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Corona-Kontrolle in Hamburgs Gastro-Szene – die Bilanz

| Lesedauer: 24 Minuten

Droßmann zu Alkoholverkaufsverbot: "Es widerstrebt mir"

Mitte-Bezirksamtsleiter Falko Droßmann (SPD) spricht über neue Corona-Maßnahmen für die Kiez-Gastronomen.

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Massentest bei Blohm+Voss nach Corona-Fällen. Elternkammer fordert Maskenpflicht. Schwangere Corona-Patientin bei Asklepios.

Hamburg. Die zuletzt deutlich steigenden Zahlen der täglichen Neuinfektionen mit dem Coronavirus beunruhigen die Behörden im Norden. Während im neuen Hotspot Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein von Freitag an schärfere Kontaktregeln herrschen, ist am Hamburger Flughafen ein Testzentrum für Reiserückkehrer in Betrieb gegangen. Dort sollen Menschen auf Covid-19 getestet werden, die in Risikogebieten unterwegs waren.

Am Freitagnachmittag wurde bekannt, dass es bei Blohm+Voss sechs Corona-Infizierte gibt. Die Unternehmensgruppe Lürssen, zu der die Hamburger Werft gehört, startet nun einen Massentest unter ihren Mitarbeitern.

Lesen Sie die Nachrichten zu Corona am Freitag, 31. Juli:

Alkohol-Verkaufsverbot: Ruhiger Abend an Corner-Hotspots

In den Bezirken Altona, Mitte und Eimsbüttel gilt seit 20 Uhr das Verbot des Außer-Haus-Verkaufs von Alkohol. Mit dem neuen Verbot wollen die Bezirke die Einhaltung der Corona-Regeln sicherstellen.

Gegen 22.45 Uhr war es in der Schanze und auf dem Kiez noch ruhig, wie ein Sprecher des Lagedienstes der Polizei sagte. Das Sommerwetter zog jedoch offenbar viele Hamburger an die Binnenalster. Am Jungfernstieg waren die Bänke und Sitzgelegenheiten am Abend belegt.

Elternkammer fordert Maskenpflicht

Wenige Tage vor dem Beginn des Schuljahres 2020/21 hat die Elternkammer die Rahmenbedingungen der Schulbehörde für die Wiederaufnahme des kompletten Unterrichtsbetriebs in der Schule kritisiert. „Der Verzicht auf die Einhaltung des Mindestabstands und das Tragen von Alltagsmasken verstoßen klar gegen die Empfehlungen des Robert-Koch-Instituts“, heißt es in einer Erklärung der Elternkammer. „Aus diesem Grund fordert die Kammer dringend die Einhaltung der weithin propagierten AHA-Formel (Abstand, Hygiene, Alltagsmasken).“

„In vielen Klassenräumen ist ausreichendes Lüften schwierig bis unmöglich, weil sich Fenster nicht öffnen lassen“, schreibt die Elternkammer. Das könne in Pandemie-Zeiten gesundheitsgefährdend sein. Die Kammer fordert Schulbau Hamburg auf, unverzüglich für eine ausreichende Durchlüftung zu sorgen. Außerdem müsse die Einhaltung aller Hygienevorschriften sichergestellt werden. Die Eltern fordern auch „die verbindliche Bereitstellung eines Systems zur Fernbeschulung“, falls wegen höherer Infektionszahlen der Präsenzunterricht eingeschränkt werden müsse.

Corona-Fall: AK Altona schließt Teil der Urologie-Abteilung

In der Asklepios Klinik Altona wurden nach Informationen der „Hamburger Morgenpost“ drei Patienten positiv auf das Coronavirus getestet. Vorsorglich habe die Klinik daher einen Teil der Urologie-Abteilung geschlossen.

Wie ein Sprecher der Asklepios-Kliniken gegenüber der Hamburger Morgenpost sagte, waren zwei Patienten immer isoliert, der Dritte sei in der Urologie auf dem Flur gewesen. Die drei Patienten hätten keine Symptome gezeigt und seien inzwischen wieder zu Hause. Alle Kontaktpersonen würden nun vorsorglich getestet.

Guter Start von neuen Corona-Teststellen im Norden

Die Corona-Tests für Rückkehrer aus dem Ausland an fünf neuen Stationen in Schleswig-Holstein sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums am Freitag insgesamt gut angelaufen. So habe es am Hafen in Kiel und am Rastplatz Ellund an der Grenze zu Dänemark viele positive Rückmeldungen von Testpersonen gegeben. Die Station in Neumünster am Busbahnhof habe laut Kassenärztlicher Vereinigung erst im Laufe des Tages starten können. Am Fährhafen Puttgarden und in Lübeck-Travemünde seien die Teststellen ebenfalls gestartet. Zahlen lagen bis zum Freitagnachmittag nicht vor.

Dies Kassenärztliche Vereinigung und das Ministerium riefen dazu auf, Abstand zu wahren, wenn es zu Wartezeiten kommen sollte. Mit Testergebnissen sei in der Regel nach 24 Stunden zu rechnen. Die neuen Teststationen können nach Angaben des Ministers täglich jeweils rund 200 Tests erledigen.

Schwedische Metal-Band startet Tour auf Hamburger Barkasse

Mit einer kleinen Hafenrundfahrt auf einer Hamburger Barkasse hat die schwedische Heavy-Metal-Band Thundermother am Freitag ihre Deutschlandtour gestartet. Vor gerade einmal 20 Fans gaben die vier Frauen einige Lieder zum Besten. An den weiteren Tourorten will die Band auf dem Dach eines eigens umgebauten Feuerwehrtrucks auftreten - und so Abstand halten und die Corona-Auflagen einhalten.

Das Feuerwehrauto soll demnach auch als Symbol dafür stehen, dass es für Musiker, Künstler und die Veranstaltungsbranche brennt. Arbeitsplätze und Existenzen seien nach Monaten des coronabedingten Stillstandes bedroht, hieß es. Die Band spielt bis zum 9. August mehrere Konzerte unter anderem in Münster, Erfurt und nochmal Hamburg. Sie sind nach Angaben ihres Managements als erste Band wieder bundesweit auf Tour.

31 Corona-Verfehlungen in Bars und Restaurants

Durchwachsenes Zeugnis für Gastronomen in Hamburgs Szenevierteln: Bei einer groß angelegten Corona-Kontrolle des Amtes für Arbeitsschutz in mehr als 100 Bars, Restaurants und Schnellimbissen wurden in 31 Betrieben keine erforderlichen Mund-Nasen-Bedeckungen oder Visiere getragen.

Wie die Verbraucherbehörde mitteilte, hätten die am Donnerstagabend unangekündigt überprüften Lokale an der Reeperbahn, in der Schanze, in St. Georg sowie im Portugiesen- und Grindelviertel allerdings "gute und vielfältige technische und organisatorische Schutzmaßnahmen umgesetzt".

Dazu gehörten Plexiglasscheiben an der Theke oder Einbahnstraßensysteme im Restaurant. Masken müssen generell dort getragen werden, wo der Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann und auch sonst keine entsprechenden Schutzmaßnahmen umgesetzt werden können.

Das Amt für Arbeitsschutz hat seit April in mehr als 1.000 Hamburger Betrieben (Einzelhandel, Friseure, Gastronomie, Betriebskantinen, Fleischbetriebe) die Einhaltung der Schutzmaßnahmen kontrolliert. Gravierende Mängel wurden bislang nicht festgestellt. Einige Unternehmen mussten aber Verbesserungen nachweisen oder wurden mit Auflagen belegt.

Sechs Corona-Infizierte: Blohm+Voss startet Massentest

Bei Blohm+Voss sind sechs der insgesamt 600 Mitarbeiter positiv auf das neuartige Coronavirus getestet worden. Das teilte die Unternehmensgruppe Lürssen, zu der die Hamburger Werft gehört, am Freitag in einem Schreiben mit. Demnach haben sich die betroffenen Mitarbeiter und alle ihre wesentlichen Kontakte umgehend in häusliche Quarantäne begeben.

Die Gruppe der möglicherweise ebenfalls betroffenen Personen lasse sich dank Hygiene- und Abstandsregeln sowie der Einteilung der Werften in verschiedene Zonen gut eingrenzen. Dennoch habe das Unternehmen sich vorsorglich dazu entschieden, "am Montag für alle in der betroffenen Zone arbeitenden Personen eine eigenorganisierte, freiwillige Massentestung in Zusammenarbeit mit dem arbeitsmedizinischen Dienst vor Ort durchzuführen", heißt es.

Die Maßnahmen seien von der unternehmenseigenen Task Force mit dem zuständigen Gesundheitsamt abgestimmt, ergingen aber nicht auf behördliche Anordnung. Blohm+Voss führe diese mit den eigenen Ressourcen durch, "um einer potentiellen weiteren Ausbreitung des Coronavirus frühzeitig und mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln entgegen zu wirken".

Bis zum Eintreffen der Testergebnisse werden demnach alle Personen bezahlt von der Arbeit für eine häusliche Quarantäne freigestellt. Nur Mitarbeiter mit einem negativen Ergebnis dürften zurückkehren, sollen sich aber eine Woche darauf einem zweiten Kontrolltest unterziehen. "Alles, was ich sagen kann, ist, dass in allen anderen Zonen bis auf Weiteres die Arbeit fortgeführt wird", sagte eine Sprecherin von Blohm + Voss dem Abendblatt.

Orte an Lübecker Bucht bereiten sich auf Gästeansturm vor

Die Ostseebäder an der Lübecker Bucht rüsten sich für einen Ansturm von Tagestouristen am Wochenende. In Scharbeutz waren bereis Freitagmittag zwei Strandabschnitte im Ortszentrum voll belegt. Die Strandampel im Internet stand auf rot.

Für zwei weitere Abschnitte zeigte die Ampel am Mittag gelb. Das bedeute aber nur, dass Tagesgäste ein Stück weiter zum nächsten Strandabschnitt gehen müssten, sagte die Bürgermeisterin von Scharbeutz, Bettina Schäfer. Der Ort sei keineswegs für Tagesbesucher gesperrt.

Für das Wochenende rechnet Schäfer trotz der angekündigten hochsommerlichen Temperaturen nicht unbedingt mit einem höheren Besucheraufkommen. „Die meisten Menschen sind nach meinen Erfahrungen vernünftig und meiden wegen der Corona-Pandemie zu großes Gedränge.“ Dennoch stünden zusätzliche Mitarbeiter bereit, um bei einer Missachtung der Abstandsregeln eingreifen zu können.

Mit Hilfe des Internetportals „Strandticker.de“ versuchen die Gemeinden Scharbeutz, Sierksdorf und Neustadt mit den Badeorten Pelzerhaken und Rettin die Besucher so zu lenken, dass an dem 22 Kilometer langen Strand die Corona-Sicherheitsabstände eingehalten werden können.

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Schwangere Corona-Patientin in der AK Wandsbek

In der Asklepios Klinik in Wandsbek wird aktuell eine schwangere Patientin behandelt, die positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Das bestätigte Mathias Eberenz, Pressesprecher der Asklepios Kliniken, auf Abendblatt-Anfrage. Die Frau sei allerdings bereits positiv getestet worden, bevor sie in die Klinik kam – bei ihrer Ankunft sei ihr Zustand also bekannt gewesen.

Daher sei sie von Anfang an auch nur mit Schutzbekleidung untersucht und behandelt worden. „Sie hatte und hat keinen Kontakt zu anderen Patienten und liegt selbstverständlich auch streng isoliert von allen anderen Patienten. Sie wird bestens versorgt und sie ist aktuell in einem guten stabilen Zustand“, so Eberenz. Er verwies auf die aktuell geltenden gesetzlichen Vorgaben in Hamburg, denen zufolge alle stationären Patienten vor Aufnahme auf das Coronavirus getestet werden müssen.

Mobile Corona-Teststationen in Heide nehmen Arbeit auf

Mit der Verschärfung der Corona-Maßnahmen in Teilen des Kreises Dithmarschen haben am Freitag in Heide auch zwei mobile Corona-Teststationen ihre Arbeit aufgenommen. Dort können sich Menschen kostenlos testen lassen, die sich möglicherweise bei Infizierten angesteckt haben.

Rund 300 Haushalte seien dazu eingeladen worden, sagte Landrat Stefan Mohrdieck (parteilos). Bereits am Vormittag hätten sich rund 40 Menschen einem Test unterzogen. Mit Ergebnissen sei in der Regel binnen 24 Stunden zu rechnen, hieß es. Mohrdieck kündigte an, ein Testzentrum dauerhaft an der Westküste einzurichten.

Corona-Pandemie verringert Retourenquoten bei Otto

Die Hamburger Otto Gruppe meldet sinkende Retourenquoten seit Ausbruch der Corona-Pandemie. Die Verbraucher kauften insbesondere Elektronik- und Gartenartikel, Möbel sowie Wäsche und Heimtextilien. Das seien Produkte mit ohnehin geringerer Rücksendequote als etwa bei Schuhen und Bekleidung, heißt es. Bei otto.de sei der Anteil von Rücksendungen nun um fünf Prozent weiter gefallen. Allerdings: Die Gesamtmenge ist wegen der steigenden Zahl von Online-Bestellungen gestiegen.

Informationen zum Coronavirus:

Corona-Testzentrum am Hamburger Flughafen eröffnet

In Hamburg ist die tägliche Zahl an Corona-Neuinfektionen seit vergangener Woche deutlich gestiegen – auch, weil sich viele Menschen im Urlaub angesteckt haben und nun zurückkehren. Deshalb hat am Freitag am Hamburger Flughafen ein Corona-Testzentrum für ausschließlich jene Flugreisende, die aus Risikogebieten zurückkommen, den Betrieb aufgenommen. Für Reisende entstehen dabei keine Kosten.

Weil es im Terminal Tango eingerichtet wurde, liegt es nicht auf dem üblichen Weg ankommender Fluggäste. Sie müssen stattdessen erst den Sicherheitsbereich verlassen und dann zum Testzentrum gehen. Die erste Gruppe Reisender, die sich hat testen lassen, kam aus Barcelona, darunter auch Frank Haßler (69) aus Niendorf, der die Ausschilderung des gerade eröffnete Zentrums bemängelte.

2000 Tests auf Sars-CoV-2 pro Tag geplant

Auf zunächst zwei Teststrecken können sich die Fluggäste auf eine mögliche Infektion testen lassen. In den kommenden Tagen soll die Kapazität auf fünf Teststrecken für bis zu 2000 Passagiere pro Tag (zwischen 6 und 23 Uhr) ausgebaut werden, teilte der Senat mit. 20 Mitarbeiter des Roten Kreuzes sind dort im Einsatz. Das Ergebnis wird nach Vorliegen an die getestete Person und ggf. das zuständige Gesundheitsamt übermittelt. Zum Abruf des Testergebnisses können Passagiere einen QR-Code erhalten.

Der Test am Flughafen ist bisher freiwillig und ein kostenfreies Angebot. Allerdings plant Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) eine Testpflicht. Eine entsprechende Anordnung könnte bereits kommende Woche in Kraft treten. Verpflichtend ist aber: Wer aus dem Urlaub oder von Reisen in Risikoländer zurückkehrt, muss sich 14 Tage in Quarantäne begeben oder bis zum Vorliegen eines negativen Tests in Quarantäne bleiben (§ 35 HmbSARS-CoV-2-EindämmungsVO).

Reisende müssen sich beim Gesundheitsamt melden

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Außerdem müssen sich alle Reisenden aus Risikogebieten beim Gesundheitsamt melden – wer beispielsweise per Bus, Schiff oder Flugzeug einreist, erfüllt die Meldepflicht, indem künftig eine Aussteigekarte ausgefüllt wird, die an das Gesundheitsamt weitergegeben wird. Bei anderen Einreisen muss eine eigenständige Meldung erfolgen.

Alternativ können ab der kommenden Woche Tests für alle Reiserückkehrer aus dem Ausland – auch aus nicht-Risikogebieten – innerhalb von 72 Stunden nach Rückkehr als Kassenleistung auch in Arztpraxen vorgenommen werden.

CDU fordert Maskenpflicht an Hamburger Schulen

Angesichts steigender Corona-Infektionszahlen fordert die CDU eine Maskenpflicht an Hamburger Schulen außerhalb des Unterrichts. Das Tragen von Masken, wo Abstände nicht eingehalten werden können, habe sich bewährt, sagte die bildungspolitische Sprecherin der Bürgerschaftsfraktion, Birgit Stöver, am Freitag. „Was für andere öffentliche Gebäude gilt, sollte auch in Schulen und auf dem Schulgelände gelten.“

Schülerinnen und Schüler hätten sich an das Maskentragen gewöhnt und gingen damit in der Regel genauso pflichtbewusst um, wie die meisten Erwachsenen. Die Schulbehörde empfiehlt das Masketragen außerhalb des Unterrichts lediglich.

Außerdem forderte Stöver den rot-grünen Senat auf, deutlich mehr Testkapazitäten für Hamburger Schulen bereitzustellen und allen Schülerinnen und Schülern regelmäßige Tests anzubieten. „Gerade jetzt, nachdem viele Reiserückkehrer aus dem Sommerurlaub in den Schulen aufeinandertreffen, sollte breit getestet werden.“ Ein Infektionsherd an Hamburger Schulen müsse verhindert werden. Nach sechs Wochen Sommerferien öffnen die Hamburger Schulen am kommenden Donnerstag wieder die Türen.

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