Hamburg

Polizei veröffentlicht Dankeskarte und erntet Shitstorm

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Mit einem Tweet erntete die Hamburger Polizei zahlreiche Anfeindungen bei Twitter.

Mit einem Tweet erntete die Hamburger Polizei zahlreiche Anfeindungen bei Twitter.

Foto: imago images / Sven Simon

Viele sehen die Postkarte eines Schülers als Fake. Einige sprechen sogar von einer PR-Aktion der Polizei. Das sind die Gründe.

Hamburg. Das war wohl nicht die Reaktion, mit der die Polizei Hamburg gerechnet hat. Die Beamten veröffentlichten am Mittwoch via Twitter eine Postkarte, die ein Schüler namens Ben an die Polizei geschickt haben soll. Darin bedankt sich der Verfasser bei den Beamten dafür, dass sie trotz der heiklen Situation für Ordnung sorgen. Dabei erwähnt Ben die derzeitige Situation in den USA.

Grund für die Postkarte sei, dass seine Deutschlehrerin seine Klasse aufgefordert habe, an diejenigen eine Karte zu schreiben, die derzeit eine wichtige Arbeit leisten. Da sei dem Schüler sofort die Polizei in Gedanken gekommen, da er selbst Polizist werden wolle.

Bei Twitter bricht ein Shitstorm aus

Die Polizei kommentiert das Bild von der Karte mit den Worten: "DANKE, BEN! Deine Postkarte ist angekommen! Inhaltlich auf jeden Fall eine 1! Herzliche Grüße an dich zurück!" Doch anstatt weiteren Applaus und Zustimmung in den sozialen Medien zu erhalten, bricht ein regelrechter Shitstorm aus.

Fake, unglaubwürdig und peinlich heißt es im Großteil der Kommentarte unter der Twitter-Meldung der Hamburger Polizei. Mit geradezu detektivischem Scharfsinn untersuchen die Lesen die Postkarte des Schülers. Ein Indiz für die Fälschung ist dabei schnell ausgemacht: Es fehlt die Briefmarke. Die Polizei stellt an dieser Stelle klar, dass die Karte per Briefumschlag bei der Polizei angekommen war.

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Regelrecht kriminaltechnisch wird die Schrift untersucht

Doch die Twittergemeinde sieht noch mehr Ungereimtheiten. Quasi kriminaltechnisch wird die Schrift untersucht, bei der einige zu dem Ergebnis kommen, dass sie nicht von einem Schüler stammen könne – eher von einer Frau. Auch die Formulierungen passten nicht zu einem Schüler. So würde beispielsweise ein Kind nicht mit "LG" unterschreiben. Verdächtig sei auch, dass der Name Ben leicht versetzt unter dem LG steht.

Andere meinen ferner erkannt zu haben, dass Rechtschreibfehler bewusst eingestreut wurden. Das Motiv ist auch schnell ermittelt: Einige erkennen nämlich eine PR-Aktion der Polizei.

Die Polizei kritisiert die Reaktionen. In einem weiteren Kommentar heißt es: "Wir finden es besorgniserregend, dass ein anerkennender, authentischer Brief eines Jugendlichen an die Polizei hier dazu führt, dass er (und die Polizei) derart angefeindet werden."

Saša Stanišić parodiert den Tweet der Polizei

Neben den Anfeindungen parodieren einige User auf Twitter die Postkarte. Der wohl prominenteste ist Saša Stanišić. Der Schriftsteller teilt das Foto einer Dankespostkarte, die an die Rosenkohl-Gemeinde gerichtet und mit Ben unterschrieben ist.

Doch neben den Parodien und negativen Kommentaren gibt es vereinzelt auch positive Reaktionen. Ein User schreibt: "Schade, dass man sich nicht einfach mal für die Polizei und die Wertschätzung für deren wirklich nicht immer einfache Arbeit freuen kann und immer nur gemotzt werden muss bzw. plötzlich Themen eine Rolle spielen, die gar nichts mit dem eigentlich Tweet zu tun haben."

( dob )

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