Hamburg

Afghanin nach Flucht: „Dieses Land hat uns Schutz geboten“

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Nilab Langar
Nilab Langar  ist Journalistin  bei Amal.

Nilab Langar ist Journalistin bei Amal.

Foto: Jann Wilken

Weltflüchtlingstag am 20. Juni – Farsane fand mit ihrer Familie in Hamburg nach einer strapaziösen Flucht ein neues Zuhause.

Hamburg.  Farsane, 29, ist einer von 79,5 Millionen Menschen weltweit, die auf der Flucht vor Krieg und Gewalt ihre Heimat verlassen mussten. Heute lebt sie in Hamburg. „Für Leute wie uns, die im eigenen Land ein vergleichsweise gutes Leben hatten, war es nicht leicht, durch die Flucht alles hinter sich zu lassen und dann eines Morgens im Flüchtlingsheim aufzuwachen. Wir hätten uns nie träumen lassen, viele Tage und Nächte in einer riesigen Halle zu leben und uns mit 40 Menschen aus unterschiedlichen Kulturen und mit unterschiedlichen Gewohnheiten das Bad zu teilen. Unter anderen Umständen wäre es für uns auch unvorstellbar gewesen, uns wie im Gefängnis an Essens- und Schlafenszeiten zu halten. Das alles ist uns sehr schwergefallen.“

Farsane lebt mit ihrem Mann und ihrem Kind in Deutschland. Die drei haben viele Hürden und Gefahren überwunden, um in einer Ecke der Welt sichere Zuflucht zu haben. Die politischen Entwicklungen in Afghanistan und die schwierige Sicherheitslage führten 2014 zu einer Krise in Farsanes Heimat. Die Wirtschaft lag darnieder, immer wieder gab es Terroranschläge.

In der Folge kürzten die Geberländer ihre Hilfsmittel für das Land, und viele nationale und internationale Organisationen stellten ihre Projekte ein. „Vielleicht hätten wir die wirtschaftlichen Probleme noch gestemmt“, sagt Farsane. „Wir waren stark genug, um schwer zu arbeiten – wenn wir dafür hätten in unserem Land bleiben können. Aber die Angst vor Krieg und Tod hat uns den Atem geraubt. Es gab keine Hoffnung. Wir mussten unser Land verlassen, um zu überleben.“

79,5 Millionen Menschen sind auf der Flucht

Nach Angaben des Flüchtlingshilfswerks UNHCR sind 79,5 Millionen Menschen auf der Flucht – mehr als ein Prozent der Weltbevölkerung und mehr als während des Zweiten Weltkriegs. „Aus Angst vor dem Tod haben wir uns auf einen Weg gemacht, dessen Ende wir nicht absehen konnten. Unser Kind war damals ein Jahr alt. Wir hatten es mit einem Tuch auf den Rücken meines Mannes gebunden. So wanderten wir 18 Stunden durchs Gebirge und über die Grenze. Mit 50 anderen Menschen stiegen wir in ein Schlauchboot.

Wir erreichten das andere Ufer. Die Angst auf der Überfahrt werden wir nie vergessen. Danach ging es tagelang zu Fuß weiter“, sagt Farsane. Zurzeit leben 285 Millionen Menschen weltweit in einem anderen Land als dem, in dem sie geboren worden sind. Farsanes Geschichte ist eine Erfolgsgeschichte: Sie hat jetzt eine Aufenthaltsgenehmigung für drei Jahre und arbeitet für eine Organisation, die Mi­granten unterstützt.

Die Autorin ist Redakteurin bei Amal. Die Nachrichtenplattform ist ein Projekt der Evangelischen Journalistenschule und wird finanziert durch Körber-Stiftung, Evangelische Kirche in Deutschland, Schöpflin Stiftung und Stiftung Mercator.

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