Hamburg

Vergewaltigung? Berufungsprozess um Rapper FaMo gestartet

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Bettina Mittelacher
Rapper FaMo beim Berufungsprozess. Ihm wird Vergewaltigung und sexuelle Nötigung vorgeworfen.

Rapper FaMo beim Berufungsprozess. Ihm wird Vergewaltigung und sexuelle Nötigung vorgeworfen.

Foto: Bettina Mittelacher

Hamburger soll Ex-Freundin zum Sex gezwungen und 14-Jährige belästigt haben. An den Vorwürfen sei laut ihm „nichts dran“.

Hamburg. In seiner Musik geht es um Gewalt, um Kriminalität und um Sex. Damit hat sich Rapper FaMo in der Szene einen Namen gemacht. Hat der 28-Jährige nun im richtigen Leben Gewalt angewandt? Hat er Frauen zum Sex gezwungen, sie gedemütigt und missbraucht?

Rapper FaMo wegen Vergewaltigung vor Gericht

Das sind die Fragen, die seit Mittwoch in einer Berufungsverhandlung vor dem Landgericht geklärt werden sollen. Die Staatsanwaltschaft wirft FaMo, mit bürgerlichem Namen Farshad M., Vergewaltigung und sexuelle Nötigung vor.

Laut Anklage hat FaMo im September 2017 in seiner Wohnung seine ehemalige Lebensgefährtin, die bei ihm persönliche Sachen abholen wollte, von hinten ergriffen, auf das Bett geworfen und sie sexuell missbraucht. Anschließend habe er dem Opfer befohlen: „Weine leise!“

Hamburger Rapper: An den Vorwürfen sei „nichts dran“

Acht Monate später soll der 28-Jährige sexuelle Handlungen an einer damals 14-Jährigen vorgenommen haben. Die Schülerin hatte sich demnach für Gesangsaufnahmen an den Rapper gewandt und stand am Mikrophon, als dieser sie oberhalb der Kleidung an Gesäß und Brust berührte. Außerdem soll er ihr vulgären Worten gesagt haben, dass er Sex mit ihr haben wolle.

In lässiger Haltung steht FaMo, ein Mann mit Vollbart und Uppercut und in Lederjacke, vor Prozessbeginn vor dem Verhandlungssaal und sagt, er sei unschuldig. An den Vorwürfen sei „nichts dran“, erklärt er in die Kameras und Mikrophone.

Der Rapper zeigt auf seine Jacke. Laut Anklage solle er die junge Zeugin ja umarmt haben, sagt er. Dann müssten ja auch Spuren an seiner Oberbekleidung zu finden sein. Das sei aber nicht der Fall. Es gebe keine Beweise und keine DNA.

Amtsgericht kam zu dem Ergebnis: FaMo ist schuldig

In einem früheren Prozess vor rund einem Jahr war das Amtsgericht am Ende der Beweisaufnahme allerdings zu dem Ergebnis gekommen, dass FaMo schuldig sei. Es stufte die Aussage der Zeugin, die über mehrere Tage vernommen worden war, als glaubwürdiger ein als die Unschuldsbeteuerungen des Angeklagten.

Schließlich wurde der Rapper zu zwei Jahren und drei Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Dagegen legten sowohl der Angeklagte, der einen Freispruch anstrebt, Berufung ein als auch die Staatsanwaltschaft, die in der ersten Instanz drei Jahre Haft gefordert hatte.

Ex-Freundin sagt unter Ausschluss der Öffentlichkeit aus

Im aktuellen Prozess vor dem Landgericht äußert sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen. Und seine Ex-Freundin, das mutmaßliche Opfer, wird unter Ausschluss der Öffentlichkeit gehört. In der ersten Instanz hatte die junge Frau in ihrer Aussage dargelegt, dass sie dem Rapper einen Mercedes finanziert habe.

Um das schaffen zu können, habe sie in mehreren Jobs gearbeitet. Zudem habe sie nach der Vergewaltigung eine Abmachung mit FaMo getroffen, dass er sich ihr und ihrer Freundin nicht mehr nähern solle. Erst als er sich nicht an dieses Abkommen gehalten habe, habe sie den Missbrauch angezeigt. Für den Prozess vor dem Landgericht sind acht Verhandlungstage bis Ende August angesetzt.

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