Hamburg

Unterricht fast wie vor Corona: Das sagen die Eltern

| Lesedauer: 3 Minuten
Björn  und  Jessica  Staschen

Björn und Jessica Staschen

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services

Das Schuljahr in Hamburg startet – aber was ist von Donnerstag an die neue Normalität für Schüler, Lehrer und Eltern?

Hamburg.  Kathrin Burseg (48), Autorin aus Eppendorf, zwei Kinder (zweite und elfte Klasse): „Es darf nach den Sommerferien auf keinen Fall wieder Schulschließungen geben wie im Frühjahr. Ich bin unglaublich froh darüber, dass es wieder normal anlaufen soll. Aber dass wieder Schule ist, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Traurig, dass man das betonen muss.

Was fehlt, ist Transparenz und Kommunikation. Wir Eltern fühlen uns nicht mitgenommen, wir haben noch keine Mitteilungen von den Schulen. Gibt es ein Hygienekonzept? Ich habe keine Ahnung, weil die Kommunikation vonseiten der Behörde unterirdisch ist. Es gibt kein Konzept, keine Eckpunkte, was im Fall steigender Infektionszahlen geschieht. Sollte es bei steigenden Infektionszahlen zu einer Mischung von Präsenzunterricht und Unterricht zu Hause kommen, darf das auf keinen Fall wieder komplett auf die Eltern abgewälzt werden.

Sollten ältere Kinder wieder zu Hause lernen, braucht es ein verlässliches Konzept und Angebot, das nicht abhängig ist vom Engagement einzelner Lehrer. Und es muss unbedingt zwischen jüngeren und älteren Kindern differenziert werden. Kinder bis zehn Jahre tragen das Virus nicht so weiter, das wissen wir ja jetzt. Auf keinen Fall darf es wieder zu Schließungen von Grundschulen kommen. Ich wünschte, die Behörde hätte den Mut, Dinge anzusprechen und zu diskutieren, was im Fall einer zweiten Welle geschieht, und zwar im Vorfeld.“


Jessica und Björn Staschen
(44 und 47) aus Lokstedt, drei Kinder (Zwillinge in der dritten und ein Sohn siebte Klasse): „Die Information vonseiten der Schulbehörde über den Unterricht nach den Sommerferien kommt viel zu spät. Schule ist nicht nur Unterricht, sondern auch Nachmittagsbetreuung, und damit müssen wir als Arbeitnehmer planen können. Vieles wissen wir noch nicht. Wir haben das Gefühl, die Behörde hinkt der Entwicklung hinterher. Sie beruft sich auf die selbstverantwortlichen Schulen, lässt die Schulen damit aber beim Umgang mit Corona im Stich.

Bis zum Schulbeginn müssen drei Szenarien durchgespielt werden: Erstens: Vollunterricht, alles läuft wie gewohnt. Zweitens: Was ist, wenn es einen Corona-Fall gibt? Da wäre es auch eine große Herausforderung, niemanden zu stigmatisieren. Drittes Szenario: Die ganze Schule muss schließen. Was dann passiert, sagt uns niemand. Es braucht gesetzliche Regelungen, damit Eltern das nicht wieder ohne Hilfen ausbaden müssen. Eine Maskenpflicht macht bis zur Mittelstufe wenig Sinn, und wenn Masken getragen werden müssen, müssten diese regelmäßig gewechselt werden.

In den Grundschulen könnte Unterricht im Freien stattfinden. Da sind Ideen und Flexibilität gefragt. Unser Wunsch ist Verlässlichkeit und dass es nach den Ferien weitgehend normal weitergeht.“


Dirk Degens
(52), selbstständig, aus Winterhude, drei Kinder (vierte, siebte und neunte Klasse): „Wir müssen als Eltern derzeit einfach flexibel sein. Denn keiner kann voraussehen, wie es mit den Infektionszahlen weitergeht. Ich gehe davon aus, dass meine Kinder nach den Ferien normalen Unterricht haben. Sicherlich mit Maske, solange es keinen Impfstoff gibt. Für mich ist es wichtig, dass die Kinder wieder soziale Kontakte haben, statt nur zu Hause zu hocken. Da mein Sohn in die vierte Klasse kommt, ist das ein wichtiges Schuljahr: Kommt er aufs Gymnasium oder nicht?

Sollte eine zweite Welle kommen, wird es sicherlich keinen Regelunterricht geben können. Momentan habe ich Angst, dass die Urlaubsrückkehrer etwas anschleppen. Grundsätzlich fühle ich mich von Schule und Behörde derzeit schlecht informiert.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg