Uni Hamburg

Große Pläne für Hamburgs Friedensforschung

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Marc Hasse
Die Leiterin des Instituts für  Friedens- und Sicherheitsforschung, Prof. Ursula Schröder.

Die Leiterin des Instituts für Friedens- und Sicherheitsforschung, Prof. Ursula Schröder.

Foto: Michael Rauhe

SPD und Grüne wollen das renommierte Institut in die Leibniz-Gemeinschaft überführen – und so seine Bedeutung stärken.

Hamburg. „Von Hamburg aus die Welt im Blick“ – so lautet das Motto des Instituts für Friedensforschung und Sicherheitspolitik an der Uni Hamburg (IFSH). Langeweile kann mit solchen Ambitionen nicht aufkommen bei den etwa 50 Wissenschaftlern der Einrichtung in Eimsbüttel. Auf ihrer umfangreichen Forschungsagenda steht nun auch noch die Corona-Pandemie, deren Folgen gerade in fragilen Weltregionen für neue Konflikte sorgen könnten.

Corona verschärft die Krise des Multilateralismus, der regelbasierten Zusammenarbeit von Staaten. Darauf richten die Hamburger Forscher schon länger ihren Blick. „Kooperationen haben es international schwer“, sagt Prof. Ursula Schröder, wissenschaftliche Direktorin des IFSH. „In Zeiten zunehmender Verwerfungen und Verunsicherung wollen wir Orientierung bieten und Empfehlungen geben, wie sich Frieden sichern und erhalten lässt“, erklärt die Politologin.

Als jüngsten Beitrag stellte das IFSH vor Kurzem mit drei weiteren Instituten in Berlin das Friedensgutachten 2020 vor. Das 160 Seiten starke Werk richtet sich vor allem an die Bundesregierung und den Bundestag.

Rot-Grün will das IFSH „mittelfristig“ zu einem Leibniz-Institut machen

So umtriebig die Hamburger Forscher als Ratgeber der Politik sind – sie könnten ihr Potenzial noch besser ausschöpfen, urteilte der Wissenschaftsrat in einem 2019 veröffentlichten Gutachten und richtete eine Empfehlung an den Bund: Da dieser „in erheblichem Umfang“ die Expertise des hauptsächlich landesfinanzierten IFSH in Anspruch nehme, sollte der Bund „verschiedene Formen einer nachhaltigeren Beteiligung an der Finanzierung prüfen“.

Diese Empfehlung greifen Hamburgs SPD und Grüne nun in ihrem neuen Koalitionsvertrag auf: Hamburg solle „zu einem nationalen Zentrum der Friedens- und Sicherheitsforschung ausgebaut werden“, heißt es in den Vereinbarungen der beiden Regierungspartner. Um diese Aufwertung zu erreichen, will Rot-Grün das IFSH „mittelfristig“ zu einem Leibniz-Institut machen. Eine Aufnahme in die Leibniz-Gemeinschaft des Bundes und der Länder hatte Hamburg 2019 für das Hans-Bredow-Institut für Medienforschung erreicht. Eine weitere Überführung in den Club könnte mit dem Centrum für Naturkunde der Uni Hamburg gelingen – die Entscheidung darüber soll am 26. Juni fallen.

Stärkere Vernetzung mit Stadtgesellschaft

Die wohl wichtigsten Vorteile einer Mitgliedschaft: Die Leibniz-Institute werden überwiegend zur Hälfte vom Bund finanziert; sie können im Vergleich zu hauptsächlich landesfinanzierten Forschungseinrichtungen über längere Zeiträume planen und zusätzliches Geld für Ausbaumaßnahmen erhalten.

Dass Hamburg zu einem nationalen Schwerpunkt der Friedens- und Sicherheitsforschung werden soll, bezieht sich allerdings nicht allein auf das IFSH. Vielmehr sollen sämtliche Forschungseinrichtungen in der Hansestadt stärker kooperieren, die politische, wirtschaftliche und soziale Konflikte erforschen. Zu diesem Kreis zählen das German Institute for Global and Area Studies, die Helmut-Schmidt-Universität und das Hamburger Institut für Sozialforschung. „Hamburg ist in der Friedens- und Sicherheitsforschung einzigartig gut aufgestellt – mit diesem Pfund müssen wir stärker wuchern“, sagt Ursula Schröder.

Das IFSH, das 2021 das Jubiläum seines 50-jährigen Bestehens in Hamburg und Berlin feiern will, werde sich in Hamburg künftig auch stärker mit der Stadtgesellschaft vernetzen und etwa Museen, Vereine und Behörden in Forschungsprojekte einbinden. „Doing ­Peace!“ – Frieden machen – nennt das Institut dieses Vorhaben.

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