Studie

1,4 Millionen Quadratmeter: Vergeudet Hamburg Wohnraum?

| Lesedauer: 3 Minuten
Das Tarpenbeker Ufer gehört zu den größten Wohnungsbauvorhaben der Stadt – hier entstehen 950 Wohnungen (Symbolbild).

Das Tarpenbeker Ufer gehört zu den größten Wohnungsbauvorhaben der Stadt – hier entstehen 950 Wohnungen (Symbolbild).

Foto: Mark Sandten

Neue Studie überrascht mit Ergebnissen für die Hansestadt. So wollen Hamburger im Alter wohnen – und so nicht.

Hamburg. Rund 1,4 Millionen Quadratmeter Wohnfläche könnten in Hamburg zusätzlich zur Verfügung stehen, das hat die Studie einer Immobilienvermarktung ergeben. Dafür müsse man den über 65-jährigen Hamburgern, die ebendiese Fläche im Stadtgebiet bewohnen, allerdings attraktive und altersgerechtere Alternativen bieten.

Hamburger im Alter bereit für Umzug in kleinere Immobilie

Denn unter den Hamburgern gibt es im deutschlandweiten Vergleich eine sehr hohe Bereitschaft, im Alter freiwillig umzuziehen – etwa in eine kleinere Immobilie, weil weniger Wohnraum benötigt werde. 62 Prozent der Befragten erklärten diese Absicht, bundesweit sind es 53 Prozent. Höher als in Hamburg ist diese Bereitschaft mit 65 Prozent nur in Schleswig-Holstein und mit 63 Prozent in Bremen.

Außerdem kommt es laut der Umfrage nirgends in Deutschland für so viele Personen wie in Hamburg in Frage, im Alter in ein sogenanntes "Serviced Appartment" zu ziehen – also eine 1- bis 3-Zimmer-Wohnung, die bei Bedarf buchbare Zusatzleistungen wie etwa einen Reinigungs- oder Wäscheservice bietet.

Senioren wohnen im Durchschnitt auf 100 Quadratmetern

Durch passende Wohnangebote könnten große Wohnflächen viel effizienter genutzt werden, meint Michael Ries, Vorstand des Immobilienentwicklers pantera AG. Laut der Statistik wohnen alleinlebende Senioren mit Immobilieneigentum in Deutschland auf im Durchschnitt 100 Quadratmetern – etwa weil sie in der Immobilie zuvor mit ihrem Lebenspartner oder der Familie gewohnt haben.

"Bietet man diesen Menschen durch passgenaue Projektentwicklungen attraktive Alternativen auf kleinerem Raum, kann in den bisher genutzten Immobilien insbesondere für größere Familien neuer Wohnraum entstehen", sagt Ries.

Ältere ziehen aus Angst vor Überforderung nicht um

In Hamburg kennen 64 Prozent der Befragten ältere Menschen, die allein auf Wohnflächen wohnen, die sie zuvor mit anderen Personen geteilt haben. Damit liegt die Hansestadt jedoch bundesweit hinten, nur Thüringen weist einen niedrigeren Wert auf. Der Durchschnitt liegt in Deutschland bei 73 Prozent.

Nur 43 Prozent der Hamburger glauben jedoch, dass ältere Menschen in der Hansestadt auf zu großem Wohnraum wohnen, "weil sie es so wollen". Dieser Wert ist vergleichbar zu Berlin und deutschlandweit am niedrigsten. Die Hamburger vermuten, dass der Grund dafür die Angst vor Überforderung bei einem Umzug wäre.

Hamburger wollen in Großstadt leben – auch im Alter

In eine Kleinstadt möchten Hamburger im Alter nicht ziehen. Nur sechs Prozent der befragten Hamburger favorisieren einen solchen Alterswohnsitz. Das ist der niedrigste Wert in ganz Deutschland. Bundesweit wird eine ländliche Umgebung und das Wohnen in einer Kleinstadt im Alter am häufigsten gewünscht.

Statt einer ruhigen Wohnlage sind Hamburgern die Nähe zu Bus und Bahn und die ärztliche Versorgung "äußerst wichtig". In einem Punkt sind sich die Befragten jedoch deutschlandweit einig: Das wichtigste Kriterium für die Wohnsituation im Alter sind "angemessene Wohnkosten". Das geben 79 Prozent der Befragten an.

In Hamburg gibt es laut der Umfrage über 200.000 Senioren-Haushalte, mehr als 60.000 davon sind Immobilieneigentum. Die Daten der Umfrage basieren auf einer Online-Erhebung des Meinungsforschungsinstitutes YouGov, die im April 2020 durchgeführt wurde.

( lag )

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Hamburg