Terrorismus

Prozess um IS-Witwe: Zeugin schildert unvorstellbares Leid

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Die Witwe des Berliner Rappers und späteren IS-Mitglieds Denis Cuspert alias Deso Dogg sitzt in einem Gerichtssaal im Landgericht (Archivbild).

Die Witwe des Berliner Rappers und späteren IS-Mitglieds Denis Cuspert alias Deso Dogg sitzt in einem Gerichtssaal im Landgericht (Archivbild).

Foto: Daniel Reinhardt / dpa picture alliance/Daniel Reinhardt

Die 29-jährige Jesidin sagte aus, die angeklagte Witwe des Terroristen Denis Cuspert in Syrien kennengelernt zu haben.

Hamburg. Im Prozess gegen die Witwe des IS-Kämpfers Denis Cuspert hat eine 29-jährige Jesidin von unvorstellbarem Leid in der Gefangenschaft des IS berichtet. „Sie haben uns sehr viel Leid angetan. All das zu erzählen, würde viele Tage dauern“, sagte die Zeugin am Montag vor dem Hanseatischen Oberlandesgerichts.

Sie selbst wurde von verschiedenen IS-Kämpfern als Sklavin gehalten, vergewaltigt und auf einem Markt mit anderen jesidischen Mädchen und Frauen verkauft. Die 29-Jährige gab an, die 35 Jahre alte Angeklagte in Syrien kennengelernt zu haben. Ob die Deutsch-Tunesierin auch eine jesidische Sklavin gehalten habe, konnte sie jedoch nicht sagen.

IS-Witwe Omaima A.: Hielt sie eine 13-Jährige als Sklavin?

Die Bundesanwaltschaft wirft Omaima A. Mitgliedschaft in einer ausländischen terroristischen Vereinigung vor. Sie soll Anfang 2015 mit drei kleinen Kindern ihrem Mann nach Syrien gefolgt sein und sich dort dem Islamischen Staat angeschlossen haben.

Alles zum Prozess gegen Omaima A.:

Die gebürtige Hamburgerin wird ferner des Menschenhandels und eines Verbrechens gegen die Menschlichkeit beschuldigt, weil sie eine 13-jährige Jesidin zeitweise als Sklavin in ihrem Haushalt gehalten haben soll.

Ein Leben, das schlimmer ist als der Tod

Die Leidensgeschichte der 29-jährigen Jesidin begann am 3. August 2014. Damals wurde ihr jesidisches Dorf in der Nähe von Sindschar im Nordirak vom IS überfallen. Da sich die 1738 Einwohner nicht zum Islam bekennen wollten, wurden die Männer des Dorfes – darunter ihr Vater und ihre Brüder – erschossen. Die Frauen wurden in Gruppen eingeteilt – ältere, Mütter mit Kindern und jüngere – und in eine Schule gebracht. Um nicht mitgenommen und vergewaltigt zu werden, habe sie so getan, als wäre ihr dreijähriger Bruder ihr Sohn.

Später wurde sie nach Rakka in Syrien verschleppt. Dort mussten sich die Frauen ausziehen. „Männer kamen vorbei, begutachteten uns, und wenn ihnen eine gefiel, nahmen sie sie mit.“ Ein Kämpfer tauschte sie und ihren kleinen Bruder gegen Waffen. „Später fesselte er meine Hände und vergewaltigte mich“, sagte die 29-Jährige. Als Nächstes sei sie einem Libyer übergeben worden. „Er hielt mir eine Waffe an den Kopf und sagte: Ich bringe dich um“, erzählte die Zeugin. Später habe er zu ihr gesagt: „Du bekommst ein Leben, das schlimmer ist als der Tod: Wir werden dich immer weiterverkaufen.“ Eines Tages habe die Frau des IS-Kämpfers, bei dem sie leben musste, zu ihr und einer anderen gesagt: „Macht euch fertig, wir gehen Freunde besuchen.“ So habe sie die Angeklagte kennengelernt. Im Dezember 2017 konnte sie fliehen.

( dpa )

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