kurzreisen ab 5. August durch den Flaggenstaat Italien noch aus, teilte Aida an seinem Sitz in Rostock mit.

Für Aida Cruises ist dies ein herber Rückschlag. Das Unternehmen wollte nach der coronabedingten Zwangspause seit Mitte März am 5. August wieder Fahrt aufnehmen, zunächst mit Mini-Kreuzfahrten auf der Ostsee ohne Landgänge. Für den Neustart seien umfassende Konzepte entwickelt und alle erhöhten Hygienestandards sowie Maßnahmen zum Schutz vor Covid-19 an Bord der Schiffe umgesetzt worden.

Abgesagt wurden die Kurzreisen mit der "AidaPerla" ab/bis Hamburg vom 5. bis 8. August, vom 8. bis 12. August und vom 12. bis 15. August. Betroffen ist demnach auch die Kurz-Kreuzfahrt mit der "AidaMar" ab/bis Warnemünde vom 12. bis 16. August. Bei den geplanten Fahrten ab dem 16. August geht Aida davon aus, dass sie stattfinden können, wie ein Sprecher der Deutschen Presse-Agentur sagte.

„Aida bedauert diese Verzögerung sehr“, hieß es. Das Unternehmen gehe davon aus, dass es die letzte formale Freigabe durch den Flaggenstaat Italien zeitnah erhalten werde.

Für den Neustart hatte Aida 750 Besatzungsmitglieder aus Asien am 22. Juli mit drei Flugzeugen eingeflogen. Corona-Tests nach der Landung ergaben elf Infizierte, die in der Folge isoliert wurden.

15 neue Corona-Fälle in Hamburg

In Hamburg steigt die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen weiter zweistellig. 15 neue Fälle wurden seit Sonnabend registriert, wie die Stadt am Sonntag mitteilte. Insgesamt wurden damit seit Beginn der Pandemie 5435 Menschen in Hamburg positiv auf das Virus getestet. Rund 5000 davon können nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen als genesen angesehen werden.

Die Zahl der Neuinfektionen binnen sieben Tagen lag am Sonnabend bei 118. Das entspricht 6,6 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner - 0,4 mehr als am Freitag. Das Infektionsgeschehen in der Stadt liegt damit nach wie vor weit unter dem Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, ab dem der Senat über erneute Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie beraten müsste.

In den Krankenhäusern der Stadt wurden den Angaben zufolge mit Stand Freitag 20 Menschen (minus 6) mit dem Coronavirus behandelt, sieben von ihnen auf Intensivstationen. Diese Zahlen werden an den Wochenenden nicht aktualisiert.

Nach Angaben des Instituts für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf starben in Hamburg bisher 231 Menschen an Covid-19. Das RKI, das unabhängig von der Todesursache alle mit dem Virus infizierten Toten erfasst, kommt auf 261.

Kreis Dithmarschen registriert drei weitere Corona-Fälle

Im Kreis Dithmarschen ist die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen seit Sonnabend um drei gestiegen. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Sonntag mitteilte, wurden in dem Landkreis damit seit Ausbruch der Pandemie 123 Menschen positiv auf das Virus getestet. Die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen sank nach RKI-Angaben leicht auf 26,3. Am Sonnabend hatte der Wert noch bei 27,8 gelegen.

Um den Grenzwert zu erreichen, ab dem schärfere Maßnahmen eingeleitet werden, müsste es binnen sieben Tagen 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner geben. Für Dithmarschen mit seinen 133.000 Einwohnern wären dies 66,5 neue Fälle in einer Woche.

Seit dem vergangenen Wochenende waren die Zahlen deutlich gestiegen. In der Kreisstadt Heide und in Büsum gelten seit Freitag strengere Schutzmaßnahmen.

In ganz Schleswig-Holstein kamen 12 weitere Fälle hinzu, wie die Landesregierung mitteilte. Damit erhöhte sich die Gesamtzahl der nachgewiesenen Infektionen auf 3463. Davon können nach Schätzungen des RKI rund 3100 Infizierte inzwischen als genesen angesehen werden. 22 Menschen wurden mit Stand Sonnabend in Krankenhäusern behandelt. Die Zahl der in Schleswig-Holstein im Zusammenhang mit Covid-19 Gestorbenen lag unverändert bei 156.

Mike Krüger verreist im Corona-Sommer nach Sylt statt Spanien

Der Hamburger Sänger Mike Krüger hat coronabedingt seine Sommerreisepläne geändert. „Wir haben ganz früh mehrere Urlaubsreisen abgesagt. Hauptsächlich alle Spanien. Mallorca ist natürlich gestrichen. Wir wollten zu Freunden nach Marbella. Auch gestrichen“, sagte der 68 Jahre alte Komiker der Deutschen Presse-Agentur in Hamburg. Seine Frau und er wollen nun stattdessen ganz in der Nähe Urlaub machen. Auf dem Plan stehe Sylt. „Mal gucken, wie es uns da gefällt und wie voll es ist.“ Ansonsten sei erstmal die Terrasse angesagt.

Er habe in der Corona-Zeit wieder mehr auf seiner Gitarre gespielt und ein paar alte Songs von anderen Künstlern rausgesucht, „die ich immer schon mal spielen wollte“. In einer CD oder ähnlichem werde das aber vermutlich nicht münden. „Ich glaub nicht, nein. Das ist ja dann wieder mit extrem viel Aufwand verbunden. Ich habe in meinem Leben so viel veröffentlicht. Das ist dann irgendwann auch gut.“

Vor 40 Jahren hatte Mike Krüger sein Lied „Der Nippel“ veröffentlicht. Das Lied wurde ein Nummer-1-Hit. Vor wenigen Wochen hatte er zu dem Lied noch zwei Corona-Strophen dazu gedichtet und zum Maskentragen und Installieren der Corona-Warnapp aufgerufen.

Alkoholverkaufsverbot in Hamburgs Party-Hotspots wirkt

Das Alkoholverkaufsverbot in Hamburgs Vergnügungsvierteln hat auch in der Nacht zu Sonntag Wirkung gezeigt. "Die Nacht verlief im Vergleich zu den Wochen vor dem Alkoholverkaufsverbot ruhig", so ein Sprecher des polizeilichen Lagedienstes am Sonntagmorgen. "Gegenüber der Nacht zum Sonnabend war es aber wieder belebter auf St. Pauli, im Schanzenviertel und in Ottensen". Die Polizei vermutet, dass die Mehrzahl der Feiernden am Freitag davon ausgangen war, dass es sich bei der Verordnung um ein Alkoholverbot und nicht um Alkoholverkaufsverbot handelt. In der Nacht zum Sonntag habe sich das Missverständnis dann wohl rumgesprochen und viele hätten Alkohol zum Feiern auf dem Kiez, in der Schanze und in Ottensen auf dem Alma-Wartenberg-Platz mitgebracht.

Polizeibeamte hätten gemeinsam mit Mitarbeitern des Ordnungsamtes Abstandsregeln in Hamburgs Party-Hotspots kontrolliert und Personen und Gruppen, die sich nicht daran hielten, angesprochen. Das habe gut funktioniert, so der Sprecher.

Am Montag wollen die Bezirksämter Bilanz ziehen und entscheiden, ob das in der vergangenen Woche in Kraft getretene Alkoholverkaufsverbot, das jeweils an den Wochenenden von 20 bis 6 Uhr morgens gilt, beibehalten wird und als Schutz vor der Ausbreitung des Coronavirus greift.

Zurück in den Regelbetrieb: Im Norden beginnt das neue Schuljahr

Mecklenburg-Vorpommern startet am Montag als erstes Bundesland ins neue Schuljahr. Hamburg folgt am Donnerstag. In der Woche darauf geht es auch in Schleswig-Holstein los. Trotz Corona sollen die Schulen nach den Ferien zurück in den Regelbetrieb. Das hatten die Länder vereinbart.

Auch in Hamburg ist „in allen Schulformen und Jahrgangsstufen“ wieder Regelbetrieb geplant. „Sofern es keine anderweitige Entwicklung der Infektionslage gibt, ist für die Planung davon auszugehen, dass das Abstandsgebot von 1,5 Metern zwischen den Schülerinnen und Schülern für das Schuljahr 2020/21 auf Ebene der Klasse bzw. des Jahrgangs aufgehoben wird“, heißt es in einer Mitteilung des Senats von Mitte Juli. Das Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung in den Pausen oder im Schulbus wird weiterhin empfohlen. Alle Hamburger Lehrer und anderen Beschäftigten der Schulen können sich mehrfach kostenlos auf Corona testen lassen.

Hamburgs Bildungssenator Ties Rabe (SPD) dringt auf Normalität: „Die Monate vor den Sommerferien waren noch zu verkraften, weitere Unterrichtsausfallzeiten sind es nicht.“

Corona-Ausbruch in Studentenwohnheim – fünf weitere Neuinfektionen

Nach einem Ausbruch mit zunächst fünf bestätigten Corona-Infektionen in einem Studentenwohnheim in Clausthal-Zellerfeld (Kreis Goslar) hat der Landkreis Goslar fünf weitere Infektionsnachweise bekanntgegeben. In zwei der neuen Fälle seien Bewohner der Einrichtung positiv getestet worden, bei den drei weiteren Fällen handele es sich um Kontaktpersonen, teilte der Landkreis am Sonnabendabend mit.

„Die somit aktuell zehn erkrankten Personen lassen sich vollumfänglich dem Ausbruch im Studentenwohnheim zurechnen“, hieß es. Landrat Thomas Brych erklärte, die angeordnete Quarantäne für den Komplex müsse vorerst bestehen bleiben. Am Freitag hatte der Landkreis weitere Tests angeordnet - bei mehr als 60 Personen, darunter 22 Bewohner des Wohnheims, in dem sich Dutzende in Quarantäne befinden.

Die Versorgung in der Quarantänezeit, die nach früheren Angaben eines Kreissprechers bis einschließlich 13. August gilt, soll neben Bekannten der Bewohner eine studentische Organisation sicherstellen. Der Kreissprecher hatte zudem erklärt, zuerst sei eine Infektion von einem Hausarzt gemeldet worden. Der Bewohner hatte demnach Kontakt mit einem Infizierten außerhalb des Wohnheims.

Nur Kurzkonzerte, aber doppelt: 75. Sommerliche Musiktage Hitzacker

Die Sommerlichen Musiktage Hitzacker haben am Sonnabend trotz der Corona-Pandemie ihre 75. Saison eröffnet. Beim Eröffnungskonzert „Drei nach Drei“, das genau um 15.03 Uhr begann, erklangen Werke von Claude Debussy, Elliott Carter, Nadia Boulanger, Anton Webern und Arnold Schönberg. Die Sommerlichen Musiktage dauern bis zum 9. August. Das Festival in der Stadt an der Elbe wurde 1946 begründet.

Damit aber das nach Veranstalterangaben älteste deutsche Kammermusikfestival stattfinden kann, musste es komplett umgeplant werden. „Kultur wurde ausgeknipst – erstmals in der Geschichte!“, sagte Intendant Oliver Wille vor dem Festival. „Der Rückweg ist schwierig, auch anders, doch so unglaublich wichtig.“

Seit 22. Juni sind in Niedersachsen wieder Konzerte in geschlossenen Räumen für bis zu 250 Menschen erlaubt. Der Hauptkonzertsaal der Musiktage nimmt nun jeweils 150 Zuhörer auf, die rund um die Musiker platziert sind. „Nähe mit Abstand“ nennt Wille das Konzept. Die Konzerte sind kürzer und haben keine Pause, dafür werden sie fast alle zweimal gespielt. Die Musiker spielen in kleineren Besetzungen.

Beim Neuaufstellen des Programms sagten nach Willes Angaben viele Stars kurzfristig zu, so die Sopranistin Sarah Maria Sun und die Geigerin Patricia Kopatchinskaja.

Das sind die Corona-Regeln für Hamburg:

  • Privat können bis zu 25 Personen zu Feiern zusammenkommen, egal aus wie vielen Haushalten. Treffen in der Öffentlichkeit sind auf 10 Personen aus beliebig vielen Haushalten begrenzt.
  • Alle Kinder dürfen in einem eingeschränkten Regelbetrieb wieder die Kitas besuchen.
  • Nach dem Ende der Sommerferien am 6. August können wieder alle Schüler einer Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Dennoch sollen Einschränkungen wie die bisherigen Abstandsgebote vorsichtshalber erhalten bleiben.
  • Unter Auflagen sind wieder Veranstaltungen mit bis zu 1000 Teilnehmern im Freien und 650 Teilnehmern in geschlossenen Räumen zulässig.
  • Für größere Versammlungen gibt es keine Teilnehmerbegrenzung mehr. Es wird jeweils der Einzelfall mit Blick auf Hygiene- und Abstandsregeln geprüft.