Hamburg

Auf Foto-Safari in der Großstadt

Der Naturfotograf Marco Nagel sitzt mit seiner Kamera an der Aussenalster in Hamburg.

Der Naturfotograf Marco Nagel sitzt mit seiner Kamera an der Aussenalster in Hamburg.

Foto: Roland Magunia / Roland Magunia/Funke Foto Services

Waschbär im Garten, Vogelnest im Hafen? Für ein Naturfoto-Festival bitten vier Fotografen die Abendblatt-Leser um wertvolle Tipps.

Hamburg.  Es ist schwieriger, ein Blaukehlchen zu fotografieren als einen Löwen. Das hat der Hamburger Naturfotograf Marco Nagel, der oft im Süden Afrikas auf Foto-Safari ist, schnell festgestellt. „In Afrika sitze ich in einem Auto, das die Tiere nicht als Gefahr ansehen. Außerdem haben sie einen geringer ausgeprägten Fluchtinstinkt“, sagt Nagel. „Wenn ich mich aber hier einem wildlebenden Tier nähere, reicht eine schnelle Bewegung und es ist weg.“

Sind die Tiere selten, ist es noch schwieriger, sie vor die Kamera zu kriegen. So hat Nagel, um ein Blaukehlchen an einer Autobahn fotografieren zu können, sehr lange im Auto auf einer Wiese gewartet.

Foto-Safari in Großstadt schwieriger als in Savanne

Das Bild mit dem Blaukehlchen, das bei uns nur in den Sommermonaten anzutreffen ist, ist im Rahmen des Fotoprojekts „Wildes Hamburg“ entstanden. Es soll auf dem internationalen Naturfoto-Festival gezeigt werden, das Nagel und seine Hamburger Kollegen Stephan Tuengler, Oliver Ulmer und Christian Jakimowitsch im April 2022 in ihrer Heimatstadt veranstalten möchten.

Die Idee, wilde Tiere mal nicht in der Wildnis zu fotografieren, hatten die Freunde schon früher. Dass sie diese jetzt realisieren, liegt an Hamburg Marketing. Sie hatten sich auf der Suche nach Sponsoren an das Unternehmen gewandt. „Dort fand man unser Vorhaben toll, legte aber wert auf einen Hamburg-Bezug“, so Nagel. Und so sind die vier Naturfotografen, die zum Teil seit mehr als 20 Jahren weltweit unterwegs sind, seit einigen Monaten in Hamburg auf der Pirsch.

Zwei Wochen Geduld für ein Bild von Waldmäusen

Auf der Website www.wildes-hamburg.de zeigen sie eine ständig wachsende Galerie ihrer künstlerischen Fotos. Da sieht man einen Turmfalken, der einen Schlupfwinkel in einer maroden Hafenmauer entdeckt hat. Sturmmöwen, die am Hafenrand auf Taurollen oder zwischen hölzernen Dalben nisten. Einen röhrenden Duvenstedter Rothirsch, umgeben von Nebelschwaden.

Einen Austernfischer, der seine Nahrung mittlerweile nicht nur an der Nordsee, sondern auch auf Hamburgs Sportplätzen sucht. Zutrauliche Waldmäuse im Amsinck­park, die den Fotografen bis auf 20 Zentimeter an sich heranließen. Einen Uhu, den man in Hamburg mittlerweile sogar im Hafen findet. Oder den einzigen dauerhaft in Hamburg lebenden Biber, der am Elbufer im Hamburger Osten haust.

Neben jedem Foto stehen Informationen zu den Tieren, manchmal auch, wo die Aufnahme gemacht wurde. Das wird aber zum Schutz der Tiere nicht immer bekannt gegeben. „Wir haben ihnen gegenüber eine Verantwortung“, so Nagel. Würden sie sich erschrecken und weglaufen oder wegfliegen, blieben möglicherweise die Jungen oder das Gelege ungeschützt und wären damit in Gefahr.

Gesucht: Besondere Bilder mit besonderer Geschichte

Naturfotografen brauchen vor allem eins: Zeit und Geduld. Um etwa die Waldmäuse aus dem Amsinckpark an sich zu gewöhnen und sie dicht vor die Kamera zu kriegen, hat Marco Nagel zwei Wochen in ihrer Nähe verbracht. Bei den Haubentauchern an der Alster würde man auf Zutraulichkeit wohl vergeblich warten. Um dennoch schöne Aufnahmen von den scheuen Vögeln machen zu können, verstecken sich die Fotografen dann in Wathosen, bisweilen in einem Tarnzelt, das auf dem Wasser schwimmt.

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Zu vermuten, dass sie auf der Suche nach wilden Tieren den ganzen Tag durch Hamburg streifen, ist ein Trugschluss: Da man von Naturfotografie allein nur in den seltensten Fällen leben kann, haben die vier Fotografen alle einen Hauptjob. Nagel (49) ist Lehrer an einer Stadtteilschule, Tuengler (54) Reiseveranstalter, Ulmer (52) arbeitet bei einer Consultingfirma und Jakimowitsch (46) in der Werbung. Für ihre Fotos sind sie daher auf Hinweise angewiesen, die oft von Ornithologen oder Tierschützern stammen. Auf den Biber sind sie durch einen Fernsehbericht aufmerksam geworden, berichten sie.

Auch von den Abendblatt-Lesern erhoffen sich die Festival-Planer wertvolle Tipps. „Dabei geht es nicht einfach um den Fuchs im Wald, sondern um besondere Bilder mit einer besonderen Geschichte: den Waschbären im Vorgarten, den Vogel, der im Blumenkasten brütet oder den Marder auf der Reeperbahn“, erläutert Nagel. Wer ausgefallene Orte kennt, an denen Stadt und Natur auf­einandertreffen, kann sich an dem Fotoprojekt beteiligen. Entsprechende Hinweise findet man auf der Website hinter dem Button „Jetzt mitmachen“ und dem Reiter „Info“.