Schwüle und Starkregen

Unwetter im Norden: Gewitter auch für Sonntag vorhergesagt

Dunkle Wolken über Hamburg.

Dunkle Wolken über Hamburg.

Foto: Achim Leoni

In Bremen und Niedersachsen wird bis in die neue Woche starker Regen erwartet. Für Hamburg gibt es hingegen gute Aussichten.

Hamburg. Unwetter am Sonnabend und Sonntag: Für Teile von Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern hatte der Deutsche Wetterdienst (DWD) bereits am Sonnabendmittag amtliche Unwetterwarnungen herausgegeben. In den Regionen wurde vor schweren Gewittern mit heftigem Starkregen und Hagel gewarnt. Am Sonnabend haben die Gewitter aus dem Südosten auch Hamburg gestreift. Zum Start in die neue Woche klart es langsam wieder auf.

Lesen Sie hier alle aktuellen Entwicklungen zu den Unwetter-Warnungen im Norden:

Teilweise Entwarnung zum Wochenstart

Am Sonntag bleibt es in Hamburg und Schleswig-Holstein laut Deutschem Wetterdienst regnerisch. In der Südwesthälfte ist zeitweise mit Gewitter und Starkregen zu rechnen. An der See weht ein frischer Ost- bis Nordostwind. In der Nacht zu Montag soll der Wind abnehmen. Die Temperaturen liegen im Norden zum Wochenstart bei sonnigen 22 bis 25 Grad.

In Niedersachen und Bremen bleibt es über den Sonntagmittag stark bewölkt, der Wetterdienst rechnet mit Gewittern und Starkregen. Am Montag soll der schauerartige Regen in der Südwesthälfte nachlassen, in der Nordosthälfte wird es heiter und trocken. Hier erwarten die Meteorologen am Sonntag schwülwarme Temperaturen um die 23 Grad, am Montag soll es bis zu 24 Grad warm werden.

In Mecklenburg-Vorpommern soll sich das Wetter bereits am Sonntag auflockern - ab dem Nachmittag soll es laut Wetterdienst trocken und sonnig werden. Niederschlagsfrei bleibt es auch Montag, die Temperaturen liegen bei 19 bis 22 Grad an der See und bis zu 24 Grad im Binnenland.

Gewitter und Starkregen führen zu Unfällen auf Autobahn 7

Auf der Autobahn 7 im Bereich der Landesgrenze zwischen Hessen und Niedersachsen haben Gewitter und starke Regenfälle am Samstag für schwere Verkehrsbehinderungen gesorgt. Witterungsbedingt sei es zu mehreren Verkehrsunfällen gekommen, teilte die Polizei mit und rief zu besonderer Vorsicht auf. Behinderungen gebe es in beiden Fahrtrichtungen, insbesondere auf niedersächsischer Seite zwischen der Grenze zu Hessen und dem Dreieck Drammetal.

Rund 200 Feuerwehreinsätze nach Unwetter in Lübeck

Schwere Gewitter und Regenschauer haben am Sonnabend zahlreiche Feuerwehreinsätze verursacht. Alleine in Lübeck rückten die Einsatzkräfte nach heftigen Regenfällen in kurzer Zeit etwa 200-mal aus. Zwei Menschen verletzten sich im Stadtteil St. Jürgen bei einem Blitzeinschlag, wie die Feuerwehr mitteilte. Sie wurden in ein Krankenhaus gebracht. Der Blitz hatte ein Feuer in einem Schuppen neben einem Wohngebäude ausgelöst. Die beiden Personen befanden sich zum Zeitpunkt des Einschlags in unmittelbarer Nähe.

Nahezu zeitgleich gab es in Lübeck ein weiteres Feuer im Stadtteil St. Gertrud. Rund 200 Feuerwehrleute waren in der Hansestadt am frühen Nachmittag insgesamt im Einsatz. Sie mussten sich auch um zahlreiche vollgelaufene Keller und Alarme aufgrund von ausgelösten Brandmeldeanlagen kümmern.

Viele Feuerwehreinsätze nach starkem Regen

Starke Gewitter und Starkregen haben die Feuerwehr in Teilen Mecklenburg-Vorpommerns am Sonnabend auf Trab gehalten. Vor allem in Wismar hatten die Feuerwehren viele Einsätze, wie ein Sprecher der Regionalleitstelle sagte. Dort seien Keller und Tiefgaragen vollgelaufen. In Wismar und Umgebung hatten die Feuerwehrleute am Nachmittag rund 65 Einsätze, wie ein Sprecher der Regionalleitstelle sagte. Menschen kamen dabei nach ersten Erkenntnissen nicht zu Schaden.

Die „Ostseezeitung“ berichtete auf ihrer Internetseite, dass Gewitter an der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein zwischen Groß Sarau und Schönberg sowie zwischen dem Kreuz Wismar und der Raststätte Fuchsberg den Verkehr auf der Autobahn 20 zeitweilig zum Erliegen gebracht hätten. Stellenweise habe das Wasser 20 Zentimeter hoch auf der Fahrbahn gestanden. Auf der Autobahn 20 im Bereich Wismar gab es am Nachmittag drei wetterbedingte Unfälle, wie ein Polizeisprecher sagte. Dort verloren Autofahrer die Kontrolle und prallten mit ihren Autos gegen die Leitplanken. In allen drei Fällen blieb es bei Blechschäden.

Verspätungen im Bahnverkehr wegen Unwetter

Im Norden kommt es wegen des Unwetters zu Verspätungen und Ausfällen im Bahnverkehr, vor allem zwischen Kiel und Lübeck.

Unwetter – Wetterdienst mahnt weiter zur Vorsicht

"Die Hauptgefahr ist in jedem Fall der plötzlich eintretende Starkregen und die damit verbundenen Unwetter“, sagte ein DWD-Meteorologe am Sonnabend. Während etwa zur Mittagszeit lediglich der Nordosten Hamburgs und vereinzelte Regionen Schleswig-Holsteins von starken Regenfällen betroffen waren, müsse für die Abendstunden mit flächendeckenden Gewittern und Starkregen in beiden Bundesländern gerechnet werden.

Angesichts der düsteren Wetterprognosen blieben selbst bei Temperaturen von bis zu 24 Grad die bei Kurzurlaubern sonst so beliebten Ostseestrände in Travemünde, Timmendorf oder Scharbeutz weitestgehend leer. An den Küsten hatte der Seewetterdienst Hamburg sturmartige Windböen mit bis zu 88 km/h vorhergesagt.

Hamburg bisher von Unwetter verschont geblieben

Bis zum frühen Nachmittag ist Hamburg bislang von Unwettern verschont geblieben. Dafür gilt in Schleswig-Holstein rund um Kiel, Plön, Eutin und Neumünster Warnstufe 3. Bis 14.45 Uhr kann es dort zu schweren Gewittern mit heftigem Starkregen kommen.

Zur Mittagszeit war es laut Angaben von Polizeisprechern der betreffenden Lagedienste jedoch zunächst weder in Hamburg noch in Schleswig-Holstein zu wetterbedingten Einsätzen gekommen. Bis Mitternacht fuhr die Hamburger Feuerwehr 19 wetterbedingte Einsätze.

Unwetter: Höchste Warnstufe in Mecklenburg-Vorpommern

In Wismar und Umgebung (Mecklenburg-Vorpommern) gilt seit 13 Uhr die höchste Unwetter-Warnstufe (Stufe 4). Dort warnt der DWD vor schweren Gewittern mit extrem heftigen Starkregen und Hagel. Die Wetterexperten rechnen mit Niederschlagsmengen zwischen 30 l/m² und 60 l/m² pro Stunde sowie Sturmböen mit Geschwindigkeiten bis 75 km/h.

Hamburg: Starkregen über mehrere Stunden

"In feuchtwarmer Luft entwickeln sich heute im Tagesverlauf zunehmend schwere Gewitter, die teils bis in die Nacht zum Sonntag hinein anhalten", warnte der DWD. Dabei komme es in Hamburg lokal zu heftigem Starkregen mit Mengen von 25 bis 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit.

Die Meteorologen rechnen zudem mit schweren Sturmböen bis 100 km/h und Hagel mit Korngrößen um drei Zentimeter. "Wenn zum Abend mehrere Gewitter zusammenwachsen, kann auch Starkregen über mehrere Stunden hinweg mit Mengen von mehr als 50 Liter pro Quadratmeter auftreten", so der DWD.

Warnung vor schwerem Unwetter in Norddeutschland

Am Wochenende erwartet die Menschen in der Hansestadt eine tropische Wetterlage. "Bei sommerlichen Temperaturen von bis zu 28 Grad wird es am Wochenende sehr schwül", so Jung. Dadurch steige auch das Potenzial für Unwetter und die Gefahr von Sturzfluten.

Grund für die tropischen Aussichten sind warme bis heiße Luftmassen, die aus Osteuropa Richtung Hamburg ziehen. "Hier treffen sie jedoch auf feuchte Luft", sagte der Wetterexperte.

Wetter in Hamburg: Am Wochenende tropisch mit Sturzflutgefahr

Am Sonnabend wird es mit bis zu 28 Grad sommerlich warm. "Bis zum Mittag gibt es noch Sonnenschein", sagte Jung. Ab mittags kann es dann lokale Schauer und Gewitter geben. "Diese können heftig ausfallen – mit Starkregen, Sturmböen und Hagel." Es bestehe außerdem die Gefahr von Sturzfluten. "Das liegt daran, dass die Gewitter nicht von der Stelle kommen, und sich immer wieder an derselben Stelle entladen", so der Meteorologe.

Ob und wo es zu Sturzfluten kommen kann, ist noch unklar. "Das kann erst gesagt werden, wenn sich die ersten Gewitterzellen bilden", sagte Jung. Kommt es zu einer Sturzflut, betrifft das dann laut Wetterexperten eine Fläche mit einem Durchmesser von etwa einem bis zwei Kilometern. "Dort kann es dann heftig zur Sache gehen."

Hamburg: Auch am Sonntag kann es Unwetter geben

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) muss mit Starkregen von bis zu 25 Litern pro Quadratmeter in kurzer Zeit, sowie mit Sturmböen bis zu 85 Kilometer pro Stunde gerechnet werden. Stellenweise könne es auch hageln.

Auch am Sonntag ist ein hohes Unwetterpotenzial in Hamburg und im Norden gegeben. Jung: "Es wird erneut sehr schwül bei Höchsttemperaturen von 26 Grad." Die Folge: weitere Schauer und Gewitter. "Die tropische Wetterlage wird sich auch kommende Woche fortsetzen."

Deutscher Wetterdienst rät: Nicht mit dem Auto durch die Flut fahren

Laut Deutschem Wetterdienst (DWD) handelt es sich bei einer Sturzflut um eine plötzlich auftretende Überschwemmung von relativ zur Umgebung tief gelegenem Terrain, als Folge heftiger Starkregenfälle. Deshalb treten Sturzfluten meistens in bergigen oder hügeligen Regionen auf. "Von einer Sturzflut spricht man allerdings erst dann, wenn zwischen verantwortlichem Niederschlagsereignis und hereinbrechender Flut weniger als sechs Stunden vergehen", heißt es auf der Website des DWD.

Schwieriger ist die Frage zu beantworten, ab welchen Niederschlagsmengen Sturzfluten auftreten oder zu befürchten sind. Der Grund: Verschiedenste geomorphologische und hydrologische Eigenschaften sowie die Bodenbeschaffenheit legen letztendlich fest, wie "verwundbar" eine bestimmte Region gegenüber Sturzfluten ist, erklärt der DWD. "Die Schwere der Auswirkungen von Starkregenfällen ähnlicher Intensität kann je nach ‘Verwundbarkeit' demnach stark variieren."

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Wetterstationen des DWD auf Mærsk-Containerschiffen

Gefährlich können Sturzfluten sein, da sie sehr plötzlich auftreten, das Wasser schnell sehr hoch steigen und extrem schnell fließen kann. Selbst Autos können bei einer Sturzflut vom Wasser mitgerissen werden. Der DWD rät bei Sturzfluten: "Vermeiden Sie, mit Ihrem Fahrzeug durch die Flut hindurchzufahren, selbst wenn das Wasser vermeintlich flach über Straßen und Wege fließt."

Mitte der Woche teilte der Deutsche Wetterdienst außerdem mit, dass er bis zum Jahresende auf 50 Containerschiffen der Reederei Mærsk automatische Bordwetterstationen installieren wird. "Die sogenannten EUropean Common Automated Weather Stations, kurz EUCAWS, messen je nach Sensorbestückung auf See automatisch Luftdruck, Lufttemperatur, Luftfeuchte, Meeresoberflächentemperatur sowie Windrichtung und -geschwindigkeit", heißt es in der aktuellen Mitteilung. "Sie tragen so zur Verbesserung der Wettervorhersage und des Warnmanagements sowie zur Klimaforschung bei."