Verkehr

Baustellen in Hamburg: Besonders Radfahrer leiden darunter

| Lesedauer: 5 Minuten
Juliane Lauterbach, Geneviève Wood
Wenn Radfahrer nicht mitgedacht werden: Kein richtiger Radweg, aber Gegenverkehr an der Ecke Hohenzollernring/Bleickenallee.

Wenn Radfahrer nicht mitgedacht werden: Kein richtiger Radweg, aber Gegenverkehr an der Ecke Hohenzollernring/Bleickenallee.

Foto: Marcelo Hernandez / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Mal Linksverkehr, mal bedrohliche Enge, mal Gedränge auf dem Fußweg. Was die Behörde und der ADFC sagen - und wo es gut läuft.

Hamburg. Sommerferienzeit heißt Baustellenzeit. Und das bedeutet für alle Verkehrsteilnehmer Umleitungen, Behinderungen und oftmals zäher Verkehr. Doch zwischen Baggerschaufel, Presslufthammer und Bauzäunen wird deutlich, dass es eine Gruppe oft besonders hart trifft: die Fahrradfahrer.

An der Kieler Straße etwa gibt es für Radfahrer streckenweise nur noch auf einer Straßenseite Platz. Dort müssen sich Radler beider Fahrtrichtungen einen schmalen Streifen teilen, auf denen die Richtungen mit Pfeilen markiert sind – allerdings nicht wie sonst üblich als Rechts-, sondern als Linksverkehr.

Fahrradfahrer sind gezwungen, Baustellen umständlich zu umfahren

Für Unmut sorgt auch die Baustelle am Hohenzollernring, wo die Veloroute ausgebaut wird. Dort verliert sich der Radweg Richtung Süden in etwa auf der Höhe des Gymnasiums Altona. Fahrradfahrer sind dazu gezwungen, sich eng und umständlich an den Baustellenfahrzeugen vorbeizuschlängeln.

Ähnlich sieht es im Bereich Bismarckstraße/Mansteinstraße (Eimsbüttel) aus, seitdem dort eine großflächige Baustelle eingerichtet wurde. Grund sind Sielbauarbeiten und die Einrichtung eines Kreisverkehrs. Die Straße ist in diesem Bereich gesperrt. Den Fahrradfahrern bleibt hier nichts anders übrig, als über die Bürgersteige zu fahren, auch wenn dort ohnehin schon wenig Platz ist – oft zum Ärger der Passanten.

Baustellenplanung in Hamburg: Wer ist zuständig?

Wer für die Baustellenplanungen im Einzelnen zuständig ist, ist nicht einheitlich geregelt. So ist mal der Bezirk, dann wieder die Verkehrsbehörde oder die Deges (Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH) zuständig. Grundsätzlich teilte die Hamburger Verkehrsbehörde mit: „Jede Baustelleneinrichtung muss verkehrssicher für alle Verkehrsarten sein und wird auch entsprechend mit anderen Akteuren, etwa der Polizei, abgestimmt. Das war auch früher schon so, und was die Radverkehrsführung in Baustellen angeht, haben wir bereits nach und nach versucht, bessere Lösungen zu finden und zu etablieren“, sagt ein Sprecher. „Wir wissen aber, dass es da in der Vergangenheit noch zu viele unbefriedigende Situationen gab. Deswegen haben wir ja mit dem Antrag zum Radentscheid in Hamburg noch mal konkrete Verbesserungen beschlossen, die auch sukzessive umgesetzt werden.“

So verweist die Behörde etwa auf temporäre Lösung, die der Bezirk Mitte jüngst am Sievekingdamm für seine Baustelle gefunden hat. Gemeint ist der sogenannte Pop-up-Fahrradweg, eine provisorische Fahrradspur auf der Hauptverkehrsstraße also. Die Behörde sagt aber auch: „Wir müssen trotz allem aber klarstellen, dass es nie eine Baustelle ohne Einschränkungen geben wird.“

CDU kritisiert: Verkehrsführung am Radfahrer vorbeigeplant

Kritik kommt von der CDU: „Die Koordination von Baustellen ist in Hamburg eine Geschichte voller Missverständnisse“, so der verkehrspolitische Sprecher Richard Seelmaecker. „Unter der rot-grünen Verkehrspolitik leiden jeden Tag Tausende Pendler, egal ob die zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem eigenen Auto in der ganzen Stadt unterwegs sind.“

Für Radfahrer würden größere Baustellen häufig, weite und unbequeme Umwege bedeuten, sofern überhaupt eine Umleitung für Radfahrer vorgesehen werde. „Es mag wenige Fälle geben, wo das nicht anders möglich ist, aber in der Regel sollte auch für Radfahrer eine direkte und gute Servicelösung gefunden werden, insbesondere wenn die Beschränkungen für mehrere Wochen oder Monate gelten“, so Seelmaecker weiter. Bezug nimmt er auf die Baumaßnahmen an der Stresemannstraße, Ecke Kieler Straße. Aus seiner Sicht wäre hier eine sichere Umleitung auf die Straße möglich gewesen. Die vorgesehene Verkehrsführung sei jedoch am Bedarf der Radfahrer vorbeigeplant und habe daher keine Akzeptanz bei den Hamburgern gefunden.

ADFC sieht in Hamburg auch Zeichen der Besserung

Zuständig für diese Baustelle an der Kieler Straße ist die Deges. Dort heißt es: „Ja, die Lage für Radfahrer ist aktuell nicht ideal, aber es war leider durch die einzurichtenden Baufelder nicht anders zu realisieren.“ Im Verlauf der Kieler Straße werde das Brückenbauwerk, welches die A 7 überquert, derzeit komplett saniert und brandschutzsicher gemacht. „Der Fuß-und-Rad-Weg ist auf das südliche Brückenbauwerk verlegt worden. Der dort vorgegebene Linksverkehr ist notwendig, um den Radverkehr an der Kreuzung Kieler Straße Ecke Sportplatzring wieder signalisiert auf den dortigen Radfahrstreifen in Fahrtrichtung führen zu können“, heißt es weiter.

Für den Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) ist bei dem Thema noch viel Luft nach oben: „Radfahrer werden bei der Baustellenplanung oft vergessen“, so Sprecher Dirk Lau. „Oft gibt es keine oder zumindest keine attraktiven Umleitungen für Radfahrer, wie etwa aktuell am Hohenzollernring in Altona. Das könnte ohne Probleme anders gelöst werden.“ Allerdings sieht Lau auch Zeichen der Besserung: „Zuletzt hat die Verkehrspolitik den Fokus wieder mehr auf Fahrradfahrer gelegt. Baustellen-Lösungen wie der jetzt installierte Pop-up-Fahrradweg am Sievekingdamm in Hamm sind vorbildlich.“

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg