Hamburg

Streit um Sternbrücke: CDU fordert Architektenwettbewerb

Die Sternbrücke in Hamburg-Altona soll durch einen Neubau ersetzt werden. Das ist bisher auf scharfe Kritik gestoßen (Archivbild).

Die Sternbrücke in Hamburg-Altona soll durch einen Neubau ersetzt werden. Das ist bisher auf scharfe Kritik gestoßen (Archivbild).

Foto: imago images / Lars Berg

Pläne für Stabbogenbrücke waren auf herbe Kritik gestoßen. Linken-Fraktion spricht von "Wahnsinn". Rot-Grün will Alternative prüfen.

Hamburg. Die Diskussion um den umstrittenen Neubau der Sternbrücke geht in die nächste Runde: SPD und Grüne in der Hamburgischen Bürgerschaft machen sich für die Prüfung einer Alternative zum Ersatz der in die Jahre gekommenen Sternbrücke durch eine sogenannte Stabbogenbrücke stark. Die CDU fordert, dass es einen öffentlichen Architektenwettbewerb zur Gestaltung der neuen Brücke gibt samt Bürgerbeteiligungsverfahren.

In einem Antrag für die kommende Sitzung wird der Senat ersucht, die Deutsche Bahn zu veranlassen, einen Alternativentwurf mit drei Stützen vertieft zu prüfen. Die Pläne der Bahn für eine über 100 Meter lange stützenlose Stabbogenbrücke waren auf heftige Kritik gestoßen, weil für den Bau mehrere Gebäude in unmittelbarer Nachbarschaft der Sternbrücke abgerissen werden müssten, wovon Musik-Clubs, Restaurants und Geschäfte betroffen wären.

Sternbrücke – Drei-Stützen-Alternative soll geprüft werden

Der Antrag solle dazu beitragen, die wichtige öffentliche Diskussion um den Neubau auf ein sachliches Fundament zu stellen, sagte SPD-Fraktionschef Dirk Kienscherf. „So sollen Senat und Deutsche Bahn neben der Vorzugsvariante einer Stabbogenbrücke auch die Drei-Stützen-Alternative vertieft auf bautechnische Fragen hin prüfen und die Entwürfe miteinander vergleichen.“ Ziel müsse sein, eine tragfähige Lösung für alle Verkehrsbeteiligten und den Stadtteil gleichermaßen zu entwickeln.

Auch die Grünen-Fraktion betrachte „die Dimension der vorgeschlagenen Stabbogenbrücke im Verhältnis zum städtebaulichen Umfeld nicht ohne Bedenken“, sagte die stellvertretende Vorsitzende Mareike Engels. Wichtig sei, „dass auch die Verkehrsführung unter der Brücke betrachtet wird. Mit dem Brückenneubau sollen mehr Platz und Übersicht für den Rad- und Fußverkehr an der Kreuzung Stresemannstraße/Max-Brauer-Allee geschaffen werden“.

CDU: Projekt Sternbrücke ist bisher schiefgegangen

Auch die CDU mischt in der Diskussion um die Dimension der Sternbrücke, die seit Wochen hohe Wellen schlägt, mit. Sie fordert nun in einem Antrag zur Bürgerschaftssitzung am 24. Juni den Senat auf, "unverzüglich einen öffentlichen Architektenwettbewerb zur Gestaltung der neuen Sternbrücke sowie ein Bürgerbeteiligungsverfahren zu starten", wie es in einer aktuellen Mitteilung heißt.


Die Aufgabe der Stadtgestaltung liege bei der Stadt – nicht bei der Deutschen Bahn, betonte die CDU-Stadtentwicklungsexpertin Anke Frieling. "Die Vorstellungen und Anforderungen an Bauwerke dieser Dimension müssen klar, rechtzeitig und faktenbasiert mit den Bürgerinnen und Bürgern vor Ort entwickelt und klar kommuniziert werden."

Die CDU verweist darauf, dass dringend ein valides aktuelles Verkehrsgutachten benötigt werde. "Nur so ist eine abgestimmte Planung zwischen Flächenbedarf für Verkehr und Dimensionen und Gestaltung der Brücke überhaupt möglich", so die CDU-Politikerin. Das Projekt Sternbrücke ist in ihren Augen "bisher ziemlich schiefgegangen". Frieling: "Jetzt, wo das Kind in den Brunnen gefallen ist, scheinen SPD und Grüne aufzuwachen. Im zweiten Anlauf muss das Projekt gelingen, unser CDU-Antrag ist dafür eine solide Grundlage.“

Linken-Fraktion: Wahnsinn, der an der Sternbrücke passieren soll

Kritik in der Diskussion um die Sternbrücke kommt auch von der Linken-Bürgerschaftsfraktion. „Langsam scheint auch Rot-Grün zu merken, was für ein Wahnsinn an der Sternbrücke passieren soll“, sagte Heike Sudmann, verkehrspolitische Sprecherin der Linken-Fraktion. „Und es gibt nicht nur jede Menge berechtigte Kritik, sondern auch viele offene Fragen zu dem Monsterprojekt, insbesondere zur Beteiligung des Senats an der Planung, zu seinen Forderungen an die Deutsche Bahn AG und seinem möglichen Entgegenkommen an die DB.“

Die Linken-Fraktion moniert, dass die Bahn "wieder mal fürs Nichtstun belohnt werden soll“. Sudmann: „Verfallenlassen kostet die Bahn im Gegensatz zur Unterhaltung nichts. Bei einer Sanierung müsste sie den größten Teil der Kosten tragen, bei einem Neubau übernehmen Hamburg und der Bund einen großen Teil.“

Sternbrücke: Schulen und Kitas fordern weniger Verkehr

Eltern, Schulen und Kitas hatten erst in dieser Woche in einem offenen Brief an Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) und den neuen Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) gefordert, „den Autoverkehr an der Stresemannstraße und ihrer Umgebung umgehend und dauerhaft zu reduzieren“. Die geplante Erneuerung der Brückensituation müsse dazu genutzt werden, die Anzahl der Autospuren zu reduzieren und nicht auszubauen, heißt es in dem Brief.

Alles zum Streit um die neue Sternbrücke:

Die Sternbrücke ist nach Bahnangaben einer der meistgenutzten innerstädtischen Gleisabschnitte in Deutschland – mit täglich mehr als 900 S-Bahnen, Regional- und Fernzügen. Knapp 50.000 Fahrzeuge unterqueren die Brücke täglich.