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277 Bewohner einer Unterkunft für Geflüchtete in Quarantäne

| Lesedauer: 19 Minuten
Die 277 Bewohner dürfen die Flüchtlings-Unterkunft in Hamburg nicht verlassen und stehen untere Quarantäne.

Die 277 Bewohner dürfen die Flüchtlings-Unterkunft in Hamburg nicht verlassen und stehen untere Quarantäne.

Foto: Michael Arning

Schulbehörde will Wiedereröffnungskonzept für Schulen vorstellen. Deutlicher Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Hamburg.

Hamburg. In Hamburg ist die Zahl der nachgewiesenen Corona-Infektionen seit Dienstag deutlich um zunächst acht und am Donnerstag sogar um 24 neue Fälle gestiegen. Darunter befinden sich sieben Corona-Fälle aus einer Wohnunterkunft für Geflüchtete in Wandsbek. Die insgesamt 277 Bewohner müssen nun in Quarantäne.

Unterdessen stehen die Ergebnisse von getesteten Bewohnern und Mitarbeitern eines Pflegeheims in Bramfeld noch aus. Sie werden am Freitag erwartet. Dort hatte das Gesundheitsamt am Dienstag Reihentests angeordnet, nachdem das Coronavirus bei einem Bewohner nachgewiesen wurde.

Lesen Sie hier alle Nachrichten zu Corona am Donnerstag, den 23. Juli:

UKE: Forscher finden möglichen Superspreader bei Tönnies

Ein Mitarbeiter in der Rinderzerlegung hat im Mai 2020 laut einer Studie das Coronavirus bei Tönnies in Rheda-Wiedenbrück verteilt. Dabei wurde das Virus nach dem Forschungsergebnis von Wissenschaftlern des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI), der Uniklinik Hamburg-Eppendorf und des Leibnitz-Instituts für Experimentelle Virologie (HPI) auf mehrere Personen im Umkreis von mehr als acht Metern übertragen, wie das HZI mitteilte. Dazu wurden die Standorte der Arbeiter bei der Arbeit und die Infektionsketten anhand von Virussequenzen analysiert.

„Unsere Ergebnisse weisen darauf hin, dass die Bedingungen des Zerlegebetriebs – also die niedrige Temperatur, eine geringe Frischluftzufuhr und eine konstante Luftumwälzung durch die Klimaanlage in der Halle, zusammen mit anstrengender körperlicher Arbeit – die Aerosolübertragung von Sars-CoV-2-Partikeln über größere Entfernungen hinweg förderten“, sagte Adam Grundhoff, Mitautor der Studie.

Behörden heben wegen Corona-Parties "mahnend den Zeigefinger“

Angesichts des Wochenendes appellierten die Behörden noch einmal an die Vernunft der jüngeren Hamburger. „Wir heben mahnend den Zeigefinger“, es nicht wieder zu Massen-Partys ohne Abstand wie am vergangenen Wochenende auf St. Pauli und im Schanzenviertel kommen zu lassen, sagte ein Sprecher.

Ansonsten sei es wahrscheinlich, dass in der kommenden Woche eine Allgemeinverfügung ergehe, mit der der Alkoholverkauf in den Ausgehvierteln befristet eingeschränkt werde. Sollte es am Wochenende dennoch wieder zu größeren Ansammlungen kommen, bei denen die Corona-Regeln missachtet werden, könne die Polizei entsprechende Maßnahmen aber auch nach dem Seuchenschutzgesetz anordnen.

Lesen Sie dazu auch: Verkaufsverbot von Alkohol auf Schanze und St. Pauli kommt

Schulbehörde will Wiedereröffnungskonzept für Schulen vorstellen

Die Hamburger Schulbehörde stellt kommende Woche das Konzept für zur Wiedereröffnung der Schulen nach den Sommerferien vor. Es werde mit Hochdruck an einem Konzept und neuen Richtlinien gearbeitet. Das teilten der Hamburger Senat in einem Kommentar auf Twitter und die Schulbehörde auf Instagram mit.

Filmtheater-Unternehmer Flebbe: Kinos werden allein gelassen

Der Kinounternehmer Hans-Joachim Flebbe sieht die Filmtheater angesichts der strengen Corona-Auflagen am Abgrund. Die 1,50-Meter-Abstandsregel im Kinosaal komme einem Berufsverbot gleich, die Auflagen seien „völlig überzogen“, kritisierte Flebbe in Hannover.

Höchstens 25 bis 30 Prozent der Plätze dürfe er verkaufen, wirtschaftlich vertretbar sei es erst ab einer Auslastung von 50 Prozent. Flebbe betreibt unter anderem den Berliner Zoo Palast sowie Premium-Kinos in Hannover, Hamburg, München, Köln und Frankfurt am Main. Die Kinos würden von der Politik allein gelassen, seine Schreiben an die niedersächsische Landesregierung seien nicht beantwortet worden, Kompensationen von Land oder Bund habe es nicht gegeben.

Corona-Ausbruch in Wohnunterkunft: Linke fordern Entzerrung der Belegung

Nach dem Corona-Ausbruch in einer Wohnunterkunft für Geflüchtete in Wandsbek kritisiert die flüchtlingspolitische Sprecherin der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft, Carola Ensslen, die beengte Belegung solcher Unterkünfte.

Der Ausbruch zeige, wovor etwa Wissenschaftler und das Robert-Koch-Institut gewarnt haben: "Unterkünfte mit beengter Belegung bergen eine große Infektionsgefahr. Statt vorbeugend die Belegung zu entzerren, hat der Senat sehenden Auges solche Infektionen in Kauf genommen. Noch nicht einmal um den Schutz von Risikogruppen hat er sich nachhaltig gekümmert", so Ensslen. Die Zwangsquarantäne der knapp 300 Bewohner sei "untragbar".

Kieler Hauptbahnhof-Imbiss: Keine neuen Corona-Fälle

Die Zahl der bestätigten Corona-Fälle in einem Imbiss im Kieler Hauptbahnhof ist bis zum Donnerstag nicht weiter gestiegen. Nach den sechs Corona-Fällen in der Belegschaft waren auch die übrigen der 15 Beschäftigten getestet worden. Der Kieler Stadtrat für Gesundheit, Gerwin Stöcken, sagte, es lägen keine neuen positiven Befunde vor. Allerdings seien noch nicht alle Labortests ausgewertet.

Das Gesundheitsamt hat unterdessen telefonisch Kontakt zu den mehr als 400 Gästen aufgenommen, die in der Woche vor Schließung des Ladens am Montag in dem Imbiss gegessen haben. Ihnen sei geraten worden, bei Symptomen telefonisch sich bei ihrem Hausarzt zu melden, sagte eine Vertreterin der Behörde.

Inzwischen ist für die nächsten zwei Tage noch ein Bürgertelefon geschaltet worden. Bis Donnerstagmittag hatten sich laut Stöcken 66 Menschen gemeldet, darunter einige, die im Imbiss Gast gewesen waren, aber nicht vom Gesundheitsamt angerufen worden sind.

Skipper Boris Herrmann lädt Fans zur Online-Konferenz

Man muss kein Segelfan sein, um Boris Herrmann zu kennen. Im vergangenen Herbst beförderte der Hamburger die Klimaaktivistin Gretha Thunberg auf der Yacht „Malizia II“ von Plymouth in England zum Klimagipfel der Vereinten Nationen nach New York. Im kommenden Herbst will Boris Herrmann (39) als erster deutscher Segler an der Vendée Globe teilnehmen, der härtesten Einhandregatta der Welt. Bei dem Solorennen geht es vom 8. November an von Frankreich aus entlang des Südpolarmeers einmal nonstop um die Welt.

Herrmann hat also sicher eine Menge zu erzählen – und steht seinen jüngsten Fans an diesem Donnerstag Rede und Antwort. Für 15 Uhr lädt er zu einer Kinder- und Jugend-Online-Konferenz. Themen sind laut Ankündigung der Regattasport, Geschichten vom Meer und der Schutz der Ozeane. Wer interessiert ist, kann sich auf Herrmanns Website die Kinder- und Jugendbroschüre „My Ocean Challenge“ herunterladen. Hier geht's zur Zoom-Konferenz mit Boris Herrmann.

Airport Hannover: Viele Fragen zu Corona-Teststellen offen

Vor einer möglichen Einrichtung von Corona-Teststellen an Flughäfen müssen aus Sicht des Airports Hannover noch viele offenen Frage geklärt werden. Derzeit gebe es noch keine behördlichen Vorgaben, man stehe aber in engem Kontakt mit dem zuständigen Gesundheitsamt der Region Hannover, sagte Airport- Sprecherin Anika Studders am Donnerstag. Der Flughafen sei bereit, Räumlichkeiten zur Verfügung zu stellen.

Der Flughafen Hannover sei ein 24-Stunden-Airport, weshalb mögliche Testzentren vermutlich auch rund um die Uhr geöffnet sein müssten. Für die Tests sei zudem medizinisch geschultes Personal notwendig. Geklärt werden müsse auch, wie mit Passagieren umgegangen werde, die positiv getestet würden, oder wer zuständig sei, wenn Passagiere sich einem Test verweigerten.

Jungheinrich übersteht Krise besser als erwartet

Der Gabelstaplerhersteller Jungheinrich schlägt sich in der Corona-Krise trotz erwarteter Rückgänge bei Umsatz und Ergebnis besser als befürchtet. Auch angesichts der am Vorabend vorgelegten Halbjahreszahlen machte sich Erleichterung breit. Sie fielen ebenfalls besser aus als gedacht. Die im Kleinwerte-Index SDax notierte Aktie legte am Donnerstag um 12 Prozent auf 25,72 Euro zu.

Der neuen Prognose des Unternehmens zufolge dürften Auftragseingang und Umsatz dieses Jahr bei jeweils 3,4 bis 3,6 Milliarden Euro liegen, wie das Unternehmen am Mittwochabend in Hamburg mitteilte. Im Vorjahr hatten das Neugeschäft 3,9 Milliarden und der Umsatz noch knapp 4,1 Milliarden Euro betragen. Jungheinrich hatte bereits vor Ausbruch der Corona-Krise mit - allerdings etwas geringeren - Rückgängen gerechnet.

Pinneberger Pflegekraft in Türkei zwei Mal auf Corona getestet

Eine türkischstämmige Pflegekraft aus dem Kreis Pinneberg ist bei einem Familienbesuch in der Türkei zwei Mal auf Corona getestet worden. Der erste Test sei positiv gewesen, der zweite negativ, sagte ein Sprecher des Kreises Pinneberg am Donnerstag. Der Kreis hatte damit entsprechende Angaben vom Vortag korrigiert.

Die Frau werde nach ihrer Rückkehr vorsorglich ein drittes Mal auf Corona getestet, bevor sie wieder als Pflegekraft arbeiten könne. Seit dem 1. Juli haben sich dem Sprecher zufolge beim Gesundheitsamt des Kreises Pinneberg 234 Reiserückkehrer aus Risikogebieten gemeldet.

Deutlicher Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Hamburg

Nachdem am Mittwoch mit acht Neuinfektionen bereits ein im Vergleich zu den Vortagen deutlicher Anstieg in Hamburg verzeichnet wurde, bestätigte sich die Tendenz auch am Donnerstag. Die Gesundheitsbehörde meldete insgesamt 24 Neuinfektionen. Damit steigt die Zahl der in der Stadt positiv getesteten auf 5274 Personen an. Rund 5000 davon können nach Schätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) inzwischen aber als genesen angesehen werden.

In der zurückliegenden Woche gab es demnach insgesamt 46 Neuinfektionen. Das sind 2,6 pro 100 000 Einwohner – mehr als doppelt so viel wie am Vortag. Dennoch liegt das Infektionsgeschehen in Hamburg auch weiterhin weit unter dem Grenzwert von 50 Neuinfektionen, ab dem der Senat über erneute Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie beraten müsste.

Reiserückkehrer aus Risikogebieten unter den Neuinfizierten

Zumeist handele es sich bei den Neuinfizierten um Reiserückkehrer aus Risikogebieten. „In den vergangenen Tagen haben sich sehr viele Rückkehrer aus Risikogebieten bei den Gesundheitsämtern gemeldet“, sagte eine Sprecherin. „Ein Großteil davon kam aus der Türkei.“ Sie befänden sich nun in Quarantäne.

Sieben Hamburger wegen Corona auf der Intensivstation

In Hamburger Krankenhäusern wurden den Angaben zufolge 21 Menschen mit dem Coronavirus behandelt – drei mehr als noch am Vortag –, sieben von ihnen liegen auf Intensivstationen. Bei der Zahl der Todesopfer gab es keine Veränderungen: Laut Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf starben in Hamburg bisher 230 Menschen an Covid-19 – einer weniger als bisher vom Institut genannt. Das RKI, das unabhängig von der Todesursache alle mit dem Virus infizierten Toten erfasst, kommt unverändert auf 261.

Das Coronavirus in Deutschland und weltweit:

Wandsbek: Sieben Corona-Fälle in Wohnunterkunft für Geflüchtete

In einer Wohnunterkunft in Wandsbek sind sieben Bewohner positiv auf das Coronavirus getestet worden. Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, ordnete das zuständige Gesundheitsamt für alle Bewohner eine mindestens zweiwöchige Quarantäne an. Außerdem sollen sie mehrfach getestet werden.

Nach Vorlage der Testergebnisse werde dann über das weitere Verfahren entscheiden, teilte der Senat am Donnerstag mit. Insgesamt wohnen in der Unterkunft für Geflüchtete 277 Personen.

Neun Prozent weniger Arbeit in Hamburger Industriebetrieben

In der Hamburger Industrie sind während der Monate März bis Mai 9,1 Prozent weniger Arbeitsstunden geleistet worden als in den gleichen Monaten des Vorjahres. Besonders betroffen gewesen sei die Elektrotechnik mit einem Rückgang von gut 20 Prozent, teilte das Statistik-Amt Nord am Donnerstag in der Hansestadt mit.

Auch bei der Herstellung von Metallerzeugnissen (minus 14,1 Prozent) und dem Maschinenbau (minus 13,6 Prozent) sei das Arbeitsvolumen überdurchschnittlich zurückgegangen. Dagegen registrierten die Statistiker bei der pharmazeutischen Industrie eine Zunahme um 2,1 Prozent. Erfasst wurden für die Auswertung 219 Hamburger Industriebetriebe mit mehr als 50 Beschäftigten. Dort arbeiten rund 80 000 Menschen, das sind 1,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

Hamburger Flughafen wartet Entscheidung über Corona-Tests ab

Der Hamburger Flughafen will für die mögliche Einrichtung von Corona-Testzentren die Anordnung der Behörden abwarten. „Wir müssen erst einmal die Entscheidung am Freitag abwarten; genau sehen, wie ist der Bedarf“, sagte eine Flughafensprecherin am Donnerstag. Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern hatten sich am Mittwoch bei einer Schaltkonferenz auf eine entsprechende Linie geeinigt. An diesem Freitag wollen die Fachminister weiter beraten.

Man müsse die gesetzlichen Anforderungen abwarten, ob Tests bei Reiserückkehrern verpflichtend sein sollen, oder möglicherweise nur aus Risikogebieten. „Konkretes können wir noch nicht sagen, es kommt darauf an, wie der Gesetzgeber das ausformuliert“, sagte die Sprecherin weiter.

Tui Cruises sagt Ostsee-Kreuzfahrt doch wieder ab

Das Kreuzfahrtschiff "Mein Schiff 1" sollte eigentlich am 31. Juli in Kiel ablegen. Doch nun musste Tui Cruises die dreitägige Ostseereise ohne Landausflüge absagen, weil Crew noch nicht vollzählig ist. "Wir sind noch nicht ganz startklar", sagt Unternehmenssprecherin Friederike Grönemeyer.

"Aufgrund der weltweiten Reisebeschränkungen ist die Startmannschaft noch nicht komplett." Die Crew kommt unter anderem von den Philippinen und aus Indonesien.

14 neue Corona-Infektionen in Schleswig-Holstein gemeldet

In Schleswig-Holstein hat sich die Zahl der offiziell erfassten Infektionen mit dem Coronavirus zuletzt innerhalb eines Tages um 14 Fälle auf 3292 erhöht. Wie die Landesregierung auf ihrer Website mit Stand Mittwochabend berichtet, blieb die Zahl der im Zusammenhang mit dem Virus Gestorbenen unverändert bei 155.

Rund 3000 der seit Beginn der Pandemie nachweislich mit dem Virus Sars-CoV-2 Infizierten gelten inzwischen als genesen. In Krankenhäusern wurden zuletzt fünf an Covid-19 Erkrankte behandelt.

Kommunen: Sonntagsöffnungen wichtig für Innenstädte

Die niedersächsischen Kommunen verteidigen die möglichen vier Sonntagsöffnungen bis Jahresende als Unterstützung für verwaiste Innenstädte und den Einzelhandel in Corona-Zeiten. „Die dramatischen Umsatzeinbrüche im Einzelhandel, bei der Gastronomie und im Kulturbereich erfordern schnelle Hilfe“, sagte der Sprecher des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Thorsten Bullerdiek, am Donnerstag in Hannover. Der am Vortag gefundene Kompromiss zwischen Land, Verbänden und Kirchen dürfe nicht zerredet werden.

Ein Runder Tisch im Wirtschaftsministerium hatte sich darauf verständigt, dass für eine örtliche Sonntagsöffnung ausnahmsweise keine gewichtigen Gründe wie Messen oder Volksfeste vorliegen müssen. Auch kleinere Anlässe sollen 2020 ausreichend sein.

Coronavirus – die Bilder zur Krise: