Prozesse

In Hamburg kommen zwei besonders brutale Fälle vor Gericht

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Franziska Coesfeld
Das 60-jährige Opfer war nach einem Faustschlag ins Gesicht vor der Kneipe Old Sailor an der Hein-Hoyer-Straße auf St. Pauli rückwärts zu Boden gestürzt und wenige Tage später gestorben. Ein 45-Jähriger ist nun wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt (Archivbild).

Das 60-jährige Opfer war nach einem Faustschlag ins Gesicht vor der Kneipe Old Sailor an der Hein-Hoyer-Straße auf St. Pauli rückwärts zu Boden gestürzt und wenige Tage später gestorben. Ein 45-Jähriger ist nun wegen Körperverletzung mit Todesfolge angeklagt (Archivbild).

Foto: Michael Arning

In den beiden Prozessen sind drei Männer wegen Körperverletzung mit Todesfolge und versuchten Mordes angeklagt.

Hamburg. In Hamburg beginnen kommende Woche zwei Prozesse vor der Großen Strafkammer, in denen es um besonders brutale Fälle geht. Ein 45-Jähriger soll auf St. Pauli einem Mann so heftig mit der Faust ins Gesichts geschlagen haben, dass das Opfer zu Boden stürzte und wenige Tage später an seiner Kopfverletzung verstarb. In dem anderen Fall geht es um versuchten Mord – das Opfer überlebte schwer verletzt.

Ab Mittwoch steht der 45 Jahre alte Mann vor Gericht. Ihm wird Körperverletzung mit Todesfolge vorgeworfen. "Dem Angeklagten wird zur Last gelegt, dem 60-jährigen Geschädigten am Abend des 13. März 2020 auf dem Gehweg der Hein-Hoyer-Straße nach einem Streit unvermittelt mit der Faust in das Gesicht geschlagen zu haben", so Oberstaatsanwältin Nana Frombach.

Faustschlag ins Gesicht: Opfer nach wenigen Tagen tot

Der Familienvater stürzte vor der Kneipe Old Sailor rückwärts zu Boden und schlug mit dem Hinterkopf auf. Laut Staatsanwaltschaft erlitt der 60-Jährige einen Schädelbruch und blieb bewusstlos liegen. Der Verletzte wurde vor Ort von einem Polizeibeamten reanimiert und anschließend in ein Krankenhaus gebracht. Nach einigen Tagen auf der Intensivstation verstarb der Mann jedoch.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft war der 60-Jährige mit zwei Begleitern unterwegs, als er auf den Angeklagten und dessen zwei Begleiter traf. Frombach: "Der konkrete Auslöser für die nachfolgende Auseinandersetzung ließ sich nicht mehr feststellen."

Angeklagter schlägt mit Kuhfuß auf Opfer ein

Ab Donnerstag müssen sich zudem ein 39-Jähriger und ein 28-Jähriger wegen versuchten Mordes, gefährlicher Körperverletzung und versuchter Nötigung vor dem Schwurgericht verantworten. Die beiden Angeklagten, die im Baugewerbe tätig sind, hatten mit einem Mann "Streit über die Herausgabe von Unterlagen und das vermeintliche Abwerben von Arbeitern", heißt es vonseiten der Staatsanwaltschaft. Am 9. Februar sollen sie den Mann abends in der Tiefgarage seines Wohnhauses in der Bramfelder Chaussee abgepasst haben. Das Duo wollte ihn offenbar für sein Verhalten zur Rechenschaft ziehen.

Doch bei einem verbalen Streit blieb es nicht. Während des Gesprächs, das mutmaßlich nicht im Sinne der Angeklagten verlief, zog der 28-Jährige plötzlich einen Kuhfuß hervor und attackierte den Mann auf brutale Weise: Mit dem Werkzeug schlug er mehrfach auf den Kopf des Geschädigten ein. Auch als der Mann bereits am Boden lag, soll der Angeklagte weiter auf sein Opfer eingeschlagen haben.

Mann erleidet Schädelfraktur und Hirnblutungen

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft soll der 28-Jährige den Mann erst in Ruhe gelassen haben, als ein Nachbar in die Tiefgarage kam. Währenddessen soll der 39-Jährige einen Versicherungsschein und 300 Euro Bargeld aus dem Auto des Opfer genommen haben.

Das Opfer erlitt eine lebensbedrohliche Schädelfraktur und Hirnblutungen. Bereits einige Stunden zuvor soll der 39-jährige Angeklagte einen Mitarbeiter des Geschädigten telefonisch mit dem Tode bedroht haben, sagte Fombach am Freitag. Demnach wollte er so erreichen, dass man ihm Werkzeug herausgibt.

Mutter bedroht eigene Kinder mit einem Messer

Gleichzeitig wurde ein Fall bekannt, in dem eine Mutter ihre Zwillinge mit einem Messer bedroht haben soll, und der am kommenden Montag erneut verhandelt wird. Die 27 Jahre alte Mutter wendet sich gegen einen Strafbefehl über eine Geldstrafe von 1800 Euro wegen Bedrohung.

"Ihr wird vorgeworfen, ihre beiden Neunjährigen Kinder in ihrer Wohnung in Eidelstedt mit einem Messer bedroht zu haben, während diese auf dem Sofa saßen", so Oberstaatsanwältin Frombach. Dabei soll sie gesagt haben, dass beide sterben würden. Zu dem Vorfall war es im August 2018 gekommen. Die 27-Jährige hatte von ihrer Tat ein Video gemacht, das sie ihrem Ehemann und Vater der Kinder auf sein Handy geschickt hatte.

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