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Was wird aus der "Perle" am Gerhart-Hauptmann-Platz?

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Ulrich Gaßdorf
Die Passage wurde vor ein paar Jahren aufwendig umgebaut, die Fassade ist immer noch unattraktiv.

Die Passage wurde vor ein paar Jahren aufwendig umgebaut, die Fassade ist immer noch unattraktiv.

Foto: Michael Rauhe

Die Hamburg Commercial Bank plant offenbar den Verkauf der zentralen Immobilie. Ein Abriss und Neubau wäre dann denkbar.

Hamburg.  Es ist ein Filetgrundstück im Herzen der Innenstadt, bebaut mit einem Gebäudekomplex, der nicht zu den Perlen der Architektur gehört. Die Rede ist vom Sitz der Hamburg Commercial Bank (HCOB) am Gerhart-Hauptmann-Platz. An diesem Standort arbeiten 829 Mitarbeiter für das Kreditinstitut. Die HCOB plant nach Abendblatt-Informationen einen spektakulären Immobiliendeal. Der Gebäudekomplex mit mehr als 50.000 Quadratmeter Nutzfläche, zu dem auch die 2016 aufwendig modernisierte Passage Perle mit Gastronomie und Einzelhandel gehört, soll verkauft werden. Hinter den Kulissen laufen dem Vernehmen nach bereits die Verhandlungen mit möglichen Interessenten, dafür wurden Immobiliendienstleister beauftragt.

In der Branche kursiert das Gerücht, dass die HCOB rund 250 Millionen Euro für das Objekt aufruft, das Anfang der 70er Jahre gebaut und von der damaligen Hamburgischen Landesbank bezogen wurde. Aus der Hamburgischen Landesbank wurde nach dem Zusammenschluss mit der Landesbank Kiel im Jahre 2003 die HSH Nordbank. Diese wurde im November 2018 privatisiert und an die neuen Eigentümer verkauft, seit Februar 2019 firmiert das Kreditinstitut unter dem Namen Hamburg Commercial Bank.

Passage Perle: Hamburg Commercial Bank will Gebäude verkaufen

Auf Abendblatt-Anfrage bestätigte eine Sprecherin: „Die Hamburg Commercial Bank überdenkt im Rahmen ihrer Transformation zu einer kleineren, dynamischen Bank auch ihre Gebäudestrategie. In diesem Zuge ist der Verkauf des Hauptsitzes der Bank am Gerhart-Hauptmann-Platz geplant.“ Die Bank hat zur Zeit 1215 Mitarbeiter – unter anderem auch am Standort in Kiel – bis Ende 2022 soll die Zahl auf 710 reduziert werden. Das bedeutet, dass das Unternehmen weniger Platz braucht. Dem Vernehmen nach wird bereits nach einem neuen Standort gesucht.

In der City entstehen zahlreiche neue Flächen, eine Option für die HCOB ist nach Abendblatt-Informationen das Commerzbank-Areal am Neß unweit vom Rathaus. Das Hochhaus auf dem Grundstück wird abgerissen, der benachbarte Altbau zum Teil erhalten. Dort entstehen bis 2023 neben Wohnungen und Gastronomie auch Büroflächen – ideal für die HCOB, die weiterhin auf einen Standort in Innenstadtlage für ihre Zentrale setzen dürfte. Das Projekt auf dem Commerzbank-Areal wird von Procom entwickelt. Auf Anfrage sagte Geschäftsführer Dennis Barth lediglich: „Zur Mieterakquise äußern wir uns grundsätzlich nicht.“

Auch ein Abriss und Neubau ist denkbar

Der Gebäudekomplex am Gerhart-Hauptmann-Platz steht nicht unter Denkmalschutz. Ein Abriss wäre möglich, dann könnte ein Neubau entstehen. Das dürfte großes Interesse bei Projektentwicklern hervorrufen. Die Politik sieht großes Potenzial für den Standort: „Der Verkauf des Gebäudeensembles an einen seriösen Investor bietet die Chance, hier eine städtebauliche Neuordnung umzusetzen. So könnte man über einen Teilabriss und Neubau diskutieren oder auch über eine attraktive Neugestaltung der Fassade auf der Seite am Gerhart-Hauptmann-Platz.

Der Nutzungsmix könnte um Wohnraum, der zur Belebung der Innenstadt beiträgt, ergänzt werden“, sagte SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf. Außerdem sei es wichtig, dass auch der Gerhart-Hauptmann-Platz, der trotz seiner 1-A-Lage ein Schattendasein fristet, neu gestaltet werde, um dort die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, sagte Kienscherf weiter.

Thering: Stadt sollte alles daran setzen, Grundstück zu erwerben

Einen Neubau könnte sich auch Falko Droßmann (SPD), Bezirksamtsleiter in Mitte, vorstellen. „Mit Blick auf den Strukturwandel in allen Innenstädten müssen wir auch in Hamburg Ideen entwickeln, wie wir spannende statt beliebige Architektur, hochwertige Retailflächen statt großer Verkaufsmonolithen und kluge Mischnutzungen, auch mit Wohnungsanteil schaffen können, eingebettet in ein hochattraktives Umfeld mit großer Aufenthaltsqualität“, so Droßmann.

Auch CDU-Fraktionschef Dennis Thering weiß um die Bedeutung dieses Standorts und sieht die Stadt in der Pflicht: „Es ist wichtig, dass die Innenstadt stadtplanerisch weiterentwickelt wird. Da kann eine solche Fläche ein Filetstück sein, auch wenn das Gebäude selbst im jetzigen Zustand nicht attraktiv scheint. Wenn die Hamburg Commercial Bank wirklich verkauft, sollte die Stadt alles daran setzen, dieses für die Stadtentwicklung strategisch wichtige Grundstück zu erwerben.“ Damit hätte die Stadt den vollen Gestaltungsspielraum.

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HCOB-Immobilie: Entsteht hier bald spektakuläre Architektur?

Und was sagen die Branchenexperten? „Es gibt zahlreiche Optionen für eine neue Nutzung dieses 1-A-Standorts. Zum einen könnte hier eine klassische Markthalle integriert werden, zum anderen wären moderne, flexible Büroflächen in Kombination mit innerstädtischem Wohnen und neuen Formen des Arbeitens gut realisierbar. Das könnte man natürlich auch in einem Neubau umsetzen“, sagte Andreas Fuchs, Mitglied der Geschäftsleitung Projekte und Entwicklung bei dem renommierten Immobiliendienstleister Robert C. Spies.

Um die Attraktivität und Belebung der Innenstadt vor allen Dingen auch in den Abendstunden und am Wochenende zu erhöhen, könnte dort zudem ein Gebäude mit spektakulärer Architektur entstehen, das vor allen Dingen durch öffentliche Einrichtungen wie Bibliothek, Tourismusinformation und Ausstellungen ergänzt durch Gastronomie genutzt werde, so Fuchs weiter. Als Vorbild dafür nennt er das Forum in Groningen in Holland.

Es ist nicht das erste Mal, dass sich die HCOB von wertvollen Immobilien in der Hamburger Innenstadt trennt. Bereits Anfang des Jahres wurden Gebäude in der Ferdinandstraße und in der Rosenstraße mit rund 13.000 Quadratmeter Nutzfläche veräußert.

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