Erstaunliche Zahlen

Wie Corona das Leben in Hamburg verändert hat

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Andreas Dey
Speicherstadt und Elbphilharmonie in Hamburg: Der Tourismus in der Stadt ist wegen der Corona-Krise völlig eingebrochen.

Speicherstadt und Elbphilharmonie in Hamburg: Der Tourismus in der Stadt ist wegen der Corona-Krise völlig eingebrochen.

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Das Statistikamt belegt eine dramatische Entwicklung bei Arbeitslosigkeit, Tourismus und Handel – und einen positiven Effekt.

Hamburg.  Dass Corona unser Leben gehörig durcheinandergewirbelt hat, ist keine neue Erkenntnis. Nahezu jeder Bürger spürt die Auswirkungen der Pandemie am eigenen Leib oder in seinem Umfeld. Die Daten, die das Statistikamt Nord jetzt dazu zusammengetragen hat, beeindrucken dennoch – zeigen sie doch schwarz auf weiß, wie tief die Einschnitte in vielen Bereichen sind.

Stichwort Jobverlust: Seit Ausbruch des Virus in Hamburg ist die Arbeitslosigkeit massiv angestiegen. Waren im März noch 66.533 Hamburger ohne Job, waren es Ende Juni schon 87.775 – das waren gut 23.000 oder 35 Prozent mehr als im Juni des Vorjahres (64.691).

Stichwort Flugverkehr: Hier erlebte Hamburg den größten Einbruch. Hatte der Flughafen im April 2019 noch knapp 1,5 Millionen Passagiere gezählt, waren es ein Jahr später gerade mal 13.000 – ein Rückgang um 99 Prozent. Neuere Daten liegen den Statistikern noch nicht vor.

Corona: Im Tourismus brach das Geschäft völlig ein

Stichwort Tourismus: Nachdem die Stadt seit Jahren von einem Übernachtungsrekord zum nächsten geeilt war und auch im Januar (472.000 Gäste-Ankünfte) und Februar (561.000) Bestmarken für diese Monate erzielt hatte, brach das Geschäft danach völlig ein. Im März kamen zwar noch 215.000 Gäste an, aber im April waren es nur noch 21.000 – ein Rückgang gegenüber dem April 2019 um fast 97 Prozent.

Stichwort Außenhandel: Sowohl die Im- als auch die Exporte lagen 2020 in Hamburg bislang unter Vorjahresniveau. Während die Import-Umsätze allerdings nur um einige Hundert Millionen Euro im Monat zurückgingen, brach der Export um mehr als 50 Prozent ein: Wurden im April 2019 noch Waren im Wert von rund 4,5 Milliarden ins Ausland verkauft, waren es im April 2020 nur noch rund 2,0 Milliarden.

Positiver Corona-Effekt: Weniger Unfälle in Hamburg

Stichwort Kfz-Zulassungen: Wurden in den vergangenen Jahren stets zwischen 10.000 und 15.000 fabrikneue Kraftfahrzeuge pro Monat in Hamburg zugelassen, waren es im April nur 3908 - was natürlich auch positive Aspekte hat. Immerhin: Im Mai erhöhte sich die Zahl schon wieder auf 7993.

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Stichwort Unfälle: einer der wenigen erfreulichen Corona-Effekte. Gab es in den vergangenen Jahren im April stets 800 bis 900 Straßenverkehrsunfälle mit Personenschaden, waren es in diesem April nur 553.

Langfristige Folgen der Corona-Pandemie nicht abschätzbar

Die globale Ausbreitung des Sars-CoV-2-Virus und der dadurch verursachten Erkrankung Covid-19 treffen Gesellschaft und Wirtschaft auch in Hamburg und Schleswig-Holstein stark“, stellt das Statistikamt Nord in einer aktuellen Veröffentlichung fest und warnt: „Die langfristigen Folgen der Pandemie sind in Gänze noch nicht abschätzbar.“

Die Daten, die die Statistiker zum Thema Corona zusammengetragen haben, zeigen allerdings auch, wie unterschiedlich die Auswirkungen in Hamburg sind. So haben nicht nur der Flughafen und die Tourismuswirtschaft mit massiven Einbrüchen zu kämpfen, sondern auch die Zahl der Unfälle mit Personenschaden ist kräftig zurückgegangen – von 847 im April 2019 auf 553 in diesem April. Bereits im März, zu Beginn der Corona-Krise, hatte diese Zahl mit 506 deutlich unter dem Niveau des Vorjahres-Monats gelegen (653).

Positive Entwicklung im Wohnungsbau

Durchaus positiv war auch die Entwicklung beim Wohnungsbau: Im Februar, März und Mai wurden laut Statistikamt jeweils mehr Baugenehmigungen für neue Wohngebäude ausgestellt als in den Vorjahresmonaten. Auch kumuliert wurden in den ersten fünf Monaten mehr Baugenehmigungen erteilt als im Vorjahreszeitraum: 587 zu 501. Das sagt zwar noch nichts über die Zahl der Wohnungen in den Gebäuden aus. Doch das Ziel des Senats, auch weiterhin für 10.000 neue Wohnungen pro Jahr zu sorgen, scheint vorerst nicht gefährdet.

Uneinheitlich ist die Entwicklung bei Gewerbeanmeldungen und Insolvenzen: Die Zahl der Gewerbeanmeldungen schwankt in Hamburg normalerweise zwischen 1400 und 2000 im Monat. War sie im Januar (1524) und Februar (1836) noch im grünen Bereich, ging sie im März (1335) und vor allem April (1107) stark zurück – eine logische Folge des Lockdowns.

Überraschend ist dagegen, dass die Zahl der Unternehmensinsolvenzen davon unbeeindruckt blieb: Sowohl im März (49 zu 56) als auch im ­April (62 zu 86) lag sie deutlich unter dem Niveau des entsprechenden Vorjahresmonats. Auch die Zahl der Insolvenzen von Verbrauchern blieben im März (119 zu 139) und im April (61 zu 159) klar hinter den vergleichbaren Zahlen aus 2019 zurück.

Umsatz in Produktionsbetrieben sinkt um zwei Milliarden Euro

Eine klare Tendenz gibt es hingegen beim verarbeitenden Gewerbe: Der Umsatz in den Produktionsbetrieben ist von 6,3 Milliarden Euro im Januar auf 4,27 Milliarden im April gesunken. Gegenüber dem April 2019 (6,45 Milliarden) war das ein Rückgang von 33 Prozent.

Auch der Hafen spürt die Corona-Auswirkungen: Gab es in den vergangenen Jahren beim Umschlag von Seeverkehrsgütern stets von Januar bis März einen kräftigen Anstieg von zehn bis 20 Prozent, blieb der in diesem Jahr aus. Wurden im Januar knapp 10,8 Millionen Tonnen an Seegütern umgeschlagen – was schon ein relativ niedriger Wert war –, blieb diese Menge bis März nahezu unverändert.

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