Hamburg

Ein Hotel mit begehbaren Tresoren als Ankleidezimmer

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Ulrich Gaßdorf
Direktor Michael Lutz vor dem Kamin, der schon hier stand, als das Gebäude der Sitz der Reederei Hamburg Süd war.

Direktor Michael Lutz vor dem Kamin, der schon hier stand, als das Gebäude der Sitz der Reederei Hamburg Süd war.

Foto: Michael Rauhe

Wo einst große Reederei ihren Sitz hatte: Fleming’s Selection eröffnet im Herbst 2022 in historischen Häusern. Restaurant geplant.

Hamburg.  Die Adresse Holzbrücke 8 war einst der Sitz der Reederei Hamburg Süd. Zuletzt hatte hier der Zoll seine Büros. Bereits seit geraumer Zeit wird das schmucke Gebäude mit der weißen Fassade, das vor mehr als 120 Jahren errichtet wurde, entkernt. Denn hier und in den weiteren vier angrenzenden historischen Häusern, die sich entlang der Hausnummern 33 bis 36 an der Straße Cremon erstrecken, wird ein Fleming’s Selection Hotel eröffnen. 194 Zimmer und Junior-Suiten im Vier-Sterne-Superior-Segment sind geplant.

Die familiengeführte Kette mit Sitz in Frankfurt hat bereits 16 Häuser in Metropolen wie München, Wien oder Zürich. Die Familie hat in Hamburg die fünf Immobilien erworben, und noch gleicht alles einem Rohbau.

Fleming’s Selection Hotel: Gastronomie soll Hamburger anziehen

Beim exklusiven Baustellentermin mit dem Abendblatt führt Direktor Michael Lutz zunächst durch das Erdgeschoss der ehemaligen Hamburg-Süd-Zentrale. Der komplette Bodenaufbau wurde entfernt, dabei sind alte Gewölbedecken ans Tageslicht gekommen, Wände wurden herausgetrennt und Stützen eingebaut. An den mehr als 4,20 Meter hohen Decken sind Reste von prächtigem Stuck zu sehen. In einer Ecke steht die Tür eines imposanten Tresors offen. „Die Restaurierung erfolgt natürlich in enger Abstimmung mit dem Denkmalschutz und wir gehen sehr behutsam vor. Der Stuck wird wieder originalgetreu hergestellt, auch eingebaute Elemente wie dieser Tresor bleiben erhalten. Es sollen Wandvertäfelungen und Einbauten aus Mahagoni, die hier über Jahrzehnte hingen, wieder ihren angestammten Platz im Haus finden“, sagt Lutz.

Der Eingang liegt an der Holzbrücke, hier wird ein fließender Übergang vom Empfang über die Lobby mit Bar bis hin zur Bibliothek geschaffen. „Wir wollen ein Haus für die Hamburger und Gäste aus aller Welt sein. Hier sollen die Menschen zusammenkommen, auf einen Drink oder zum Mittag- und Abendessen“, sagt Lutz und führt weiter durch das Erdgeschoss. „Natürlich werden wir auch ein besonderes Restaurant mit einer kreativen Küche haben. Die Gäste dürfen sich auf ein spektakuläres Konzept freuen“, sagt der 42-Jährige. Dem Vernehmen nach sollen dort italienische Spezialitäten serviert werden.

Eigentlich sollte das Hotel im Frühjahr 2021 eröffnet werden. Aber bei solch einem komplexen Bauvorhaben in denkmalgeschützten Gebäuden tauchen immer wieder neue Herausforderungen auf. Zudem hat auch die Coronakrise zu Verzögerung geführt. Nun ist die Eröffnung für Herbst 2022 geplant.

Zahlreiche Zimmertypen

Inzwischen ist Lutz im Untergeschoss auf Höhe des Fleets angekommen. Hier fallen die alten Holzbalken ins Auge – auch die werden restauriert. Der Event- und Bankettbereich erstreckt sich über vier der fünf Gebäude. „Die Räume können miteinander verbunden werden, und insgesamt haben wir dann Platz für 250 Gäste. Ich sehe uns nicht als klassisches Tagungshotel, sondern vielmehr würde sich dieses besondere Ambiente mit dem Wasserblick für exklusive Meetings, Produktpräsentationen oder gesellschaftliche Events eignen, aber natürlich auch für Familienfeiern und Hochzeiten.“ Auf dem Wasser stehen zwei Pontons zur Verfügung.

Die 194 Zimmer werden ab 23 Qua­dratmeter groß sein, aber „natürlich wird es aufgrund der unterschiedlichen Gebäude zahlreiche Zimmertypen geben. Auch großzügige Junior-Suiten mit 50 Quadratmeter Fläche“, sagt Lutz. Eine davon wird das „Kapitänszimmer“ in der ersten Etage sein. Wer sich hier einbucht, der hat auch einen Platz an dem imposanten, aus grünem Marmor gefertigten Kamin sicher, an dem sich wohl einst die Chefs von Hamburg Süd mit guten Kunden niederließen. Auch die begehbaren Tresore in dem Gebäude sollen eine neue Funktion als Ankleide- oder Badezimmer bekommen.

Zeitlos modernes Ambiente

Für das Innendesign des Hauses zeichnen Peter Joenk und sein Team von Joi-Design verantwortlich. Was erwartet die Gäste im Fleming’s? „Wir setzen auf ein zeitlos modernes Ambiente mit hochwertigen Möbeln. Das Thema Wasser wird bei der Einrichtung auch sicherlich eine Rolle spielen“, sagt Lutz. Die Gebäude am Cremon seien bereits rund 250 Jahre alt, weiß Lutz zu berichten und hätten einst als Speicher und später als Büros und Restaurants gedient.

Jetzt steht der Direktor in der fünften Etage in einem riesigen Raum, dort sind noch die Speicherluken mit Klapptüren erhalten. „Hier werden wir unseren Wellnessbereich mit Sauna und Fitnessgeräten einrichten.“ Zum Abschluss geht es in die oberste Etage der ehemaligen Hamburg-Süd-Zentrale. Das Eckzimmer dürfte besonders beliebt sein, denn es verfügt über eine kleine Dachterrasse. Der Blick fällt auf die Elbphilharmonie, die Hafenkräne, das Mahnmal St. Nikolai und das Rathaus. Auch hier oben wird gearbeitet. Zwei Handwerker sind gerade damit beschäftigt, das Kupferdach zu erneuern. Es ist kein Geheimnis, dass die Konkurrenz in der Hotellerie sehr groß ist. Warum also noch ein weiteres Projekt? Direktor Lutz ist zuversichtlich. „Wir werden hier das Flag-ship-Haus unserer Gruppe schaffen. Wir haben einen 1-A-Standort in historischer Umgebung. Die Gäste erleben hier eine einzigartige Architektur und ein individuelles Hotelkonzept.“

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