Hamburg/Schleswig-Holstein

Hohe Bewerberzahlen bei der Polizei– und Durchfallquoten

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Viele junge Menschen in Hamburg und Schleswig-Holstein finden den Beruf des Polizisten attraktiv. Diese Bewerber haben es geschafft und können sich über die  Vereidigungfeier im Festsaal des Hamburger Rathauses freuen (Archivbild).

Viele junge Menschen in Hamburg und Schleswig-Holstein finden den Beruf des Polizisten attraktiv. Diese Bewerber haben es geschafft und können sich über die Vereidigungfeier im Festsaal des Hamburger Rathauses freuen (Archivbild).

Foto: Klaus Bodig

Der Beruf des Polizisten steht bei jungen Leuten hoch im Kurs. Doch viele Interessenten meistern die Anforderungen nicht.

Hamburg/ Kiel. Die Polizei in Hamburg und Schleswig-Hostein ist ohne Nachwuchssorgen – trotz Schlagzeilen über Gewalt gegen Polizisten. Die Zahl der Bewerber für einen Ausbildungsplatz bei der Polizei ist in Hamburg im Zehn-Jahres-Vergleich deutlich gestiegen. Aber nicht alle erfüllen die Anforderungen, die bei den Tests gestellt werden. In Schleswig-Holstein liegt die Durchfallquote in einigen Bereichen bei über 30 Prozent.

In Hamburg seien in diesem Jahr für den mittleren und den gehobenen Dienst fast 5200 Bewerbungen eingegangen, sagte ein Polizeisprecher. 2010 seien es nur knapp 4000 gewesen. Gleichzeitig kletterte die Zahl der Neueinstellungen von rund 200 auf 500 Auszubildende und Studierende.

Hamburg: Polizeiberuf attraktiv für junge Leute

Das Interesse ist hoch trotz Berichten über Gewalttaten gegen Polizisten wie etwa bei den Krawallen in Stuttgart oder Frankfurt. „Der Polizeiberuf bietet mit seinen zahlreichen unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen einen vielseitigen und abwechslungsreichen Dienstalltag“, sagt der Polizeisprecher zu den Gründen, warum der Beruf so viele Bewerber anzieht.

„Ferner ist zu beachten, dass das Berufsbeamtentum mit der einhergehenden Sicherheit des Arbeitsplatzes sowie die gerade in Zeiten der Corona-Pandemie deutlich hervorgehobene Systemrelevanz der Polizei bei der Berufswahl junger Menschen Berücksichtigung finden dürften.“

Bewerber bei der Polizei größte Schwierigkeiten im Diktat

Voraussetzung für eine Laufbahn im gehobenen Dienst ist das Abitur oder Fachabitur. Einen solchen Abschluss hatten in der Hansestadt 2019 auch 73 Prozent der Eingestellten im mittleren Dienst. Das Einstellungs- und Auswahlverfahren der Polizei Hamburg besteht unter anderem aus:

  • Diktat
  • Tests zu Mathematik und logischem Denken
  • Sportprüfungen
  • Vorstellungsgespräch.

Für den gehobenen Dienst kommt noch ein Rollenspiel hinzu. „Erfahrungsgemäß haben Bewerber unabhängig vom gewünschten Laufbahnabschnitt die größten Schwierigkeiten im Diktat“, sagte der Sprecher.

Schleswig-Holstein: Auf 250 Ausbildungsstellen kommen 1762 Bewerber

Auch in Schleswig-Holstein ist das Interesse junger Menschen am Polizeiberuf ungebrochen groß. In diesem Jahr kommen auf 250 zu besetzende Ausbildungsstellen im gehobenen Dienst 1762 Bewerber, wie das Landespolizeiamt mitteilte. Im mittleren Dienst sind es für 176 Stellen 1370 Bewerber. Vor zehn Jahren waren es 1600 beziehungsweise 1704 Bewerber für insgesamt 200 Stellen. Auf beide Laufbahnen bezogen hatten im vergangenen Jahr 69 Prozent der Bewerber Abitur und 28 Prozent die Fachhochschulreife.

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Bei den erfolgreichen Bewerbern für den gehobenen Dienst betrug der Anteil der Abiturienten gut 88 Prozent, beim mittleren Dienst immerhin 31 Prozent. Nur 1,3 Prozent kamen mit einem Hauptschulabschluss zum Zuge.

Polizei in Schleswig-Holstein bescheinigt Nachwuchs hohe Motivation

Bei den Prüfungen sind in beiden Laufbahnen ein Intelligenz- und ein Sporttest zu absolvieren sowie ein Diktat zu schreiben. Hinzu kommen ein Einzelgespräch und eine ärztliche Untersuchung. Für den gehobenen Dienst müssen zusätzlich ein Sprach- und ein Bildungstest bestanden und ein Kurzreferat gehalten werden.

„Wir sind in Schleswig-Holstein eine Bürgerpolizei, die Werte nicht nur schützt, sondern durch Haltung und Auftreten auch verkörpert“, sagte Landespolizeidirektor Michael Wilksen. „Ich habe keinen Zweifel daran, dass es uns auch in Zukunft gelingen wird, geeignete junge Menschen für die Landespolizei zu begeistern.“ Aktuell müsse sich die Polizei um ihren Nachwuchs keine Sorgen machen. Wilksen bescheinigte den jungen Polizisten eine tadellose Berufsauffassung, hohe Motivation und Engagement.

Hohe Durchfallquoten bei Diktat, Referat und Intelligenztest

Schlagzeilen über Gewalttaten gegen Beamte nähmen angehende Polizisten und deren Eltern sehr wohl zur Kenntnis, sagte ein Sprecher des Landespolizeiamts. Diese verdrängten aber nicht das gute Bild der Polizei und damit die Entscheidung, sich für den Polizeiberuf zu interessieren. Die Bewerber schätzten auch abwechslungsreiche Tätigkeiten, vielfältige Personalentwicklungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten sowie Arbeitszeitmodelle mit Teilzeit-, Heimarbeits- und Elternzeitangeboten.

Den Weg zum Polizeiobermeister (mittlerer Dienst) oder zunächst zum Polizeikommissar (gehobener Dienst) schaffen aber nicht alle Bewerber. Besonders bei Diktat, Referat und Intelligenztest gibt es hohe Durchfallquoten. 27 Prozent betrug sie 2019 beim Intelligenztest und gut 31 Prozent beim Diktat – hier scheiterten auch 20 Prozent der Abiturienten. Von diesen patzten auch 26 Prozent beim Referat.

( dpa/HA )

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