Corona-Krise

Hamburgs Besuchermagneten sorgen sich um ihre Zukunft

Die Chefs des Miniatur Wunderland Gerrit (l.) und Frederik Braun müssen derzeit mit erschwerten Bedingungen zurechtkommen. Weil der Zugang begrenzt ist, fehlen den Unternehmern die Einnahmen.

Die Chefs des Miniatur Wunderland Gerrit (l.) und Frederik Braun müssen derzeit mit erschwerten Bedingungen zurechtkommen. Weil der Zugang begrenzt ist, fehlen den Unternehmern die Einnahmen.

Foto: Marcelo Hernandez

Weil nur wenige Touristen in der Stadt sind, kämpfen Freizeiteinrichtungen um ihre Existenz. Was Betrieben Hoffnung macht.

Hamburgs Freizeiteinrichtungen leiden enorm unter den geltenden Coronabeschränkungen. Obwohl wieder Leben in der Hamburger Innenstadt ist, findet noch immer recht wenig Publikum den Weg in die Museen und Sehenswürdigkeiten der Stadt. Aber die Urlauber fehlen immer noch in großer Zahl. Es kommen kaum Gäste aus dem Ausland in die Hansestadt, und auch der innerdeutsche Städtetourismus ist noch nicht so richtig in Fahrt. Doch die Besuchermagneten können allein von den Hamburgern nicht leben. Ihnen macht die Situation stark zu schaffen.

Der größte Besuchermagnet in Hamburg, das Miniatur Wunderland, verzeichnete im Juni 75 Prozent weniger Besucher als im Vorjahreszeitraum. Gründer Frederik Braun ist sehr besorgt: „Generell ist es echt eine Katastrophe. Wir kommen da aktuell nur aufgrund unseres eigenen Notfalltopfes von 4,6 Millionen ganz gut durch.“ Das Wunderland hat seine Öffnungszeiten bis spät in die Nacht verlängert, konnte damit aber auch nichts gegen den monatlichen Umsatzverlust von 1,5 Millionen Euro ausrichten. Bis Ende Juni musste das Unternehmen nach eigenen Angaben bereits fünf Millionen Euro Umsatzverlust verkraften. Braun sagt zu aktuellen Situation: „Unsere Mittel reichen nur noch bis Ende des Jahres.“

Coronabedingte Obergrenzen für Gäste sind das Problem

Dabei liegt das geringe Besucheraufkommen in vielen Fällen nicht am fehlenden Interesse, sondern an den coronabedingten Obergrenzen für Gäste. Vor Hagenbecks Tierpark bildeten sich beispielsweise bereits an mehreren Wochenenden sehr lange Schlangen. Der Tierpark hat Anfang Mai wieder geöffnet. Derzeit können bis zu 4000 Personen verteilt auf dem großzügigen Areal gleichzeitig die Elefanten, Ziegen und Co. beobachten, danach heißt es für die anderen warten und in der Schlange anstehen. Die Unterhaltskosten sind hoch, weil die Tiere weiterhin gefüttert und gepflegt werden müssen. Somit sanken seit März die Einnahmen bei nahezu gleichbleibenden Ausgaben. Auf Anfrage des Abendblatts wollte die Geschäftsführung des Tierparks keine konkreten Zahlen zur aktuellen Situation äußern.

Für Hamburger Kulturbetriebe bedeuteten die letzten Monate ebenfalls einen tiefen Einschnitt. Die Kunsthalle Hamburg verzeichnete in den ersten drei Monaten 2020 noch Besucherrekorde. „Bis zur Museumsschließung am 14. März besuchten uns 102.500 Personen“, berichtet Geschäftsführer Norbert Kölle. Zwar steigen die Besucherzahlen seit der Wiedereröffnung am 7. Mai stetig an, allerdings blieben sie um 80 Prozent hinter den Erwartungen zurück. „Es muss davon ausgegangen werden, dass lediglich die Hälfte des erwarteten Eintrittserlöses von drei Millionen Euro erwirtschaftet wird“, so Kölles Bilanz.

Private Museen und Freizeitattraktionen besonders betroffen

Genau wie die Kunsthalle ist auch das Museum für Kunst und Gewerbe durch die Zuwendungen der Stadt Hamburg abgesichert. Nichtsdestotrotz macht Geschäftsführer Udo Goerke die schleppende Wiederkehr der Besucher zu schaffen. Von Januar bis Juni kamen weniger als halb so viele Besucher im Vergleich zur ersten Jahreshälfte 2019. Alles in allem musste das Museum in dieser Zeit einen Umsatzverlust von 500.000 Euro verkraften. Auch die Stiftung Historische Museen Hamburg, zu denen auch das Museum für Hamburgische Geschichte und das Altonaer Museum gehören, musste herbe Rückgänge verkraften. Im Vergleich zum Vorjahr kamen bis zum Juni 2020 rund 110.000 weniger Gäste in die insgesamt sechs Kulturstätten. Der geschätzte Umsatzverlust von einer Million Euro wiege trotz der Unterstützung der Stadt schwer, sagt Sprecher Matthias Seeberg.

Vorbild Hamburger Dom: die Kirmes im Miniatur-Wunderland

Vorbild Hamburger Dom: die Kirmes im Miniatur-Wunderland
Vorbild Hamburger Dom: die Kirmes im Miniatur-Wunderland

Besonders hart treffen die coronabedingten Pausen aber private Museen und Freizeitattraktionen. Ins Internationale Maritime Museum in der HafenCity kamen im Mai lediglich 1000 Besucher, um sich die Exponate der Schifffahrtsgeschichte und Meeresforschung anzuschauen. Im Vorjahr waren es noch rund 16.000. Das bringt das Museum mit einem monatlichen Umsatzverlust von 85 Prozent in eine starke Krise. Vorstand Jan Tersteegen: „Aufgrund unser internationalen Ausrichtung haben wir einen sehr hohen Anteil überregionaler Besucher. Wir sind daher direkt vom Hamburger Tourismus abhängig.“

Strenge Auflagen der Stadt

Gleiches gilt für das Panoptikum am Spielbudenplatz. „Einen nationalen Reiseboom können wir nicht feststellen“, sagt eine Sprecherin des Wachsfigurenkabinetts, „95 Prozent unserer Gäste sind Touristen aus der DACH-Region (Deutschland, Österreich und Schweiz)“. Da diese jetzt größtenteils ausbleiben, fehlten dem Panoptikum im Juni 70 Prozent des Vorjahresumsatzes.

Im Chocoversum klagen sie vor allem über die strengen Auflagen der Stadt. Zwar sei das Haus seit der Pause stets ausverkauft, aber „mit den geringen Kapazitäten lässt sich keine Kostendeckung erreichen. Es wäre fast günstiger, gar nicht zu öffnen. Wir mussten bereits 50 Prozent unseres Gästeführerteams entlassen“, sagt Sprecherin Ulrike Al­brecht. Bei einem Besucherrückgang von 70 Prozent im Vergleich zum Vorjahr lässt sich der Bestand des Unternehmens laut eigenen Angaben nur noch bis April 2021 sichern.

Neben dem Panoptikum machen sich auch andere traditionsreiche Unternehmen auf St. Pauli und im Hamburger Hafen Sorgen um die Zukunft. Die selbstständigen Barkassenbetriebe dürfen nur eingeschränkt Touristen an Bord lassen. „Es fährt nur die halbe Flotte, und die ist nicht ausgelastet“, erklärt der Geschäftsführer des Traditionsbetriebs Barkassen Meyer, Hubert Neubacher. Genaue Angaben über die Besucherzahlen und den Umsatz wollte der Veranstalter von Hafenrundfahrten nicht machen. Nur so viel: „Wir kämpfen jeden Tag aufs Neue ums Überleben. Darauf konzentrieren wir uns.“

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Auch bei den Anbietern von Stadtrundfahrten ist die Situation weiter schwierig. Die Geschäftsführerin der Roten Doppeldecker, Katharina Fest, setzt darauf, dass sich die Lage im Frühjahr verbessert, meint aber auch: „Wir werden langfristig schrumpfen müssen.“

Für einige Betriebe haben sich vor allem die fehlenden Schüler und Schulklassen bemerkbar gemacht. Der Kletterwald Hamburg, ein beliebtes Ausflugsziel in Meiendorf, musste im Frühjahr einen Umsatzrückgang von 40 Prozent hinnehmen. Auch bei den Frei- und Hallenbädern von Bäderland kommen Familien erst wieder zögerlich zurück. Die Auslastung liege derzeit bei zehn bis 20 Prozent der normalen Kapazitäten, teilte Bäderland-Sprecher Michael Dietel mit. Er bedauert, dass viele Gäste anscheinend nichts von der Wiedereröffnung mitbekommen hätten. Bisher haben sich seinen Angaben zufolge vor allem Triathleten und Schwimmsportler wieder in den Schwimmbecken eingefunden. Dietel versichert: „Keines der Bäder wird aufgrund von Corona schließen und die Modernisierung der Alsterschwimmhalle kann wie geplant fortgesetzt werden.“

Ein wenig Hoffnung macht den Betrieben, dass die Besucherzahlen schon im Juni fast überall gestiegen sind. Über den Sommer 2020 hoffen sie nun vor allem auch auf Hamburger, die ihre Stadt noch einmal neu entdecken wollen.