Stickstoffdioxid

Nabu warnt: Oft "grottenschlechte" Luft am Hamburger Hafen

| Lesedauer: 6 Minuten
Marc Hasse
Ein Containerschiff auf der Elbe vor Hamburg-Blankenese.

Ein Containerschiff auf der Elbe vor Hamburg-Blankenese.

Foto: Klaus Bodig

Messnetz zwischen Teufelsbrück und dem Grasbrookpark habe „punktuell gewaltige“ Belastungen mit Stickstoffdioxid registriert.

Hamburg. Nach Einschätzung des Hamburger Landesverbands des Naturschutzbunds (Nabu) können Menschen am nördlichen Hafenrand zwischen der HafenCity und Blankenese einer hohen Belastung durch gesundheitsschädliches Stickstoffdioxid (NO₂) ausgesetzt sein. Darauf deuteten seit April 2019 durchgeführte Messungen mit acht Sensoren des Hamburger Startups Breeze hin, erklärte Nabu-Bereichsleiter Malte Siegert am Dienstag.

Zwar sei der EU-Grenzwert von 40 Mikrogramm NO₂ pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel an keiner Station zwischen Teufelsbrück im Westen und dem Grasbrookpark in der östlichen Hafencity überschritten worden. Nur bei einer Überschreitung dieses Grenzwerts im Jahresmittel wäre eine Klage möglich. Allerdings hätten einige Messstationen innerhalb eines Jahres eine durchschnittliche Belastung registriert, die deutlich über dem von der Weltgesundheitsorganisation WHO empfohlenen Grenzwert von 20 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel gelegen habe, sagte Siegert.

Luft am Hafen viel schlechter als an Hauptverkehradern

Stickstoffdioxid ist ein Gas, das etwa in Verbrennungsmotoren entsteht. Es kann die Schleimhäute reizen, Entzündungen auslösen und dem Umweltbundesamt zufolge Atemwegs- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen begünstigen.

Da fast alle Nabu-Sensoren „in der ersten Reihe“ an der Elbe stünden, sei der Nabu sicher, dass die registrierten Luftschadstoffe überwiegend aus dem Hafen stammten, zumindest wenn der Wind aus dem Süden komme, sagte Projektleiter Sönke Diesener. Es bereite dem Nabu „große Sorge“, dass einige Sensoren mitunter Konzentrationen von mehr als 1000 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter gemessen hätten, die wenige Minuten lang auftraten. „Solche Werte kommen an Straßen fast nie zustande“, sagte Diesener. Dagegen könnten Schiffe, „die extrem große Motoren haben und sehr große Treibstoffmengen auf einmal verbrennen“, solche NO₂-Werte verursachen.

Hamburger Hafen – "Luftqualität ist oft grottenschlecht"

Dass der wohl insbesondere von Kreuzfahrt- und Containerschiffen verursachte Stickstoffdioxid-Ausstoß im Jahresmittel unterhalb des EU-Grenzwertes liege, sei „mitnichten ein Grund zur Beruhigung“, sagte Siegert. „Im Gegenteil, denn die Luftqualität ist oft grottenschlecht, die Belastungen sind punktuell gewaltig und in der Summe unserer Einschätzung nach gesundheitlich für die Anwohner und Anwohnerinnen besorgniserregend.“ Politik und Verwaltung verschließen nach Meinung des NABU „mit Rücksicht auf die Hafenwirtschaft weiterhin Augen und Nasen“.

Lesen Sie auch:

Einige Sensoren hätten Konzentrationen von mehr als 1000 Mikrogramm Stickstoffdioxid pro Kubikmeter gemessen, die wenige Minuten lang auftraten. An etlichen Tagen sei der EU-Grenzwert erheblich überschritten worden. Messungen des Nabu-Sensors am Pinnasberg hätten einen Jahresmittelwert von 29,73 Mikrogramm Stickstoffdioxid ergeben, der Nabu-Sensor am Olbersweg habe Konzentrationen erfasst, die im Jahresmittel 24,6 Mikrogramm ergeben.

Unklar, wie stark die Menschen in der Stadt belastet sind

Zwar lieferten die vom Nabu bei Privatleuten installierten Sensoren, die alle 30 Sekunden per WLAN Daten übermitteln, keine so genauen Messwerte wie die sehr viel teureren städtischen Messstationen, sagte Nabu-Projektleiter Sönke Diesener. Mindestens lasse sich aus den Messungen aber eine Tendenz ableiten.

Es sei immer noch unklar, wie viele Luftschadstoffe der Betrieb im Hafen durch Kreuzfahrt- und Containerschiffe, LKW-Umfuhren und die Hafenbahn verursache und wie stark die Menschen in der Stadt dadurch belastet seien. „Wir können mit unserem kleinen Messnetz hier punktuell eine Lücke schließen und zeigen, dass es erhebliche Belastungen und entsprechenden Handlungsbedarf gibt“, sagte Diesener.

Wissenswertes zum Hamburger Hafen:

  • Der Hamburger Hafen ist der größte Seehafen Deutschlands und der drittgrößte Europas
  • Der Hamburger Hafen wird von der Hamburg Port Authority (HPA) verwaltet
  • Im Hamburger Hafen werden 13 Hafenbecken und Kaianlagen für den Warenumschlag oder spezifische Zwecke genutzt
  • Der Hamburger Hafen hat rund 320 Liegeplätze für Seeschiffe an 43 Kilometer Kaimauer

Nabu fordert mehr Messstationen von der Stadt

Die Stadt müsse ihr eigenes Messnetz feinmaschiger gestalten und mehr Daten entlang der Elbe sammeln. Mögliche Maßnahmen aus dem Luftreinhalte- und Klimaplan müssten schneller als geplant durchgeführt werden. Schnell umsetzen lasse sich etwa eine Verringerung der Emissionen von Hafenschiffen durch sauberere Treibstoffe und eine technische Nachrüstung.​

Maßnahmen aus dem Luftreinhalte- und Klimaplan müssten schneller als geplant durchgeführt werden, fordert der Nabu. Und wenn die Stadt weiterhin Hafengeburtstage und Cruise Days feiern wolle, dann sollten doch möglichst umweltschonende Schiffe teilnehmen, die eine Vorbildfunktion erfüllten.

Umweltbehörde hält zwei "repräsentative Standorte" für ausreichend

Die Umweltbehörde hält die städtischen Messungen der Luftqualität im Hafen an den zwei „repräsentativen Standorten“ Altona-Elbhang und Hafen/Kleiner Grasbrook für ausreichend. Die Sensoren dort registrieren neben Stickstoffdioxid auch die Konzentrationen von Feinstaub, Schwefeldioxid und Stickstoffmonoxid. „An beiden Stationen sind alle Werte im grünen Bereich“, sagte Behördensprecher Jan Dube. Die amtlichen Messungen zeigten „im Kern nichts anderes als die ergänzenden Messungen des Nabu“, sagte Dube: „Im Hafen liegen die Stickstoffdioxid-Konzen­trationen dauerhaft unterhalb der Grenzwerte – sowohl im Jahresmittel als auch bei den Kurzzeitwerten.“

Mit dem „Kurzzeitwert“ meint die Behörde die EU-Vorgabe, wonach die NO₂-Konzentration im Stundenmittel höchsten 18-mal pro Jahr über 200 Mi­krogramm pro Kubikmeter liegen dürfe. Seit 2018 habe es an allen städtischen Messstationen keine einzige Überschreitung gegeben, sagt Dube.

Auch die Werte der Stadt zeigen erhöte NO2-Konzentrationen

Eine Auswertung der Behörde für die erste Hälfte des laufenden Jahres zeigt allerdings, dass die NO₂-Konzen­tration in der Luft im Monatsmittel keineswegs gering ausfällt: Im Januar lagen die Durchschnittswerte an den Stationen Altona-Elbhang und Hafen/Grasbrook über 30 Mikrogramm, bis Ende März jeweils über 20 Mikrogramm, also über dem von der WHO empfohlenen Grenzwert.

Bis Ende Juni lagen die Monatsmittelwerte für die NO₂-Konzentration an der Station Hafen/Grasbrook weiterhin über 20 Mikrogramm, während an der Station Altona-Elbhang ab April Monatsmittelwerte unterhalb von 20 Mikrogramm registriert wurden.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg