Othmarschen

Unfallschwerpunkt Waitzstraße: Kommt nun die Wende?

| Lesedauer: 4 Minuten
Matthias Schmoock
Einer der spektakuläreren Unfälle in der Waitzstraße: Die Seniorin war im Mai 2019 mit ihrem Mercedes vollständig in ein Modegeschäft gefahren.

Einer der spektakuläreren Unfälle in der Waitzstraße: Die Seniorin war im Mai 2019 mit ihrem Mercedes vollständig in ein Modegeschäft gefahren.

Foto: Michael Arning

Immer wieder kommt es in der Straße – vor allem durch Senioren – zu schweren Unfällen. Nun wird wieder über eine Lösung diskutiert.

Hamburg. Seit Jahren sorgt die Häufung von sogenannten Einpark-Unfällen in der Waitzstraße für Schlagzeilen. Jetzt kommt die gesamte Parksituation entlang der viel besuchten Einkaufsstraße erneut auf den Prüfstand.

Inzwischen ist klar: Es wird immer wahrscheinlicher, dass die Umgestaltung der Schräg- zu Längsparkplätzen an der „Waitze“ kommt. Das würde bedeuten: Auf der Nordseite der Straße wäre nur noch das „klassische Parken“ (parallel zur Fahrbahn) möglich, was den Verlust von fast 30 Parkplätzen zur Folge hätte.

Waitzstraße: Krisentreffen nach erneutem Unfall

Anfang der Woche gab es zu diesem Thema ein Krisentreffen bei der Altonaer Bezirksamtsleiterin Stefanie von Berg (Grüne). Aktueller Anlass war ein Unfall am 30. Mai, bei dem ein 82-Jähriger in einen Hauseingang gerast war. Schon lange kommt es vor Ort immer wieder zu vergleichbaren Unfällen.

Neben von Berg nahmen an der hochkarätig besetzten Runde unter anderem verkehrspolitische Sprecher der Altonaer Fraktionen, aber auch die Altonaer Fraktionschefs von Grünen, CDU und FDP teil. Außerdem waren nach Abendblatt-Informationen unter anderem Vertreter der Handelskammer, des Bezirks und der Polizei zugegen.

CDU und FDP wollen Parkplatz-Verlust nicht in Kauf nehmen

Von den Bezirkspolitikern sind dem Vernehmen nach CDU und FDP für die Beibehaltung des Schrägparkens, während sich die Grünen für eine Umgestaltung aussprechen. Auch von Berg tendiert dazu. Die SPD hat sich noch nicht endgültig festgelegt, tendenziell – das wurde in der Sitzung deutlich – neigen die Sozialdemokraten aber auch eher der Umgestaltung zu. Sollte es bei dieser Konstellation bleiben, wovon Insider ausgehen, gäbe es für die Abschaffung des Schrägparkens eine deutliche politische Mehrheit.

Einparkunfälle: Nicht nur an der Waitzstraße ein Problem

Statt eines aufwendigen Umbaus wurde von Behördenseite dafür eine provisorische Lösung ins Spiel gebracht. Das heißt: Die Parkstreifen könnten zunächst durch eingezeichnete Linien oder Flatterband gekennzeichnet werden. Bevor eine Entscheidung dazu fällt, wird es in der kommenden Woche noch eine Sitzung der verkehrspolitischen Sprecher der Fraktionen geben.

Nach dem 20. Einpark-Unfall sollte Waitzstraße umgebaut werden

Bereits im vergangenen Jahr war eine Veränderung der Parkplatz-Anordnung an der Nordseite der Waitzstraße zunächst angekündigt, dann aber nicht umgesetzt worden. Damals war kurz zuvor eine Frau mit ihrem Mercedes in ein Bekleidungsgeschäft gerast – der 20ste Unfall dieser Art.

Als Konsequenz wurde danach immer wieder öffentlich vermittelt, die als Sicherheitspuffer fungierenden „Stadtmöbel“ zwischen den Parkplätzen und dem Fußweg – Poller, Bänke, Bügel – würden sukzessive so aufgerüstet, dass in Zukunft schwere Einparkunfälle nicht mehr vorkommen könnten.

Waitzstraße: Maßnahmen für mehr Sicherheit wurden nicht umgesetzt

Während der Sitzung am Dienstag wurde nun deutlich, dass es eine solche systematische „Ertüchtigung“ innerhalb der vergangenen zwölf Monate gar nicht gegeben hat. Wie Sitzungsteilnehmer berichten, sei man angesichts dieser Information „aus allen Wolken gefallen“. Warum die Maßnahmen nicht umgesetzt wurden, blieb zunächst unklar. Von Vertretern der bezirklichen Tiefbauabteilung wurde das unter anderem mit einer Haushaltssperre und mehreren internen Personalwechseln begründet.

Gegner der Umgestaltung warnen, dass die Abschaffung der Schrägparkplätze das Geschäftsleben an der Waitzstraße erheblich schädigen werde. Die Straße, die für sehr viel Geld monatelang aufwendig umgestaltet worden war, würde erneut wie ein Provisorium wirken – und das kurz nachdem die Coronakrise dem Einzelhandel bereits erheblich zugesetzt hatte.

Neue Gefahren durch paralleles Parken?

Hinzu kommt: Die Senioren, welche die Einparkunfälle der vergangenen Monate zum überwiegenden Teil verursacht hatten, bilden vor Ort einen wichtigen Kundenstamm. Beim Wegfallen zahlreicher Parkplätze würden sie, so die Befürchtung, die „Waitze“ künftig meiden und andernorts einkaufen.

Auch sei nicht gewährleistet, dass es nach der Umgestaltung an der Waitzstraße sicherer werde. „Mit der Umgestaltung der Parkplätze verlagert man doch nur das Problem“, so ein Teilnehmer. „Denn dann müssen die Senioren noch umständlicher als jetzt einparken, und das wird wieder neue Gefahren schaffen.“

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