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Corona: Darf der Hamburg-Marathon im September stattfinden?

| Lesedauer: 14 Minuten
Der Hamburg-Marathon im Jahr 2019 (Archivbild). Noch ist unklar, ob die Veranstaltung in diesem Jahr im Zuge der Corona-Pandemie stattfinden darf.

Der Hamburg-Marathon im Jahr 2019 (Archivbild). Noch ist unklar, ob die Veranstaltung in diesem Jahr im Zuge der Corona-Pandemie stattfinden darf.

Foto: Marcelo Hernandez

Karliczek dankt Forschern für Kampf gegen Corona. Umsatzrückgang: Krise trifft Bijou Brigitte schwer. Der Newsblog für den Norden.

Hamburg. Während Hamburg erneut nullt, ist in Schleswig-Holstein die Zahl der am Coronavirus Infizierten seit dem Vortag wieder stärker gestiegen und liegt erstmals seit Wochen im zweistelligen Bereich. In Hamburg gibt es derweil weniger Finanzspritzen für Start-ups, Experten sprechen von einem "Corona-Effekt bei den Risikokapitalinvestitionen".

Lesen Sie hier alle Nachrichten zu Corona am Dienstag, den 14. Juli:

Interaktiv – Deutschlands Urlaubsgebiete im Corona-Vergleich:

Corona-Krise trifft Bijou Brigitte schwer

Die Coronakrise hat das Modeschmuck-Unternehmen Bijou Brigitte schwer getroffen. Wie das Hamburger Unternehmen am Dienstag mitteilte, verzeichnete der Bijou-Brigitte-Konzern im ersten Halbjahr dieses Jahres nach vorläufigen Zahlen einen Umsatz in Höhe von 82,9 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es noch 149,3 Millionen Euro gewesen. Das entspricht einem Rückgang von 44,5 Prozent.

„Aufgrund der getroffenen Maßnahmen der Regierungen gegen die Ausbreitung des Coronavirus erleidet Bijou Brigitte seit Mitte März starke Umsatzrückgänge gegenüber dem Vorjahreszeitraum“, hieß es. Das Filialnetz habe sich im Vergleich zum Jahresende 2019 um 14 Filialen verkleinert. Der Konzern werde die Umsatz- und Ergebnisprognose für das Geschäftsjahr 2020 im September veröffentlichen.

Dehoga fordert weitere Lockerungen für die Gastronomie

Der Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in Schleswig-Holstein hat weitere Lockerungen für die Gastronomiebetriebe im Land gefordert. „Wir bräuchten mal wieder mutige Maßnahmen“, sagte der Hauptgeschäftsführer des Dehoga-Landesverbandes, Stefan Scholtis. Er erinnerte daran, dass einige Betriebe wie Diskotheken und Clubs im Norden noch gar nicht wieder öffnen dürften – und zumindest ihm auch kein Zeitraum bekannt sei, wann dies wieder geschehe. Es brauche „dringend“ eine Freigabe auch für Diskotheken und Clubs. Zudem müsse an den Abstandsregeln gearbeitet werden.

In den ersten zwei Wochen nach der Teilöffnung der Gastronomie am 18. Mai erzielten die Gastronomiebetriebe, die wieder öffnen durften, den Angaben zufolge nur zwischen 20 und 30 Prozent des Vor-Corona-Umsatzes. Mittlerweile würden Gastronomen „in erster Lage“, etwa in Strand- oder Küstennähe wieder bis zu 80 Prozent der alten Umsätze erzielen, sagte Scholtis. In zweiter und dritter Reihe lägen die Erlöse bei 30 bis 60 Prozent des Vorjahreswertes. Scholtis rechnet damit, dass eine ganze Reihe von Gastronomen im Herbst aufgeben müssten. Zuvor hatte das „Flensburger Tageblatt“ darüber berichtet.

Weiterhin unklar: Darf der Hamburg-Marathon stattfinden?

Die Austragung des Hamburg-Marathons am 13. September ist weiterhin ungewiss. Hamburg und München haben mit großem Aufwand Schutz-Konzepte vorgelegt, die beispielhaft sein können für einen Neuanfang des internationalen Laufsports. In Hamburg soll der Veranstalter jedoch nicht nur für die Teilnehmer, sondern offenbar auch für etwaige Zuschaueransammlungen außerhalb von Start- und Zielbereichen Konzepte umsetzen. Dies ist bei einer Streckenlänge von 42,195 Kilometern nicht zu leisten.

Deshalb haben die Organisatoren die Anmeldung zu Marathon und Halbmarathon vor zwei Wochen gestoppt. Eine Einigung mit der Stadt steht aus. Sollte es erneut zu einer Absage kommen, wird es den nächsten Marathon in der Hansestadt frühestens im nächsten Jahr geben können. Wegen der Corona-Pandemie war der erste Termin am 19. April abgesagt und auf den Herbst verschoben worden.

Corona: Beliebte Treffpunkte in Hamburg fast menschenleer:

„Die Hamburger haben ein sehr gutes Konzept erarbeitet“, sagte Manager Christoph Kopp, der für die Rennen in Frankfurt und Hannover das Elitefeld zusammenstellt und zudem etliche deutsche Topläufer betreut. „Die Stadt müsste jetzt ein Interesse zeigen, Verantwortung übernehmen und mit Zuschauer-Regeln sowie punktuellen Kontrollen die Rahmenbedingungen schaffen, damit etwas stattfinden kann.“

Karliczek dankt Forschern für Kampf gegen Corona

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) hat die Bedeutung der interdisziplinären Forschung bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie betont. Dabei leiste das Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf mit seinen Studien zu den Auswirkungen der Covid-19-Erkrankung und der Entwicklung eines Impfstoffes einen großen Beitrag, sagte sie am Dienstag bei einem Besuch des Klinikums. „Forschung ist im Kampf gegen das Corona-Virus ein wesentlicher Schlüssel.“ Deshalb sei sie den Forschenden „sehr dankbar für ihren Einsatz, mit dem sie Tag für Tag unter Hochdruck daran arbeiten, dass wir das Virus besser verstehen lernen“.

Mit „ ganz besonderer Aufmerksamkeit“ beobachte sie die Entwicklung eines Impfstoffes, sagte Karliczek. „Um in Deutschland und in der Welt wieder dauerhaft zu eine Form von Normalität zurückkehren zu können, ist ein Impfstoff ein ganz entscheidender Baustein.“

Corona-Neustart am Ohnsorg-Theater mit hochdeutscher Karaoke-Komödie

Nach fast vier Monaten Corona-Zwangspause wird auch am Hamburger Ohnsorg-Theater wieder gespielt. Am Donnerstag (16. Juli) feiert die Karaoke-Komödie „Tussipark“ Premiere - wie immer im Sommer auf Hochdeutsch. In dem Stück von Christian Köhn (Regie: Murat Yeginer, musikalische Leitung: Stefan Hiller) treffen vier sehr unterschiedliche Frauen im Parkhaus eines Shopping-Centers zusammen: Die gestresste Hausfrau und Mutter Grit (Julia Holmes), die frisch entlassene Verkäuferin Jennifer (Rabea Lübbe), die männerverschleißende Geschäftsfrau Pascaline (Caroline Kiesewetter) und Fast-Braut Wanda (Tanja Bahmani).

In dem Saal werden wegen der Abstandsregeln zunächst nur 123 Zuschauer passen. Sonst haben dort 410 Menschen Platz. Alle Stücke werden ohne Pause gespielt und auf den Laufwegen gilt Maskenpflicht, am Platz nicht. Die Abstandsregel sollen zudem „ästhetisch und künstlerisch“ in die Stücke eingebaut werden.

Wegen Corona: Kneipe Zur Ampel schließt früher als geplant

Eine Ära geht zu Ende: Nach 57 Jahren schließt die Kneipe Zur Ampel in Barmbek ihre Türen. 1963 an der Hellbrookstraße eröffnet, galt die Sportsbar für viele Hamburger als beliebter Treffpunkt. Eigentlich war die Schließlung erst für das Jahresende geplant, doch bedingt durch die Corona-Pandemie ist nun schon am 31. Juli Schluss, wie die Betreiber auf ihrer Internetseite mitteilen.

In einem emotionalen Post erklären sie, dass das Grundstück verkauft worden sei und dort nun Eigentumswohnungen entstehen sollen. Darüber hinaus nehmen sie Abschied und bedanken sich für die langjährige Treue ihrer Gäste.

Insel-App soll Besucher lenken – nicht nur in Corona-Zeiten

Für die Ostfriesischen Inseln wird eine Smartphone-App zur Steuerung des Besucheraufkommens in Restaurants, Museen, Schwimmbädern oder bei Konzerten entwickelt. Diese solle Touristen anzeigen, wie voll es aktuell wo sei, sagte der Geschäftsführer der Tourismusgesellschaft der sieben Inseln, Göran Sell. Für die Datenpflege seien die Anbieter zuständig.

Nicht nur Reservierungen sollen in der App direkt möglich sein, sie soll auch dabei helfen, mögliche Corona-Infektionsketten nachzuverfolgen, wie Sell am Dienstag auf Borkum erklärte. „Da sieht das System vor, dass Sie einmal auf dem Handy Ihre Daten hinterlegen können, und dann werden die, wenn Sie zum Beispiel beim Kurkonzert ankommen, über einen QR-Code ausgelesen.“

Die App wird nach Einschätzung der Entwickler voraussichtlich erst im September nutzbar sein. „Also leider nicht mehr in der Hauptsaison, aber dann für den Herbst. Wenn man sich jetzt die Diskussion um eine mögliche zweite Welle anhört, dann kommt sie definitiv auch aus Corona-Gesichtspunkten rechtzeitig“, sagte Sell. Die Technik sei aber nicht nur während der Pandemie hilfreich, sondern werde Touristen generell helfen, freie Plätze auf der jeweiligen Insel zu finden.

14 weitere Corona-Infektionen in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein hat sich die Zahl der offiziell erfassten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus zuletzt innerhalb eines Tages um 14 auf 3221 erhöht. Sieben Fälle davon wurden allein aus einer Familie im Kreis Segeberg gemeldet. Wie die Landesregierung auf ihrer Website unter Berufung auf das Robert-Koch-Institut mit Stand Montagabend weiter berichtete, blieb die Zahl der im Zusammenhang mit dem Virus Gestorbenen bei 154.

Rund 3000 der seit Beginn der Pandemie nachweislich mit dem Sars-CoV-2-Virus Infizierten gelten inzwischen als genesen. In Krankenhäusern wurden zuletzt zwei an Covid-19 Erkrankte behandelt. In den vergangenen Wochen waren in Schleswig-Holstein fast ausschließlich Neuinfektionen im einstelligen Bereich gemeldet worden, am Vortag hatte sich die Zahl der Infizierten lediglich um einen weiteren Fall erhöht.

Coronavirus: Hamburg nullt erneut

Anders sieht es In Hamburg aus: Hier ist erneut keine Neuinfektion mit dem neuartigen Coronavirus gemeldet worden. Damit ist seit Sonntag kein neuer Fall in der Hansestadt bestätigt worden. Wie die Sozialbehörde am Dienstag im Internet mitteilte, infizierten sich in den vergangenen sieben Tagen 12 Menschen.

Seit Ende Februar infizierten sich in Hamburg 5230 Menschen mit dem Sars-CoV-2-Virus. Rund 4900 sind nach Schätzung des Robert-Koch-Instituts (RKI) wieder genesen. Unverändert 231 Menschen starben an Covid-19, wie das Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Eppendorf ermittelte. Das RKI zählte abweichend davon 261 Todesfälle.

Damit werden derzeit 17 Corona-Infizierte aus der Stadt und dem Umland stationär in Hamburger Krankenhäusern behandelt, 7 davon auf der Intensivstation. Damit sind diese Zahlen seit Freitag leicht gestiegen. Zu dem Zeitpunkt lagen 15 Infizierte in den Krankenhäusern und 4 von ihnen mussten intensivmedizinisch behandelt werden.

Das Coronavirus in Deutschland und weltweit:

Deutlich weniger Geld für Start-ups in Hamburg

Die Zahl der Finanzspritzen für Start-ups in Deutschland ist gestiegen, die von Investoren dabei aufgewendete Summe jedoch gesunken. Zu diesen Ergebnissen kommt eine am Montag veröffentlichte Studie der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY). Während in Berlin und Bayern demnach mehr Finanzierungen als im Vorjahreszeitraum registriert wurden, war die Entwicklung an den anderen größeren Start-up-Standorten rückläufig. In Hamburg sank die Zahl der Transaktionen um 32 Prozent auf 17, die investierte Summe schrumpfte sogar um 68 Prozent auf 26 Millionen Euro.

Coronavirus – die Bilder zur Krise: