Wasserschutzeinheit

Die Hamburger Hafenpolizei hat einen neuen Käpt’n

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Andrè Zand-Vakili
Olaf Frankowski, neuer Leiter der Wasserschutzpolizei  (l.), und sein Vorgänger Karsten Witt, der pensioniert wurde.

Olaf Frankowski, neuer Leiter der Wasserschutzpolizei (l.), und sein Vorgänger Karsten Witt, der pensioniert wurde.

Foto: André Zand-Vakili

Olaf Frankowski übernimmt die Wasserschutzeinheit. Er kämpft mit Personalsorgen – und hohen Anforderungen.

Hamburg. Ein vertrautes Gesicht soll die Beamten in die Zukunft führen: Mit Olaf Frankowski hat die Hamburger Wasserschutzpolizei erstmals seit neun Jahren wieder einen Chef aus den eigenen Reihen. Vor dem 57-Jährigen hatten Schutzpolizist Karsten Witt und davor der Kriminalist Frank-Martin Heise die kleinste Einheit der Hamburger Polizei und gleichzeitig größte Wasserschutzpolizei Deutschlands geführt. Der Wechsel fällt in anspruchsvolle Zeiten für die Wasserschutzpolizei. Corona hat den Hafen verändert. Personalsorgen müssen gelöst, neue Boote angeschafft werden. Und auch die fachlichen Anforderungen werden immer größer.

In der Praxis ist die Wasserschutzpolizei nicht so schlagkräftig wie auf dem Papier. Rund 50 der gut 500 Stellen sind nicht besetzt. Vor allem hohe Einstellungshürden und deutlich besser zahlende Konkurrenz haben viele potenzielle Bewerber zurückschrecken lassen. „Wir sind auf einem guten Weg. Im letzten Jahr haben wir die Einstellungen für die Bewerber bei der Wasserschutzpolizei verändert. Bis dahin musste man aus der Seefahrt oder einem der Seefahrt nahen Beruf kommen“, sagte Olaf Frankowski dem Abendblatt.

Drei neue Hybridboote sollen angeschafft werden

Jetzt kann jeder Polizist nach seiner dreijährigen Ausbildung zur Wasserschutzpolizei gehen. Dann erfährt er dort eine 16-monatige Zusatzqualifikation im Aus- und Fortbildungszug. Zusätzlich sollen mehr Bewerber eingestellt werden. „Wir haben genügend geeignete Bewerber für die Hamburger Polizei. Das bedeutet aber, dass wir die Leute für uns begeistern müssen“, sagt Frankowski. Das Einstellungsgehalt für Quereinsteiger, die mit entsprechendem Patent aus der Seefahrt kommen, ist bereits erhöht worden. Sie steigen jetzt gleich als Oberkommissar bei der Wasserschutzpolizei ein.

Mit den Neuanstellungen sei auch ein demografischer Wandel innerhalb der Wasserschutzpolizei verbunden. „Das verändert uns“, sagt Frankowski. „Die jüngeren Kollegen kommen auf Gedanken, die man gar nicht hatte, und sie bringen Schwung rein. Ihnen fehlt natürlich die Erfahrung. Aber sie bringen auch eine andere Sozialisierung mit.“ Die Wasserschutzpolizei sei eine Einheit, in der bislang vor allem Menschen ab 30 Jahren arbeiten. „Ich persönlich glaube, dass man die Jüngeren dringend braucht. Das gilt auch für Führungskräfte“, so Frankowski.

Auch hier seien die Weichen gestellt. Erst jüngere Beamte werden an der Deutschen Hochschule der Polizei in Hiltrup für Führungsaufgaben ausgebildet. Herausfordernd sei auch die zunehmende Fachlichkeit. „Wir haben fast nur mit internationalen Regeln zu tun. Das bedeutet, dass wir uns mit dem internationalen Standard nicht nur auskennen, sondern ihn auch leben und umsetzen können“, so Frankowski. „Wir sind auch die einzige polizeiliche Einheit, die regelmäßig damit rechnen muss, dass es Inspektionen aus dem Bereich der EU gibt.“ Das betrifft etwa die Umsetzung des Schengener Abkommens.

Völlig neue Erfahrungen in Corona-Krise

Auf dem Wasser soll die Wasserschutzpolizei umweltfreundlicher werden. „Wir denken darüber nach, drei neue Boote zu bauen, die einen Hybridantrieb haben“, sagt Frankowski. Man befinde sich in der Phase der „Marktsichtung“. Dabei ist an einen vorhandenen Bootstyp und nicht an eine Neuentwicklung gedacht. „Wir sind dabei zu sehen, mit welchen Typen bereits gute Erfahrungen gemacht wurden.“ Die könnten vom Erscheinungsbild der alten Boote in Hamburg völlig abweichen.

Zuletzt führte die Corona-Krise bereits zu völlig neuen Erfahrungen. Anlasslose Kontrollen auf Schiffen wurde eingestellt. Dafür war die Wasserschutzpolizei verpflichtet, auf jedes Schiff zu gehen, um eine Landgangsuntersagung auszusprechen. „Auf den Kreuzfahrtschiffen waren nicht mehr Tausende Gäste abzufertigen. Man hatte es mit Hunderten missgelaunten Besatzungsmitgliedern, zu tun, die nicht an Land durften und oft keine Chance hatten, weiter in ihre Heimat zu kommen“, so Frankowski. Zusätzlich fielen zahlreiche Fälle nach dem Infektionsschutzgesetz an, die abgearbeitet worden. Selbst für nicht zugelassene Desinfektionsmittel sei die Wasserschutzpolizei zuständig, zu deren Aufgabenbereich neben Umwelt- und Gefahrgutdelikten auch Verstöße gegen den Tierschutz und Delikte mit Medikamentengehören zählen.

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Wie es weitergeht, sei nicht absehbar. Man werde die Veränderungen nach der Krise im Hafen beobachten und sich darauf einstellen. Intern werde es mehr Telefonkonferenzen geben, die sich bewährt hätten. „Damit entfällt viel Hin- und Herfahren“, so Frankowski.

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