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Kampf dem Cornern: Wo in Hamburg Alkoholverkauf verboten ist

| Lesedauer: 19 Minuten

Von Berg an Gastronomen: Lasst den Gassenverkauf!

Altonas Bezirksamtsleiterin appelliert angesichts des neuen Alkoholverkaufsverbots an die Gastronomen in der Schanze.

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Viele Reiserückkehrer unter Corona-Neuinfizierten in Hamburg. Ein weiterer Todesfall. Dithmarschen führt schärfere Regeln ein.

Hamburg. In Hamburg ist die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen deutlich nach oben gegangen: Am Donnerstag hat die Gesundheitsbehörde 31 neue Ansteckungen mit Sars-CoV-2 sowie einen weiteren Todesfall gemeldet. Ein für das kommende Wochenende ausgesprochenes Alkoholverkaufsverbot soll verhindern, dass sich das Virus weiter ausbreitet.

Derweil beunruhigt ein Corona-Ausbruch durch Reiserückkehrer in Dithmarschen die Behörden in Schleswig-Holstein. Allein in dem Kreis waren in den vergangenen sieben Tagen 44 Neuinfektionen gemeldet – mehrere Dutzend Verdachtsfälle werden noch untersucht. Der Kreis führt nun strengere Regeln für das öffentliche Leben ein.

Lesen Sie hier alle Nachrichten zu Corona am Donnerstag, 30. Juli:

Bezirke legen sich fest: Hier gilt das Alkoholverkaufsverbot

Die Hamburger Bezirke Altona, Mitte und Eimsbüttel haben die Gebiete festgelegt, in denen das vom Senat beschlossene Verbot des Außerhausverkaufs von Alkohol am kommenden Wochenende in Kraft tritt. Das gab die Bezirksbehörde am Donnerstagnachmittag bekannt. Die Allgemeinverfügung gilt morgen, am Sonnabend und am Sonntag jeweils von 20 Uhr bis 6 Uhr des Folgetages. Sie betrifft den Außerhausverkauf durch Kioske, Tankstellen, Einzelhandel sowie Bars und Gaststättenbetriebe.

Allein im Bezirk Mitte seien ungefähr 430 Gastronomiebetriebe und 70 Einzelhändler von dem Verbot betroffen, sagte eine Sprecherin der Deutschen Presse-Agentur. Von der Regelung ausgenommen ist "der Ausschank von alkoholischen Getränken im Bereich der konzessionierten Außengastronomie für den Verzehr an Ort und Stelle", wie es hieß. Anders gesagt: In den Gaststätten selbst und der Außengastronomie soll es keine Einschränkungen geben.

Die betroffenen Gebiete entsprechen im Wesentlichen den Stadtteilen Ottensen, St. Pauli und Sternschanze. An den vergangenen Wochenenden hatten dort Hunderte vor allem junger Partygänger die geltenden Abstands- und Hygieneregeln konsequent missachtet. Ziel der Allgemeinverfügung sei es, "die Ausbreitung des Corona-Virus einzudämmen und größere Ansammlungen von Personen in den betroffenen Gebieten zu verhindern".

Der Senat hatte am Dienstag bekannt gegeben, dass die Bezirke den Alkoholverkaufsverbot in Szenevierteln einschränken dürfen.

Droßmann zu Alkoholverkaufsverbot: "Es widerstrebt mir"

Linke kritisiert Corona-Berufsverbot für Sexarbeiterinnen

Im Zusammenhang mit Verstößen gegen das coronabedingte Prostitutionsverbot sind in Hamburg bisher 20 Bußgeldbescheide über eine Gesamtsumme von mehr als 43.000 Euro ergangen. Das ergab eine Kleine Anfrage der Linksfraktion.

Sie wirft der Stadt Unverhältnismäßigkeit vor. So habe der rot-grüne Senat nicht darlegen können, warum ausgerechnet Sexarbeiterinnen noch immer „mit einem totalen Verbot ihrer Dienstleistungen belegt werden“, erklärte die Fraktionsvorsitzende Cansu Özdemir am Donnerstag.

„Ich halte das Festhalten an dem faktischen Berufsverbot für diskriminierend.“ Es zerstöre ohne ernstzunehmende Grundlage Existenzen und zwinge Sexarbeiterinnen auch in Gefahrensituationen. „Sexarbeit lässt sich nicht verbieten und findet nun unter riskanten Bedingungen im Verborgenen statt.“ In den vergangenen Wochen hatten Sexarbeiterinnen und Bordellbetreiber auf St. Pauli wiederholt für die Wiederzulassung des Bordellbetriebs demonstriert.

Corona-Test für Rückkehrer aus Risikogebieten kostenfrei

Um einen Viren-Import aus Risikogebieten zu verhindern, gibt es am Flughafen Hamburg von Donnerstag an Corona-Tests für Urlaubsrückkehrer aus Ländern mit hohen Infektionszahlen. Dazu zählen etwa die Türkei und die USA. Verpflichtend sind die Tests nach Abendblatt-Informationen nicht, weil es bisher an einer rechtlichen Handhabe fehle, hieß es.

Allerdings müssen sich Urlauber aus Risikogebieten in eine 14-tägige Quarantäne begeben – sofern sie sich nicht „freitesten“ lassen. Für diese Gruppe sind die Tests kostenfrei, für Urlauber aus Nicht-Risikogebieten gilt das nicht. Das Testzentrum der Stadt und des Deutschen Roten Kreuzes wird offenbar in der alten Flughafenhalle (Terminal Tango) in Betrieb gehen. Details zu, Test und dem Prozedere will Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) am Freitag bekanntgeben.

Corona in Hamburg: Viele Reiserückkehrer unter Neuinfizierten

Nach Abendblatt-Informationen beinhaltet die hohe Zahl von 31 Corona-Neuinfektionen am Donnerstag den Fall einer größeren Familie, die vom Balkan zurückgekehrt ist und bei der sieben Personen infiziert sind. Hinzu kommen andere Reiserückkehrer, aber auch Infektionen innerhalb Hamburgs ohne klaren Bezug zu Reisen.

Laut Sozialbehördensprecher Martin Helfrich wurden in die heutige Zahl auch Fälle der vergangenen Tage aus verzögerten Meldungen einbezogen. Die Infektionsketten seien derzeit in Hamburg noch nachvollziehbar.

Labore können bis zu 18.000 Tests pro Tag durchführen

Die Zahl der täglich durchgeführten Tests liege derzeit stabil bei "gut 6000". Da künftig auch die täglich bis zu 2000 Reiserückkehrer aus Risikogebieten am Flughafen getestet würden, werde die Zahl nun voraussichtlich deutlich steigen. Die Rate der positiven Ergebnisse habe sich leicht erhöht, bewege sich aber immer noch deutlich unter einem Prozent.

Die Kapazitäten der Labore würden mittlerweile bis zu 18.000 Tests pro Tag ermöglichen. Zunehmend würden auch Arbeitgeber ihre Mitarbeiter auf eigene Kosten testen lassen.

Trotz der erhöhten Infektionszahlen geht man im Senat derzeit weiterhin von der geplanten Öffnung von Schulen und Kitas aus. Es bleibe bei der Aussage von Sozialsenatorin Melanie Leonhard aus dem Abendblatt-Interview, so Helfrich. Darin hatte die Senatorin rückblickend gesagt: „Wir würden heute die Kitas nicht mehr als erstes schließen.“

Udo Lindenberg hofft auf „Schluss mit dem ewigen Ego“

Der Sänger und Rock-Musiker Udo Lindenberg (74) hofft nach der Corona-Pandemie auf ein stärkeres Miteinander der Menschen. Er setze auf „mehr Solidarität und Schluss mit dem ewigen Ego und der mörderischen Konkurrenz“, sagte Lindenberg der „Berliner Morgenpost. Aktuell sei „die beste Zeit für 'nen Neustart, für ganz neue Wege“.

Für den Hamburger könnte das so aussehen: „Weltweiter Waffenstopp, Fuck den Rüstungswahn und dann die ganze Kohle nutzen, um endlich Hunger und Elend zu stoppen.“ Nahrung und Ressourcen seien ja für alle genug da. „Du musst es nur fair verteilen.“

Zudem seien gleiche Chancen für alle im Sozial- und Bildungssystem notwendig. „Soziale Berufe wie Pflegekräfte kriegen viel zu wenig Wertschätzung und nicht die angemessene Bezahlung.“

Familienfeier: Zwölf Infizierte und 200 Menschen in Quarantäne

Nach einer Familienfeier im Raum Hagenow in Mecklenburg-Vorpommern sind mittlerweile zwölf Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Das sagte ein Sprecher des Landkreises Ludwigslust-Parchim am Donnerstag. Von den zwölf Fällen entfielen elf auf den Landkreis und einer auf Schwerin. Rund 200 Kontaktpersonen seien in Quarantäne, am Donnerstag sollte es weitere Tests geben.

Nach einem Bericht der „Schweriner Volkszeitung“ war wohl eine Baby-Begrüßungsparty mit mehr als 35 Personen in einem kleinen Ort nahe Hagenow der Ursprung des Infektionsgeschehens. Diese habe zum größten Teil im Freien stattgefunden, wegen des Wetters sei aber auch in einer Garage weitergefeiert worden.

Hamburg meldet 31 neue Corona-Fälle und weiteren Toten

Die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen in Hamburg ist seit Mittwoch um 31 gestiegen (am Vortag waren es 18 Fälle). Auch ein weiterer Todesfall wurde am Donnerstag bestätigt.

Weil ein Fall aus dem April gelöscht worden sei, so teilte der Senat auf der Website der Stadt mit, steige die Gesamtzahl der Menschen, die sich seit Beginn der Pandemie mit Sars-CoV-2 angesteckt haben, auf 5385 Menschen (also nur +30). Rund 5000 davon können nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen aber als genesen angesehen werden.

In Hamburger Krankenhäusern werden den Angaben zufolge derzeit 22 Menschen mit dem Coronavirus behandelt. Sieben von ihnen liegen auf Intensivstationen. Laut Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf starben in Hamburg bisher 231 Menschen an Covid-19.

In den zurückliegenden sieben Tagen gab es nach Angaben der Behörde insgesamt 112 Neuinfektionen. Das sind 6,2 pro 100.000 Einwohner. Das Infektionsgeschehen in der Stadt liegt damit nach wie vor weit unter dem Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche, ab dem der Senat über erneute Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie beraten müsste.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Dithmarschen führt wieder schärfere Corona-Regeln ein

Angesichts des Corona-Ausbruchs im schleswig-holsteinischen Kreis Dithmarschen hat Landrat Stefan Mohrdieck (parteilos) am Donnerstagmorgen neue Maßnahmen zur Eindämmung der Covid-19-Ausbreitung verkündet. Die neuen Regeln gelten zunächst nur in der Stadt Heide, da hier die meisten Infizierten leben.

So werde es wieder die Kontaktbeschränkung im öffentlichen Raum geben, dass sich maximal zwei Personen aus unterschiedlichen Haushalten treffen dürfen. In Heide sollen auch öffentliche Veranstaltungen ausgesetzt werden, bis die Infektionszahlen wieder sinken. Auf dem beliebten Wochenmarkt in Heide müsse verpflichtend ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. Auch soll die Zahl der Kunden in den Geschäften verringert werden. Die entsprechenden Allgemeinverfügungen würden derzeit formuliert und am Freitag veröffentlicht. Die neuen Regeln gelten dann voraussichtlich ab Sonnabend.

Mohrdieck kündigte an, dass die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen verstärkt kontrolliert werde. Zudem werden die Testungen ausgeweitet, insbesondere auch in den Wohnquartieren, in denen die gehäuften Corona-Infektionen aufgetreten sind. In Dithmarschen war die Zahl der bestätigten Corona-Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tagen auf 44 gestiegen (Stand Mittwochabend).

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Neue Corona-Teststellen für Urlaubsrückkehrer im Norden

Schleswig-Holsteiner können sich nach der Rückkehr aus dem Ausland von Freitag an fünf zusätzlichen Stellen kostenlos auf das neuartige Coronavirus testen lassen. Dies kündigte Gesundheitsminister Heiner Garg am Donnerstag in Kiel an. Als Orte nannte der FDP-Politiker den Kieler Hafen, Lübeck, den Fährhafen in Puttgarden auf Fehmarn, die Raststätte Ellund am Grenzübergang nach Dänemark an der A7 und den Busbahnhof in Neumünster.

Mit einem Testergebnis ist Garg zufolge in der Regel nach 24 Stunden zu rechnen. Er betonte, dass Rückkehrer aus Risikogebieten bis zum Vorliegen eines negativen Testergebnisses in Quarantäne gehen und sich beim zuständigen Gesundheitsamt melden müssen. Andernfalls drohe ein Bußgeld.

Garg richtete an die Bürger den dringenden Appell, das Abstandsgebot und die anderen Hygieneregeln einzuhalten. Die deutlich steigenden Infektionszahlen in jüngster Zeit hätten auch mit einer schleichend wachsenden Sorglosigkeit mancher Menschen zu tun.

22 neue Infektionen in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein hat sich die Zahl der offiziell erfassten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus innerhalb eines Tages um 22 Fälle auf 3401 erhöht (am Vortag waren es 38 Neuinfektionen). Wie die Landesregierung mit Stand Mittwochabend berichtet, lag die Zahl der im Zusammenhang mit dem Virus Gestorbenen weiter bei 156. Rund 3100 der seit Beginn der Pandemie nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 Infizierten gelten inzwischen als genesen. In Krankenhäusern wurden zuletzt 17 an Covid-19 Erkrankte behandelt.

Hamburgs Sozialsenatorin Melanie Leonhard (SPD) über die Quarantäne-Regeln:

Leonhard: Corona-Tests können "Stubenarrest" verkürzen

Dithmarschen erwartet weitere Coronafälle

Der Kreis Dithmarschen in Schleswig-Holstein könnte bei weiter deutlich steigenden Corona-Zahlen zum Risikogebiet werden. Die Zahl der bestätigten Corona-Neuinfektionen innerhalb der vergangenen sieben Tage ist auf 44 gestiegen, wie ein Sprecher des Landkreises am Mittwochabend mitteilte. Weitere Tests stehen noch aus.

Der Sprecher hatte am Nachmittag mitgeteilt, dass es sich bei zuvor bekanntgewordenen 33 Corona-Infizierten vor allem um Rückkehrer von Reisen auf den West-Balkan und nach Skandinavien handele. Weitere Ansteckungen habe es in den Familien gegeben. Der überwiegende Teil entfalle auf mehrere Familien aus Dithmarschen, die engen Kontakt pflegten.

Am Abend teilte er mit: „Neben weiteren Positivfällen aus der Testreihe im Zuge des Ausbruchsgeschehens in Heide haben sich unabhängig davon auch in anderen Teilen des Kreises Neuinfektionen ereignet. Auch für Heide stehen noch weitere Testungen an.“

Wann Dithmarschen zum Risikogebiet wird

Im Kreis Dithmarschen leben nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) 133 210 Menschen. Rein rechnerisch müsste es innerhalb von sieben Tagen mehr als 66,5 Neuinfizierungen in dem Kreis geben, damit er zum Risikogebiet erklärt werden könnte Maßgeblich dafür ist im Regelfall, ob in einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt mehr als 50 Personen pro 100.000 Einwohner innerhalb der vergangenen sieben Tage positiv auf das Coronavirus getestet worden sind.

Laut RKI gab es Stand 29. Juli 00.00 Uhr im Kreis Dithmarschen 23,3 Fälle auf 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Deutschlandweit lag dieser Wert am Mittwochmorgen bei 4,5 Fällen.

Coronavirus – die Bilder zur Krise: