Newsblog für Norddeutschland

"Wir wollen das Reeperbahnfestival stattfinden lassen"

Carsten Brosda (SPD) trägt einen Mundschutz mit der Aufschrift "Kultur" nach seiner Vereidigung während einer Sitzung der Bürgerschaft im Großen Festsaal im Rathaus.

Carsten Brosda (SPD) trägt einen Mundschutz mit der Aufschrift "Kultur" nach seiner Vereidigung während einer Sitzung der Bürgerschaft im Großen Festsaal im Rathaus.

Foto: dpa Picture Alliance/Christian Charisius

Corona bringt Michel in Geldnot. Schleswig-Holstein erlaubt Sport ohne Abstand. Dänemark vor Urlauber-Ansturm. Der Newsblog.

Hamburg. Die Sommerferien nahen, die Lockerungen werden ausgeweitet: Schleswig-Holstein erlaubt Sport ohne Abstandsregeln und die Kinos buhlen um Zuschauer. Während Dänemark bereits einen Ansturm deutscher Urlauber erwartet, fürchten die Jugendherbergen im Norden das Aus. Auch der Michel leidet unter den ausbleibenden Touristen und startet eine Rettungsring-Aktion, die Hamburgs Wahrzeichen finanziell entlasten soll.

Die Virus-Pandemie ist zwar weit davon entfernt, überwunden zu sein, aber in Anbetracht weiter niedriger Infektionszahlen in Hamburg, Schleswig-Holstein und Niedersachsen werden immer mehr der Corona-Beschränkungen zurückgenommen – auch weil verschiedene Wirtschaftszweige (unter anderem Gastronomie und Tourismus, aber auch viele Dienstleister unterschiedlicher Branchen) unter den Vorschriften zur Eindämmung des Coronavirus leiden.

Der Corona-Newsblog für den Norden am Donnerstag:

Brosda stellt Lockerungen im Kulturbereich ab Juli in Aussicht

Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda hat weitere Lockerungen der Corona-Einschränkungen für den Kulturbereich ab Juli in Aussicht gestellt. Der nächste Schritt werde „ein aktives Geschehen auf der Bühne“ beinhalten, sagte der SPD-Politiker im Corona-Sonderausschuss der Bürgerschaft. Allerdings sei dies besonders schwierig, weil nicht nur die Infektionsrisiken im Zuschauerraum, sondern auch die Arbeitsschutzvorschriften auf der Bühne bedacht werden müssten.

Zur Wiederbelebung des Kulturbetriebes sei eine zweite Förderrichtlinie geplant. „Wir sind jetzt in einer zweiten Phase, in der es nicht mehr darum geht, zu kompensieren, dass wir pandemiebedingt das gesamte kulturelle Leben untersagen müssen“, sagte er. Es gehe darum zu helfen, „ein langsames und verantwortungsvolles Wiederhochfahren des kulturellen Lebens in der Stadt mit den daraus folgenden ökonomischen Auswirkungen zu ermöglichen.“ Nicht „Ausgleich von Ausfall“, sondern „die Ermöglichung eines stärker defizitären Betriebs“ stünden nun im Fokus.

Auch zur Wiederbelebung der Clubszene gebe es intensive Gespräche, wobei dies noch schwieriger sei, sagte Brosda. Kein anderer Bereich lebe so sehr davon, „dass Nähe im Publikum erlebbar ist. Das ist sozusagen kultureller Teil eines Clubs und genau das, von dem es heißt, dass das momentan nicht geht.“ Senat und Clubstiftung hätten aber vereinbart, „dass wir versuchen wollen, das Reeperbahnfestival im September stattfinden zu lassen.“ Dies solle dann auch als „Experimentierfeld“ genutzt werden, um zu sehen, „was denn gehen kann und wie fühlt es sich an“.

Cinemaxx will Fans mit Harry Potter zurück ins Kino locken

Nach der Corona-Zwangspause bemühen sich die Kinos darum, wieder Menschen in die Säle zu locken: Das Cinemaxx versucht es mit einem Fanliebling und zeigt alle acht Teile der "Harry Potter"-Serie: Am Sonntag, den 14. Juni beginnt die Reihe mit "Harry Potter und der Stein der Weisen", an jedem darauffolgenden Sonntag bis zum 2. August wird ein weiterer Teil vorgeführt. In Hamburg nehmen die Cinemaxx-Kinos Dammtor und Wandsbek an der Aktion teil, Karten für alle Filme können zum Sonderpreis von 4,99 Euro pro Ticket ab sofort online bestellt werden.

Drei Schulen im Kreis Schleswig-Flensburg öffnen Freitag wieder

Nach der Corona-Infektion eines Kindes können drei zwischenzeitlich geschlossene Schulen im Kreis Schleswig-Flensburg am Freitag wieder öffnen. An der Auenwaldschule in Böklund, der Schule am Markt in Süderbrarup und der dänische Schule in Struxdorf kann wieder Unterricht stattfinden, wie der Kreis mitteilte. Die dänische Schule in Satrup bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

Hintergrund sind die Corona-Infektionen einer 30 Jahre alten Mutter und ihres Sohnes, der in einem Kinderheim in Struxdorf lebt. Dort befinden sich alle Kunder und das Personal weiter in Quarantäne. Vier weitere Kinder zeigten Symptome und sollen am Freitag erneut getestet werden, wie der Kreis weiter mitteilte.

Eine Tochter der 30-Jährigen ist negativ getestet worden. Auch das Ergebnis des dritten Kindes fiel negativ aus. Testergebnisse der Kinder- und Jugendeinrichtungen in Sörup und Mohrkirch waren ebenfalls negativ. Weitere Quarantänemaßnahmen sind nach Angaben des Kreises daher in beiden Einrichtungen nicht erforderlich.

Daniel Günther: Sylt gut vorbereitet auf Urlauber

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther sieht Sylt gut vorbereitet auf die Hochsaison. Die Menschen verhielten sich zum großen Teil sehr, sehr diszipliniert, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag bei einem Besuch der nordfriesischen Insel. Dort sprach er mit Touristikern und Kommunalpolitikern

Öffnungsschritte sollen weiterhin mit Augenmaß vorgenommen werden, sagte Günther. Er sei aber guter Hoffnung, dass Ende des Monats weitere Lockerungen ergehen könnten. Es gebe einiges, was dafür spreche, dass diese auch die Außengastronomie betreffen. Unter anderem die Sylter Unternehmen, aber auch die IHK Schleswig-Holstein, hatten sich dafür ausgesprochen, die Außenflächen in der Gastronomie unbürokratisch zu vergrößern.

Am späten Mittag besuchte Günther noch den Strandabschnitts „Buhne 16“ in Kampen, der wegen größeren Menschengruppen an Pfingsten in die Schlagzeilen geraten war. Hier hatten sich am Pfingstsamstag nach Polizeiangaben Menschen im dreistelligen Bereich vor der Toilette gedrängt.

An diesem Donnerstag war es sehr ruhig an dem großen Strand. Er sei sehr zufrieden mit dem, was er auf der Insel erlebe, sagte Günther. Überall weisen Schilder auf die geltenden Abstandsregeln und Hygienemaßnahmen hin. Auch nach Beobachtungen von Touristen, aber auch nach Angaben der örtlichen Polizei und der Touristiker werde überwiegend sehr auf die Einhaltung der Corona-Regeln geachtet.

Ausschreibung für Wissenschaftspreis verlängert

Wegen der Corona-Krise ist die Ausschreibung für den Norddeutschen Wissenschaftspreis um einen Monat bis zum 31. Juli verlängert worden. Darauf hätten sich die norddeutschen Länder verständigt, da Wissenschaftler an Hochschulen und in Forschungseinrichtungen derzeit nur eingeschränkt arbeiten könnten, teilte das Wissenschaftsministerium in Schwerin am Donnerstag mit. Mit dem Preis sollen wissenschaftliche Kooperationsprojekte in Norddeutschland gewürdigt werden.

Der Preis werde in diesem Jahr für Kooperationen im Bereich der Naturwissenschaften vergeben. Dabei könne es um Grundlagenforschung gehen, um die anwendungsorientierte Forschung oder auch um Projekte aus dem Bereich des Wissens- und Technologietransfers, der wissenschaftlichen Weiterbildung und des Wissenschaftsmanagements.

Rettungsring für den Michel: Corona bringt Kirche in Geldnot

Hilferuf aus dem Hamburger Michel: Die Folgen der Corona-Pandemie bringen das Wahrzeichen der Hansestadt finanziell an seine Grenzen. Die Zahl der Besucher und damit die Einnahmen aus dem Tourismus sind in den vergangenen Monaten dramatisch eingebrochen, wie Hauptpastor Alexander Röder und der Geschäftsführer der Stiftung Sankt Michaelis, Michael Kutz, am Donnerstag in Hamburg erklärten. Eine Spendenaktion unter dem Motto „Rettungsringe für den Michel“ soll Abhilfe schaffen.

Dabei bitte die Stiftung Sankt Michaelis Reedereien, Hafenunternehmen, Museen und Segelclubs, dem Michel für ein halbes Jahr lang Rettungsringe mit einer besonderen Geschichte zu leihen, wie es hieß. Bis zu 50 Exemplare würden ab September in der Kirche aufgehängt. In dieser „Galerie der Rettungsringe“ würden Geschichten von überstandenen und erfolgreichen Rettungen erzählt. Unternehmen oder Privatpersonen könnten durch eine Spende eine Patenschaft für einen Rettungsring übernehmen.

Die Initiatoren riefen auch dazu auf, den Turm oder Konzerte im Michel zu besuchen. Ab Mitte Juni könne beim Ticket-Preis zugunsten der Rettungsring-Aktion aufgerundet werden.

Laut den Angaben kommen zurzeit täglich nur wenige Hundert Besucher in die evangelische Hauptkirche. Sonst seien es im Schnitt rund 3.500. Einnahmen aus dem Tourismus und dem Veranstaltungsbetrieb finanzierten seit vielen Jahren das Wahrzeichen. Kirchensteuern trügen nur zu 15 Prozent zum Gemeindehaushalt bei. Insgesamt wende die Michelgemeinde jährlich rund 2,5 Millionen Euro für ihre Angebote für Hamburger und Gäste aus aller Welt auf.

Fast jede fünfte Schule nimmt am „Lernsommer.SH“ teil

Mindestens an jeder fünften Schule in Schleswig-Holstein können Mädchen und Jungen in den Sommerferien durch die wochenlangen Schulschließungen in der Corona-Krise entstandene Lernlücken füllen. Bereits 139 Schulen „quer über das Land verteilt“ hätten ihre Teilnahme am „Lernsommer.SH“ erklärt, sagte Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) am Donnerstag. Insgesamt gibt es knapp 800 allgemeinbildende Schulen im Land. Ein oder zwei Wochen in den Sommerferien sollen benachteiligte Schüler in den Kernfächern Deutsch, Mathe und Englisch gefördert werden.

Das Land hat dafür fünf Millionen Euro bereitgestellt. Lehrer sollen damit zusätzlich vergütet werden. Auch Lehramts-Studenten können an dem Programm für Schüler der 1. bis 10. Klassen teilnehmen. Darüber hinaus erhalten die Schulen ein zusätzliches Budget, um externe Angebote von kultureller Bildung oder sportliche Aktivitäten anbieten zu können. Der Lernsommer finde aber nicht am Strand statt, sagte Prien. „Das ist kein Ferienlager.“

Die aktuellen Infektionszahlen in Hamburg

Seit Mittwoch wurden in Hamburg weitere acht Infektionen mit dem Coronavirus nachgewiesen: Die Gesamtzahl seit Beginn der Pandemie steigt damit auf 5133. 4800 Menschen gelten als genesen. Derzeit werden in den Hamburger Krankenhäusern noch 32 Covid-19-Fälle behandelt, 18 Menschen sind so schwer erkrankt, dass sie auf der Intensivstation behandelt werden müssen.

Ein weiterer Mensch starb an einer Infektion mit dem Coronavirus, damit steigt die Gesamtzahl der Corona-Toten in Hamburg auf 227, bei denen das Virus todesursächlich war. Das RKI gibt die Zahl der Toten in Hamburg mit 254 an.

Schullandheime und Jugendherbergen weiter bedroht

In einer gemeinsamen Mitteilung warnen die Schullandheime und Jugendherbergen in Norddeutschland nachdrücklich, dass viele Einrichtungen weiter akut bedroht seien: "Viele Einrichtungen fallen bisher durch alle vorhandenen Rettungsschirme durch. Etlichen Häusern droht weiterhin zeitnah die Insolvenz – und damit in der Regel die dauerhafte Schließung", so die Schullandheimverbände der norddeutschen Bundesländer und der Landesverband Nordmark des Deutschen Jugendherbergswerks (DJH-Nord).

Zwar sei es erfreulich, dass sie nun explizit im Eckpunktepapier zum Rettungspaket des Bundes genannt werden, jedoch mahnen die Verbände dringend Nachbesserungen an. Stefan Wehrheim Geschäftsführer im DJH-Nord: "Die Maßnahmen gehen für unseren Sektor nahezu komplett am Bedarf vorbei. Das wäre vermeidbar gewesen, denn es lag der Bundespolitik ein fertiges Konzept für die gemeinnützigen Organisationen vor."

Im Einzeln bemängeln die Verbände, dass die Überbrückungshilfen für Betriebskosten für Juni, Juli und August gewährt würden, die "einzigen drei Monate in diesem Jahr, in denen sich manche Unterkünfte noch etwas mit Gästen füllen könnten". Nähmen Unterkünfte während dieser Zeit zum Ausgleich der Ausfälle während der Sperrzeit aber Gäste auf, könnten sie die Hilfszahlungen nicht beantragen. Zudem sei unklar, ob gemeinnützige Vereine die Kredite aus dem Sonderprogramm des Rettungspakets beantragen könnten.

Stattdessen fordern Wehrheim und Benjamin Krohn von der Arbeitsgemeinschaft Hamburger Schullandheime mehr nicht zurückzahlbare Zuschüsse. Hamburg und Schleswig-Holstein hätten zwar bereits Unterstützung in Form von Nothilfen und Sonderkrediten zugesagt, wofür man sehr dankbar sei. Diese reichten jedoch "in keiner Weise" aus, um das Überleben der Unterkünfte zu sichern. Der Bund müsse tätig werden.

DLRG warnt in Corona-Krise vor unbewachten Badestellen

Beim Baden sollten die Menschen in diesem Corona-Sommer besonders vorsichtig sein. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) warnte am Donnerstag vor der Benutzung von unbewachten Badestellen. Die Organisation befürchtet, dass die Schwimmfertigkeit durch die wochenlang geschlossenen Schwimmbäder und die ausgefallenen Schwimmkurse gesunken ist. Da Freibäder nicht wie gewohnt zugänglich seien und Menschen wegen Corona Abstand suchten, ziehe es viele Menschen an offene Badestellen, sagte Frank Villmow aus dem DLRG-Präsidium. Dies berge große Risiken.

Die Organisation mit Sitz in Bad Nenndorf nahe Hannover ist die größte freiwillige Wasserrettungsorganisation Deutschlands. Im vergangenen Jahr bewahrten die Rettungsschwimmerinnen und -schwimmer 950 Menschen vor dem Tod - oft in letzter Minute. Bei 42 Einsätzen setzten die Einsatzkräfte ihr eigenes Leben aufs Spiel, wie DLRG-Präsident Achim Haag sagte. Die DLRG will durch Empfehlungen, Aus- und Fortbildung erreichen, dass Menschen sicher mit Gefahren durch Wasser umgehen. Die Organisation überwacht bundesweit rund 1230 Badestellen an Küsten und Seen sowie rund 1350 Schwimmbäder.

Kieler Landesregierung unterstützt Corona-Forschung

Die Landesregierung unterstützt die schleswig-holsteinische Hochschulmedizin mit zwei Millionen Euro bei der Covid-19-Forschung. Die beiden Projekte in Kiel und Lübeck zeigten die Exzellenz des Wissenschaftsstandorts Schleswig-Holstein, sagte Wissenschaftsministerin Karin Prien (CDU) am Donnerstag in Kiel. Im Projekt „COVIDOM“ am Universitätsklinikum Kiel werden mögliche Langzeitfolgen der Covid-19-Erkrankungen erforscht. In dem Lübecker Projekt „ELISA“ wird in einer Längsschnittstudie die Ausbreitung des Coronavirus in der Bevölkerung untersucht.

Beamtenbund will Tarifrunde verschieben

Wegen der Corona-Krise und ihren wirtschaftlichen Folgen sollte nach Ansicht des Beamtenbundes dbb die in diesem Jahr anstehende Tarifrunde für den öffentlichen Dienst ins nächste Frühjahr verschoben werden. Die Tarifverträge für die Kommunen und den Bund laufen Ende August aus. Betroffen sind in Schleswig-Holstein rund 100.000 Beschäftigte. „Wir fordern die Arbeitgeber auf, während der Friedenspflicht eine einvernehmliche Übergangslösung mit den Gewerkschaften zu finden“, sagte der schleswig-holsteinische Landesvorsitzende der Gewerkschaft „Beamtenbund und Tarifunion dbb“, Kai Tellkamp, am Donnerstag in Kiel. Ein Tarifkampf auf der Straße passe nicht in diese Zeit. Voraussetzung für eine Übergangslösung sei aber ein konkretes lineares Angebot der Arbeitgeber, das sich an der Inflationsrate orientieren könnte, sagte Tellkamp.

Meyer-Werft verhandelt über längere Betriebspausen

In der Krise des Kreuzfahrt-Geschäfts infolge der Corona-Pandemie verhandelt die Meyer-Werft in Papenburg mit der Belegschaft über längere Schließzeiten im Sommer und Winter. Es gehe um eine Anschlussregelung für die Ende Juni auslaufende Kurzarbeit, sagte ein Sprecher der Werft am Donnerstag. Zur Dauer der Schließzeiten lasse sich noch nichts sagen. Auch die IG Metall bestätigte Verhandlungen.

Die „Ems-Zeitung“ berichtete aus Mitarbeiterkreisen, die Werft könnte den Betrieb für jeweils fünf bis sechs Wochen im Sommer und über den Jahreswechsel einstellen. Dies geht über die üblichen Betriebsurlaube bei Meyer hinaus. Das sind zwei Wochen in den niedersächsischen Sommerferien und einige Tage zwischen Weihnachten und Neujahr.

Weil der Kreuzfahrttourismus wegen der Corona-Pandemie stillliegt und neue Schiffe nicht gebraucht werden, bemüht sich die Werft, Aufträge über 2022/23 hinaus zu strecken. Endgültige Vereinbarungen mit den Bestellern gebe es noch nicht, sagte Werftsprecher Peter Hackmann. Es gebe aber auch noch keine Stornierung.

Die Ozeanriesen von der Meyer-Werft haben in den letzten Jahren nach Tonnage etwa 70 Prozent des deutschen Schiffbaus ausgemacht. Mit einem Stamm von mehr als 3000 Mitarbeitern und vielen Werksverträgen ist die Werft ein großer Arbeitgeber in der Ems-Region.

Schleswig-Holstein erlaubt Sport ohne Abstandsregel

Fußballtraining in Amateurvereinen ist im nördlichsten Bundesland wieder möglich. „Gruppen von 10 Personen dürfen auch ohne das Einhalten der Abstandsregeln Sport ausüben“, heißt es in der am Mittwoch von der Landesregierung beschlossenen Fassung der Landesverordnung. Das betreffe auch kontaktintensive Sportarten wie Boxen, Ringen, Rugby, Judo etc. Demnach können Trainingsgruppen im Fußball bis zu einer Größe von zehn Personen ohne Beachtung der Abstandsregel wieder normal trainieren. Die Regelung gelte für alle Altersklassen, informierte der Schleswig-Holsteinische Fußballverband (SHFV).

Hamburg ist noch nicht so weit. „Die Gesundheitsbehörde erlaubt das nicht. Wir sind im Gespräch mit ihr“, teilte der Hamburger Fußball-Verband (HFV) am Donnerstag mit. Für Vereine in den schleswig-holsteinischen Kreisen Pinneberg, Elmshorn, Segeberg und Stormarn, die im Hamburger Verband organisiert sind, gilt nicht das Verbot in der Hansestadt. Sie können sich an den Beschluss in ihrem Bundesland halten.

Corona-Krise: Lufthansa könnte bis zu 22.000 Stellen streichen

Bei der schwer angeschlagenen Lufthansa stehen 22.000 Vollzeitstellen auf der Kippe, die Hälfte davon in Deutschland. Eine „signifikante Senkung der Personalkosten“ sei nötig, erklärte die Lufthansa am Mittwochabend nach einem Treffen mit Gewerkschaftsvertretern. Betriebsbedingte Kündigungen will die Fluggesellschaft durch Kurzarbeit und Krisenvereinbarungen aber möglichst vermeiden. Die Flotte der gesamten Gruppe werde um "nach der Krise rund 100 Flugzeuge weniger zählen", sagte Konzernchef Carsten Spohr.

Bis zum 22. Juni wollen die Tarifpartner daher „konkrete, personalkostensenkende Maßnahmen“ vereinbaren, um „den Weg für den Erhalt möglichst vieler Arbeitsplätze“ zu ebnen, wie die Lufthansa mitteilte. Am zweiten sogenannten Tarifgipfel am Mittwochabend hatten Vertreter der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi, der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) sowie der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO) teilgenommen.

UFO-Geschäftsführer Nicoley Baublies erklärte nach dem Treffen, die 22.000 Vollzeitstellen entsprächen 26.000 Arbeitsplätzen im Konzern. Dies könne „niemandem gefallen“. Die Gewerkschaft werde „weiterhin alles versuchen, um bis zur außerordentlichen Hauptversammlung eine Lösung erreichen zu können“, versicherte er. Die Lufthansa müsse im Gegenzug „umschalten“. Bisher „erleben wir noch keinen partnerschaftlichen Weg“, kritisierte Baublies. Er forderte einen Kündigungsschutz für die Mitarbeiter aller Airlines des Konzerns. Das sind rund 138.000 Beschäftigte.

Die Pilotengewerkschaft VC hatte am Mittwoch vor dem Treffen ihr Angebot bekräftigt, die Piloten könnten auf bis zu 45 Prozent ihres Gehalts verzichten. Das bedeute Kosteneinsparungen von etwa 350 Millionen Euro. VC-Präsident Markus Wahl erklärte nach dem Treffen, das Gespräch habe gezeigt, „dass wir gemeinsam eine Lösung finden wollen und werden“. Wahl mahnte, eine Auslagerung von Arbeitsplätzen zu schlechteren Bedingungen „wäre völlig inakzeptabel“.

Dänemark bereitet sich auf Ansturm deutscher Urlauber vor

Vor der Öffnung seiner Grenzen für Touristen bereitet sich Dänemark auf einen Ansturm deutscher Ferienhausurlauber vor. Am Montag werden deutsche Gäste in rund 14.000 gebuchten Ferienhäusern erwartet, darunter allein 5300 in Südjütland, wie der dänische Rundfunksender DR am Donnerstag unter Verweis auf Zahlen des zuständigen Branchenverbandes berichtete. 91 Prozent der gesamten Buchungen sind demnach in Jütland und Fünen eingegangen.

Im vergangenen Jahr hatten Urlauber insgesamt rund 20,7 Millionen Übernachtungen in dänischen Ferienhäusern gebucht. Mit knapp 13,3 Millionen Übernachtungen machten deutsche Gäste davon fast zwei Drittel aus. Diese Zahlen sind aufgrund der Coronavirus-Pandemie und der damit verbundenen Grenzschließung in Dänemark in diesem Frühjahr jedoch massiv eingebrochen.

Ab Montag werden deutsche, norwegische sowie isländische Urlauber aber wieder nach Dänemark gelassen, sofern sie mindestens sechs Übernachtungen außerhalb Kopenhagens gebucht haben. Einwohner Schleswig-Holsteins dürfen zugleich ohne triftigen Grund wieder nach Dänemark einreisen, wie das dänische Justizministerium am Mittwochabend mitgeteilt hatte. Die deutsch-dänische Grenzregion ist in ihrem Alltag eng miteinander verbunden, Tausende Pendler fahren täglich ins jeweils andere Land.

Vapiano schafft Comeback nach Corona-Aus

Die neue Investorengruppe der schwer angeschlagenen Restaurantkette Vapiano will spätestens ab August wieder 30 Läden in Deutschland öffnen. Vapiano solle kleiner, aber schlagkräftiger werden, erklärte der ehemalige Vapiano-Vorstand, Mario C. Bauer, der nun das Investorenkonsortium anführt, im Interview mit der „Wirtschaftswoche“ (Donnerstag).

Das operative Geschäft in Deutschland soll unterdessen der Gastronomieunternehmer Delf Neumann übernehmen. Neumann will die Restaurants schnellstmöglich wieder eröffnen, spätestens ab August, hieß es weiter. Auch mit den Franchisepartnern, die aktuell 25 Restaurants haben, wolle er weiter zusammenarbeiten

Bauer zufolge laufen derzeit noch Verhandlungen über die Zukunft von Vapiano. „Wie viele Restaurants am Ende unter dem Namen Vapiano weitermachen, ist heute noch nicht absehbar“, sagte Bauer. Er gehe von 140 bis 160 Standorten aus. Die mögliche Schwankungsbreite sei aber noch sehr hoch. Er sei jedoch davon überzeugt, „dass die Marke ein Comeback schaffen wird“.

Die Vapiano SE hatte Anfang April beim Amtsgericht Köln einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wegen Zahlungsunfähigkeit gestellt. Die Auswirkungen der Corona-Krise waren für das ohnehin rote Zahlen schreibende Unternehmen zu viel. Ende April hatte Vapiano das Geschäft zum Verkauf gestellt. Dabei wurde sowohl ein Verkauf des gesamten weltweiten Geschäfts der Gruppe als auch nur einzelner Restaurant-Portfolios und Vermögenswerte in Erwägung gezogen. Insgesamt sind bei der Vapiano SE und den ebenfalls in vorläufigen Insolvenzverfahren befindlichen operativen Tochtergesellschaften in Deutschland mehr als 2500 Mitarbeiter beschäftigt.

Hamburger Gastro-Petitionen mit 150.000 Unterstützern

Die von Hamburger Gastronomen ausgehende Petitionen zur Rettung von Restaurants "#WirSindBereit" und "#restartGastro" haben in den vergangenen Wochen laut eigenen Angaben 150.000 Unterschriften gesammelt, die sie kommenden Montag Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) übergeben wollen. Die Initiatorien Kitchen Guerilla, Salt & Silver und Bullerei fordern eine erweiterte Soforthilfe und Lohn-Ausgleich für alle Angestellten in der Gastronomie. Viele Betriebe seien bereits insolvent, viele weitere seien in wirtschaftlichen Schwierigkeiten – auch wegen der Einschränkungen durch die Abstands- und Hygieneregeln.

Koral Elci von Kitchen Guerilla erklärt: "Finanzielle Unterstützung ist im Rahmen der Rettungs- und Konjunkturpakete auch der Gastronomie teilweise zugute gekommen. Das Konjunkturpaket ist auf dem Weg. Jetzt muss es darum gehen, gezielt Hilfen für eine nachhaltige Stabilisierung der Branche zu erreichen."

Welche Hamburger Kombibäder am Montag öffnen

Nach dem Lockerungsbeschluss des Senats öffnen ab Montag wieder drei Kombibäder in Hamburg: Geschwommen werden kann in den Außenbereichen des Kaifu-Bades in Eimsbüttel sowie der Bäder Bondenwald in Niendorf und Finkenwerder. Der Standort Billstedt werde derzeit gerade modernisiert, die Bäder in Ohlsdorf und am Inselpark sowie das Festland an der Holstenstraße verfügen über keine oder nicht über reine Außenbecken, heißt es von Bäderland. Bedingung für die Erlaubnis des Senats zur Öffnung sind außerdem Duschen und Toiletten im Außenbereich der Bäder.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Corona-Lage: Daniel Günther besucht Sylt

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) will sich am Donnerstag auf Sylt ein Bild von der Lage auf der Nordseeinsel wenige Wochen vor den Sommerferien machen. Neben Gesprächen mit Bürgermeistern, Vertretern der Tourismusverbände und der Wirtschaft steht auch ein Rundgang durch Westerland und ein Besuch des Strandabschnitts „Buhne 16“ in Kampen an.

Dort hatten sich am Pfingstsonnabend nach Polizeiangaben Menschen im dreistelligen Bereich vor der öffentlichen Toilette gedrängt. Die Beamten hatten dem Ordnungsamt empfohlen, zur Entzerrung mobile Toiletten aufzustellen. Zudem veranlasste die Gemeinde, am Pfingstsonntag Parkplätze teilweise zu sperren und keine Tageskarten für den Strand mehr zu verkaufen.

Studie: Pflegebedürftige besonders durch Coronavirus gefährdet

Pflegebedürftige Menschen sind in Deutschland durch die Corona-Pandemie besonders stark gefährdet: Nach Hochrechnungen von Forschern der Universität Bremen waren in Deutschland 60 Prozent aller Covid-19-Verstorbenen Menschen, die stationär in Pflegeheimen oder ambulant von Pflegediensten betreut wurden. Von allen bundesweit mit dem Coronavirus Sars-CoV-2 Infizierten habe diese Gruppe einen Anteil von 8,5 Prozent, teilte die Universität Bremen am Mittwoch mit. „Pflegeheime sind der wichtigste Ort in Bezug auf Covid-19-Verstorbene, obwohl nur ein Prozent der Bevölkerung in dieser Wohnform lebt“, betont Ko-Autor Heinz Rothgang in der Mitteilung. Die Sterblichkeit unter Pflegebedürftigen sei mehr als 50 Mal so hoch wie im Rest der Bevölkerung.

Für die Studie befragte das Forscherteam online bundesweit 824 Pflegeheime, 701 Pflegedienste und 96 teilstationäre Einrichtungen. Wie repräsentativ die Angaben sind, war zunächst unklar.

Bonus für Pfleger: Senatorin verkündet Millionen-Geschenk

Studienleiterin Karin Wolf-Ostermann verwies darauf, dass auch Pflegekräfte ein deutlich erhöhtes Infektionsrisiko haben. Demnach ist der Anteil infizierter Beschäftigter in ambulanten Pflegediensten doppelt so hoch wie in der Normalbevölkerung, in stationären Einrichtungen sogar sechs Mal so hoch. Dass drei Fünftel der Pflegedienste und drei Viertel der Pflegeheime bislang keinen Corona-Fall verzeichnen, spricht aus Sicht der Forscher für erfolgreiche Schutzmaßnahmen.

Da Infektionen in Pflegeeinrichtungen gravierende Folgen haben können, müsse das Einschleppen des Virus konsequent vermieden werden. Der Studie zufolge ist es möglich, eine Ausbreitung in Heimen einzudämmen. Demnach wiesen mehr als die Hälfte der Einrichtungen mit infizierten Mitarbeitern keine infizierten Bewohner aus.

Energieverbrauch im Homeoffice: Tipps zum Stromsparen

Während der Corona-Krise arbeiten viele Menschen derzeit ins Homeoffice. Das treibt auch die Stromkosten zu Hause in die Höhe. Die Verbraucherzentrale Hamburg gibt Tipps, um den Stromverbrauch zu senken und so Ressourcen und Geld zu sparen.

  • Der Computer: Bauart und Leistungsfähigkeit beeinflussen den Stromverbrauch erheblich. Ein Standard-Laptop kommt bei einem achtstündigen Arbeitstag auf 0,2 Kilowattstunden, ein Desktop-PC mit vergleichbarer Leistung auf ungefähr das Dreifache – bei Gaming-PC mit Hochleistungs-Komponenten kann der Stromverbrauch noch deutlich höher liegen. In sechs Wochen Homeoffice ergibt das bei einem Laptop zwei Euro zusätzliche Stromkosten bzw. sechs Euro für den Office-PC.
  • In Arbeitspausen sollte jeder PC in den Energiesparmodus versetzt werden. In den Optionen lassen sich genaue Energiespar-Einstellungen vornehmen. Nachts und bei längeren Arbeitspausen sollte der PC ausgeschaltet sein. Klassische PCs verfügen am Netzteil über einen Schalter, mit dem der Computer vollständig vom Netz getrennt wird. So vermeidet man Stromverbrauch im Standby-Modus
  • Auch der Stromverbrauch der WLAN-Router lässt sich verringern. So kann bei einigen Modellen die Datenübertragungsfunktionen zeitlich begrenzt und nachts abgeschaltet werden. Wer nachts außerdem WLAN-Empfänger (wie PC, Handy, Smart TV) komplett ausschaltet, verringert damit auch den Stromverbrauch des Routers.
  • Abschaltbare Mehrfachsteckdosen sind empfehlenswert, da die meisten Geräte auch nach der Abschaltung weiter Strom verbrauchen. Durch die Abschaltung der Mehrfachsteckdose wird der unnötige Stand-by-Verbrauch verhindert. Sogenannte Master-Slave-Steckdosen schalten selbsttätig weitere Geräte wie etwa PC-Peripherie vom Netz, allerdings haben sie einen Eigenverbrauch. Dieser liegt bei ein bis zwei Watt.
  • Rund ums Stromsparen bietet die Verbraucherzentrale Hamburg eine telefonische Beratung an. Kurzauskünfte und Anmeldungen für ausführliche Beratungsgespräche sind möglich über die Hamburger Energielotsen unter der Rufnummer (040) 248 32-250.

SPD und SSW fordern Schutzschirm für Berufsausbildung

SPD und SSW fordern angesichts der Corona-Pandemie einen Schutzschirm für die berufliche Bildung. „Die Situation ist für Auszubildende und die berufliche Bildung derzeit besonders schwierig“, sagte die Sprecherin für berufliche Bildung der SPD-Fraktion, Kirsten Eickhoff-Weber, der Deutschen Presse-Agentur. Ziel müsse es bleiben, allen jungen Menschen nach dem Schulabschluss Ausbildungsmöglichkeiten zu verschaffen.

Beide Fraktionen fordern die Landesregierung in einem gemeinsamen Antrag für die Landtagssitzung in der kommenden Woche auf, sich im Rahmen der Fachkräfteinitiative für eine solche Allianz einzusetzen. Eickhoff-Weber sprach von akutem Handlungsdruck und verwies darauf, dass bundesweit zwar mehr als die Hälfte der Betriebe ausbildungsberechtigt sei, aber nur knapp ein Fünftel tatsächlich ausbilde.

„Es darf nicht zu einer Krise der beruflichen Bildung in Schleswig-Holstein kommen, die negative Auswirkungen auf die berufliche Zukunft junger Menschen und die Fachkräftesicherung hat“, sagte Eickhoff-Weber. Die SSW-Abgeordnete Jette Waldinger-Thiering sagte, die Zahl der Lehrverträge sei im Vergleich zum Vorjahr rückläufig. „Wir hatten aber schon einen Fachkräftemangel, bevor uns die Pandemie erreichte.“ Deshalb sei es wichtig, weiter Ausbildungsmöglichkeiten zu schaffen. „Das Land muss die berufliche Bildung stärken und unsere Betriebe darin unterstützen, gerade jetzt vermehrt auszubilden.“

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