Bezirk Wandsbek

Wie ein Verein seinen Kunstrasenplatz erkämpft hat

Geschäftsführer Wolfgang Haumüller freut sich über den neuen Kunstrasenplatz des SC Poppenbüttel.

Geschäftsführer Wolfgang Haumüller freut sich über den neuen Kunstrasenplatz des SC Poppenbüttel.

Foto: Andreas Laible / Funke Foto Services

Der SC Poppenbüttel hat einen neuen Sportplatz, den es eigentlich nicht geben sollte. Chronik eines Tauziehens um Geld.

Hamburg. Geschichten über Behörden und Beamte, die zu langsam und behäbig arbeiten, und über Bezirkspolitiker, die sowieso nichts bewirken können, hört man immer mal wieder. Doch es geht auch anders, wie die Geschichte eines Kunstrasenplatzes für den SC Poppenbüttel beweist. Sie zeigt exemplarisch, wie man Geld selbst für große Projekte zusammenbekommen kann – wenn man als Verein nicht nachlässt und die richtigen Verbündeten findet.

Aber der Reihe nach: Jahrelang hatte der Verein um Geschäftsführer Wolfgang Haumüller um eine neue, moderne Sportanlage gekämpft. Und schien damit zunächst zu scheitern. Der Bezirk Wandsbek, zu dem Poppenbüttel gehört, wollte den Club bei seinen Umbauplänen ursprünglich erst im Jahr 2023 unterstützen. Viel zu spät, wie Haumüller und seine Kollegen fanden (das Abendblatt berichtete).

SC Poppenbüttel hat für einen Sportplatz gekämpft

Zwischenzeitlich verlor der SC Poppenbüttel mehr als 100 Mitglieder in seiner Fußballsparte – und das nur, weil der Sportplatz, auf dem sie spielen mussten, so veraltet war. „Die Jugendlichen hatten zu Recht keine Lust mehr, nur auf Grand zu trainieren“, so Haumüller. Also schlug der SC Poppenbüttel Ende 2018 Alarm. Und besuchte mit rund 100 Mitgliedern eine Sitzung der Bezirksversammlung.

Das Engagement der Sportler zeigte Wirkung. Zumindest begannen wenig später Planungen, die eine frühere Realisierung des neuen Kunstrasens vorsahen. „Wir hatten den SC Poppenbüttel mit seinen Problemen immer im Blick“, sagt Cem Berk, der stellvertretende Fraktionsvorsitzender der SPD-Fraktion im Bezirk Wandsbek und Fachsprecher für Haushalt und Sport. „Allerdings konnten wir lange Zeit einfach nicht genug Geld aufbringen.“

Jedes Jahr stünden Mittel für genau einen neuen Kunstrasenplatz im Bezirk zur Verfügung. Also habe man im Jahr 2012 alle Sportanlagen begutachtet und den sogenannten Pflegezustandsbericht angefertigt, in dem der Zustand der Plätze festgehalten wurde. 2017 sei diese Liste noch einmal aktualisiert worden. „Und danach wäre der SC Poppenbüttel erst im Jahr 2023 dran gewesen. Denn dessen Plätze galten lange Zeit als verhältnismäßig gut in Schuss.“

Bezirk Wandsbek stellt Gelder für Umbau der Sportanlagen bereit

Doch immer wieder sei es der Bezirksversammlung gelungen, weitere Gelder für den Umbau der Sportanlagen in Wandsbek bereitzustellen. So schließlich auch beim SC Poppenbüttel. „Wir waren uns in der Bezirksversammlung einig, dass der im Alstertal stark verankerte SC Poppenbüttel einen neuen Platz brauchte, um seine Mitglieder halten zu können.“

300.000 Euro kamen so Ende 2018 zusammen. Aus dem Projekt Masterplan Active City wurden weitere 400.000 Euro beantragt – und auch bewilligt. Der Verein investierte selbst zusätzlich 150.000 Euro für eine neue Flutlichtanlage und die Sanierung eines kleineren Nebenplatzes.

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Bis zum Sommer vergangenen Jahres wurde geplant. Nach den großen Ferien begannen dann die Bauarbeiten. „Es ist unglaublich gewesen, wie sehr uns dabei schließlich von allen Seiten geholfen wurde“, sagt Haumüller heute und klingt, auch nicht selbstverständlich, begeistert, wenn er über Behörden und Politik spricht.

SC Poppenbüttel erfährt in Corona-Krise Solidarität

Da gebe es zum einen die Bezirksversammlung, die es schnell geschafft habe, doch noch Gelder zur Verfügung zu stellen. „Unser besonderer Dank richtet sich an Cem Berk, der uns immer mit Rat und Tat zur Seite stand.“ Aber dankbar sind die Sportler vor allem den Männern und Frauen, die bei den Planungen mit großem Engagement geholfen hätten.

„Der Leiter des Fachamtes Bezirklicher Sportstättenbau, Torge Hauschild, hat dabei einfach alles übertroffen, was man sich nur vorstellen kann“, sagt Haumüller. Selten habe er einen derart engagierten Menschen erlebt. „Ohne ihn könnten unsere Mitglieder sicherlich nicht schon jetzt auf dem neuen Rasen spielen.“

Die Bedeutung des Kunstrasenplatzes sei durch die besonderen Auflagen in der Corona-Pandemie sogar noch einmal gewachsen, berichtet Haumüller. Es gebe für alle Vereinsmitglieder derzeit spezielle Trainingspläne, damit möglichst viele die einzelnen Plätze nutzen können. Alle Mitarbeiter hätten dabei mitgewirkt, dass das ausgeklügelte System auch funktioniere.

Corona-Pandemie hat Vereinsmitglieder zusammengeschweißt

Und nicht nur das, Haumüller ist insgesamt begeistert von der Hilfsbereitschaft der Mitglieder. „Wir haben gerade in den vergangenen Wochen eine unglaubliche Solidarität erfahren“, sagt der Geschäftsführer. Gemeinsam habe man beispielsweise einen Hilfsfonds gegründet, der Mitglieder unterstützt, die die Beiträge nicht mehr zahlen können.

„Die Unterstützung war einfach großartig. Diese Wochen haben alle Mitglieder noch einmal zusammengeschweißt.“ Haumüller ist sich sicher, auch nach der Corona-Pandemie wird der Zusammenhalt ein anderer sein. „Wir sind eben ein ganz besonderer Verein“, sagt er. Der jetzt auch einen ganz besonderen Sportplatz hat.