Krankenkassen

Corona und Covid-19: Was kostet uns die Gesundheit?

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Christoph Rybarczyk
Prof. Jonas Schmidt-Chanasit ist einer der renommierten Corona-Experten.

Prof. Jonas Schmidt-Chanasit ist einer der renommierten Corona-Experten.

Foto: Daniel Bockwoldt / picture alliance / dpa

Techniker Krankenkasse: Behandlungskosten weiter gestiegen. Internet-Doktor Zava: Online-Sprechstunden boomen und senken Kosten.

Hamburg. Was kostet uns die Gesundheit? Deutschlands größte gesetzliche Krankenversicherung hat jetzt für Hamburg Zahlen vorgelegt, die aufhorchen lassen. Die Techniker Krankenkasse ist auch an ihrem Unternehmenssitz in Hamburg Marktführer mit 467.000 Versicherten. So stiegen an Alster und Elbe die Ausgaben pro Versicherten auf 2692 Euro im Jahr 2019. Dieses Plus von 5,7 Prozent liegt unter dem bundesweiten Anstieg von 6,4 Prozent.

Normalerweise gilt Hamburg als „Hochpreis-Gebiet“ für Patienten. Haben sich die Hamburger seltener behandeln lassen als der Bundesdurchschnitt? Oder sind sie, wie die Zahl der Fitnessstudios und Erhebungen anderer Krankenkassen nahelegen, einfach insgesamt fitter als der Otto Normaldeutsche?

Techniker Krankenkasse: Krankenhausbehandlung besonders teuer

Der Anstieg der Kosten fällt allerdings deutlich höher aus als zuletzt. Das hängt unter anderem mit der Alterung der Gesellschaft zusammen. Hamburg altert jedoch nicht ganz so schnell wie das ganze Land im Mittel – auch aufgrund von Zuzug und hohen Geburtenzahlen.

Zu den größten Ausgabeposten für die Gesundheit zählen laut TK die Krankenhausbehandlungen (760 Euro pro Kopf, plus 1,5 Prozent) vor den Behandlungen in Arztpraxen (625 Euro pro Kopf, plus 10 Prozent). Die Ausgaben für Medikamente lagen bei 477 Euro pro Kopf (plus 6 Prozent).

Corona-Krise: Was kostet sie die Krankenversicherten?

Unter Experten ist umstritten, wie sich die Corona-Krise auf die Ausgaben im Gesundheitswesen auswirken werden. Der Krankenhaus-Konzern Asklepios etwa hatte ungefähr jeden zweiten Hamburger Corona-Patienten in seinen Kliniken. Während die Behandlung dieser Fälle wegen der schwerwiegenden Erkrankung natürlich teuer ist, gab es einen dramatischen Einbruch bei den Fallzahlen.

Denn viele Patienten mieden trotz Beschwerden die Arztpraxen und Krankenhäuser. Umgekehrt mussten etliche Operationen verschoben werden, weil Betten für mögliche Covid-19-Patienten reserviert wurden.

Die Leiterin der TK-Landesvertretung Hamburg, Maren Puttfarcken, sagte dem Abendblatt: „Eine verlässliche Prognose zur Kostenentwicklung für dieses Jahr abzugeben, wäre im Moment ein Blick in die Glaskugel. Die Einnahmen und Ausgaben der Krankenkassen schwanken wegen der Corona-Pandemie extrem.“ Man habe bei den Krankenhausbehandlungen zuletzt Rückgänge erlebt. „Unsicher ist aber auch die Einnahmeseite: Vor dem Hintergrund der schwächelnden Konjunktur ist hier mit extremen Rückgängen zu rechnen.“

Zava: Online-Sprechstunden boomen

Der Vorstandschef der Internet-Arztpraxis Zava, David Meinertz, sieht durch Corona die Zahl der Arztbesuche drastisch sinken und die der Online-Sprechstunden gewaltig steigen. Von zehn auf vier oder fünf pro Jahr würden sich die Praxisbesuche reduzieren, sagte Meinertz dem Abendblatt. Wie der private, europaweite Dienstleister Zava bietet auch die TK inzwischen über ihre Doc-App Video-Sprechstunden an.

Zava spricht von 25.000 Arztpraxen in Deutschland, die im April Videosprechstunden nutzen. Im Februar 2020 seien es erst 1700 gewesen. Das zeigten Schätzungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Corona: Google-Anfragen zu Gesundheit nehmen zu

Zava-CEO Meinertz sagte: „Die Digitalisierung setzt sich durch im Patienten- und Arzt-Alltag: Telemedizinische Beratung und Behandlung sind nicht nur bequemer und zeitsparender, sondern in Zeiten einer Pandemie vor allem auch sicherer.“ Die Nachfrage sei auch an der Auswertung der Google-Anfragen sichtbar. „Vier von fünf Deutschen, die die Videosprechstunde bereits genutzt haben, würden dies erneut tun“, so Zava. Die Behandlungskosten im ambulanten Bereich ließen sich um bis zu 17 Prozent senken. Das zeigten Zahlen aus der Schweiz.

TK-Hamburg-Chefin Puttfarcken sagte dem Abendblatt: Ob Kosten gesenkt werden könnten, sehe man erst, wenn man die Abrechnungsdaten habe. Für Zava ist Deutschland in der Digitalisierung noch nicht gut aufgestellt: Platz 12 von 14 im europäischen Digital Health Index.

Nach einer aktuellen Forsa-Umfrage der Techniker nimmt die Bereitschaft der Patienten zu, Video-Sprechstunden zu nutzen: von 35 Prozent im Dezember 2019 auf derzeit 50 Prozent. TK-Chef Jens Baas sagte: "Erstaunlicherweise ist die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus dabei nicht das zentrale Argument." Die Befragten nannten eher praktische Gründe.

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