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Corona-Reisetipps: "New York Times" macht mit Hamburg auf

| Lesedauer: 12 Minuten
Hamburgs Speicherstadt zur blauen Stunde: Blick von der Poggenmuehlenbruecke zum Wasserschloss. Die New York Times nutzt dieses Motiv, um auf die Reiselockerungen in Europa hinzuweisen.

Hamburgs Speicherstadt zur blauen Stunde: Blick von der Poggenmuehlenbruecke zum Wasserschloss. Die New York Times nutzt dieses Motiv, um auf die Reiselockerungen in Europa hinzuweisen.

Foto: Andreas Laible

Weiterer Corona-Fall in Schlachtbetrieb. Kinder können ohne Abstandsregeln in Klassen. Zwei Neuinfektionen in Hamburg.

Hamburg hat seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie mehr als 6650 Bußgelder (Stand: 26. Mai) wegen Verstößen gegen Corona-Beschränkungen verhängt und damit 320.272 Euro eingenommen. Die Linke kritisiert, dass von den Sanktionen zumeist Privatpersonen betroffen seien und kaum das Gewerbe.

In Schleswig-Holstein öffnen am Montag wieder Freibäder, Saunen und Freizeitparks. Doch wer an den Strand will, muss sich vorher per App anmelden.

Die Corona-News für Hamburg und den Norden am Sonntag, den 7. Juni 2020:

"New York Times" nimmt Hamburg als Beispiel

Die „New York Times“ macht ihren Millionen Lesern wieder Hoffnung auf die Zeit nach Corona. In einem Aufmacher für den viel gelesenen Reiseteil am Wochenende zählte die „Old Gray Lady“ auf, welche Lockerungsregeln in welchem Land in Europa gelten. Garniert wurde der Text mit einem Bild der Hamburger Speicherstadt und der Bemerkung: „Städte wie Hamburg, Deutschland, öffnen sich für die meisten europäischen Länder.“

Für die Amerikaner, die ihren Präsidenten Donald Trump und dessen Verhalten in der Corona-Krise kaum noch verstehen können, ist auch die EU ein Rätsel. Deshalb schreibt die „NYT“: Die Europäische Union habe sich für ein koordiniertes Vorgehen ausgesprochen, aber ein Patchwork von Strategien habe sich entwickelt. Italien und Deutschland würden sich früher und weiter öffnen als der Rest. Andere wie Dänemark hätten sich für Reise-Blasen entschieden, und zwar für Länder, aus denen man Gäste bedenkenlos einlassen dürfe. Fast alle aber hätten darauf hingewiesen: Falls die Infektionszahlen wieder steigen, werden die Grenzen geschlossen.

Amerikaner mit Ziel Europa dürfen derzeit ohne Quarantäne nach Portugal reisen. Wollen sie ins Vereinigte Königreich, nach Irland oder Weißrussland, erwartet sie eine zweiwöchige Quarantäne. Wann Hamburg und der Rest Europas wieder bedenkenlos offen ist für US-Bürger, das ist noch nicht klar.

Interaktiv: Das Coronavirus in Deutschland und weltweit:

Weiterer Corona-Fall in Schlachtbetrieb in Lohne

In einem Schlachtbetrieb in Lohne (Landkreis Vechta) gibt es einen weiteren bestätigten Corona-Fall. Die Kontaktpersonen am Arbeitsplatz des Mannes und in seinem privaten Umfeld wurden in Quarantäne versetzt, teilte der Kreis am Sonntag mit. Obwohl die Kollegen schon negativ getestet worden seien, nehme das Gesundheitsamt erneute Tests bei ihnen vor. Bereits am Freitag war eine Infektion bei einer Mitarbeiterin des Betriebs bestätigt worden. Vier Familienmitglieder, die am Freitag in Quarantäne versetzt wurden, seien inzwischen ebenfalls positiv getestet worden.

Mit den jetzt vorliegenden Ergebnissen habe das Gesundheitsamt die vom Land angeordnete Testreihe in Schlacht- und Zerlegebetrieben, die Subunternehmer beschäftigen, abgeschlossen, hieß es. Die Arbeits- und Lebensbedingungen von Schlachthof-Mitarbeitern waren nach einer Reihe von Coronavirus-Infektionen bundesweit in die Kritik geraten.

Weitere Corona-Lockerungen treten in Kraft

In Schleswig-Holstein kehrt am Montag mit weiteren Corona-Lockerungen wieder mehr Normalität in den Alltag ein. Alle Grundschüler können von Montag an wieder täglich in ihren Klassen unterrichtet werden. Dabei werden die Abstandsregel nicht mehr gelten. Die Hygieneregeln sollen aber weiterhin sorgsam beachtet werden. Eltern können ihre Kinder aber vom Unterricht abmelden, wenn sie oder ihre Kinder zu Risikogruppen gehörten, so Bildungsministerin Karin Prien (CDU).

Auch Besuche in Schwimmbädern, Saunen und Freizeitparks sind von Montag an wieder möglich. Dazu sind Hygiene-Konzepte und Auflagen erforderlich. Und touristische Anbieter dürfen Busreisen - etwa Ausflugsfahrten - wieder anbieten. Die Belegung ist auf 50 Prozent der Sitzplätze begrenzt. Masken sind zu tragen.

Der Hansa-Park (Kreis Ostholstein) in Sierksdorf wird am Montag noch nicht öffnen. Das Campusbad in Flensburg plant die Öffnung seines Sportbades für die Öffentlichkeit für den 10. Juni. Das Freizeitbad soll am 12. Juni wiedereröffnen.

Eltern nach Corona-Ausbruch gegen Schulöffnung

Der Elternrat in Göttingen (Niedersachsen) hat sich nach dem Corona-Ausbruch in der Stadt gegen eine Öffnung der Schulen am Montag ausgesprochen. Die Entscheidung, ob die Schüler am Präsenzunterricht teilnehmen oder zu Hause lernen, solle alleine von den Erziehungsberechtigten getroffen werden, forderte der Stadtelternrat am Sonntag. Die Verantwortung für das Wohl der Schüler liege nicht beim Kultusministerium oder anderen Behörden. Eine uneingeschränkte Öffnung der Schulen bei steigenden Infektionszahlen spreche zudem für ein „unzureichendes Krisenmanagement“ der Stadt.

Nach dem Corona-Ausbruch in Göttingen mit 120 Fällen waren sämtliche Schulen und einige Kindertagesstätten geschlossen worden, weil sich unter den Infizierten auch viele Kinder und Jugendliche befinden. Die Stadt lässt derzeit die Bewohner eines Hochhauses auf das Virus testen. Bis Sonnabend wurden 300 der 600 offiziell gemeldeten Bewohner untersucht. Nach den bis Sonnabendabend vorliegenden Ergebnissen wurden drei Menschen positiv getestet.

Über die Ursache für den Ausbruch gibt es Streit. Sozialdezernentin Petra Broistedt hatte von Verstößen gegen die Abstands- und Hygienevorschriften bei privaten Feiern gesprochen. In einem als „Gegendarstellung“ betitelten Facebook-Post, der mit „die betroffenen Familien“ unterzeichnet ist, wurde der Vorwurf, es habe beim Zuckerfest zum Abschluss des muslimischen Ramadan private Feiern gegeben, dagegen zurückgewiesen.

Zwei neue Corona-Fälle in Hamburg

Die Zahl der in Hamburg positiv auf das neuartige Corona-Virus Getesteten ist seit Sonnabend um zwei auf 5114 gestiegen. Das teilte die Gesundheitsbehörde am Sonntag im Internet mit. Laut Robert Koch-Institut (RKI) sind rund 4800 der seit Beginn der Pandemie nachweislich mit dem Sars-CoV-2-Virus infizierten Hamburger inzwischen genesen.

Die Zahl der Toten in Hamburg lag laut RKI bei 254. Das Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf konnte laut Gesundheitsbehörde unverändert bei 226 Personen eine Sars-CoV-2-Infektion als Todesursache feststellen. 35 Corona-Infizierte aus der Stadt und dem Umland werden stationär in Hamburger Krankenhäusern behandelt (Stand: 5. Juni), davon 19 auf Intensivstationen.

Mit 1,74 Neuinfizierten pro 100.000 Menschen in Hamburg in den vergangenen sieben Tagen liegt der Wert derzeit weit unter dem Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner, ab dem der Senat über erneute Einschränkungen zur Eindämmung der Pandemie beraten müsste.

Trotz Corona-Pandemie Ferienpässe in den Sommerferien

Trotz Einschränkungen wegen der Corona-Pandemie werden auch dieses Jahr in den Sommerferien viele Ferienpassaktionen für Kinder und Jugendliche veranstaltet. Einige Dinge sind jedoch anders. So gibt es etwa in der Regel eine Anmeldepflicht auch für kostenlose Veranstaltungen und Abstände müssen eingehalten werden. Zudem behalten sich die Kommunen vor, Veranstaltungen kurzfristig abzusagen, wenn sie nicht sicher durchgeführt werden können, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei einigen großen Städten in Schleswig-Holstein ergab.

Die Veranstalter sind sich einig, dass ein Ferienprogramm in diesen Zeiten besonders wichtig ist, weil gerade die Kinder in letzter Zeit auf sehr viel verzichten mussten.

Zahl der Corona-Infizierten in Schleswig-Holstein um zwei gestiegen

In Schleswig-Holstein hat sich die Zahl der offiziell bestätigten Infektionen mit dem Coronavirus nach Angaben der Landesregierung um zwei erhöht. Die Landesregierung gab die Gesamtzahl auf ihrer Webseite am Sonntag unter Berufung auf das Robert Koch-Institut mit Stand Sonnabendabend mit 3109 an. Die Zahl der Toten im Zusammenhang mit dem Coronavirus blieb unverändert bei 147. Rund 2900 Infizierte gelten inzwischen wieder als gesund. In Krankenhäusern wurden nach dem jüngsten Stand noch 9 an Covid-19 Erkrankte behandelt.

Die Linke kritisiert Ungleichbehandlung bei Corona-Bußgeldern

Aufgrund von Verstößen gegen die Corona-Verordnungen des Senats wurden in Hamburg bislang insgesamt 6653 Bußgeldbescheide erlassen (Stand: 26. Mai). Die dadurch erzielten Einnahmen belaufen sich auf 320.272 Euro. Dies geht aus einer Antwort des Senats auf eine Schriftliche Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft hervor.


Bußgelder gab es für:

  • Verstöße gegen das Kontaktverbot: 208.742 Euro in 5084 Fällen
  • Verstöße gegen das Abstandsgebot: 27.703 Euro in 887 Fällen
  • Verbotswidrige Nutzung von Spielplätzen und Verzehr von Speisen im öffentlichen Raum: 16.736,00 Euro in 224 Fällen

Fast die gesamte Summe wurde von Einzelpersonen eingetrieben, heißt es in einer Mitteilung der Linken. Im gewerblichen Bereich hingegen seien nur wenige Bußgelder verhängt worden. Hier liege die Höhe der Einnahmen weit unter den festgelegten Regelsätzen, so Die Linke. So seien beispielsweise aus 23 Bußgeldern wegen des verbotswidrigen Betriebs von Gaststätten überhaupt keine Einnahmen generiert. Dieses Vorgehen kritisiert die Linke.



"Die zum Pandemieschutz verhängten Bußgelder sind sozial ungerecht", sagt David Stoop, haushaltspolitischer Sprecher der Fraktion Die Linke in der Hamburgischen Bürgerschaft. "Sie folgen dem Prinzip 'die Kleinen hängt man, die Großen lässt man laufen'. Die Strafzahlungen treffen vor allem Privatpersonen und sind nicht sozial gestaffelt. Für einen Minijobber entspricht ein Bußgeld von 150 Euro für einen Verstoß gegen das Abstandsgebot einem Viertel des Lohneinkommens, während ein Einkommensmillionär das Bußgeld finanziell gar nicht spürt."

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

Strandbesuch in Schleswig-Holstein nur nach Anmeldung per App

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther will in der Urlaubszeit während der Corona-Krise auf die Buchung von Küstenabschnitten per Smartphone setzen. „Man kann über die App anmelden, dass man in einem bestimmten Zeitraum an einen Strandabschnitt will“, sagte der CDU-Politiker dem „Tagesspiegel am Sonntag“ zu den Plänen für das Buchungssystem. „Wenn dort noch Platz ist, bucht man sich ein und hat dann eine Zugangsberechtigung.“ Die Gemeinde Scharbeutz hat das System nach seinen Angaben entwickelt, jetzt könnte es auch von anderen Orten genutzt werden.

Coronavirus – die Fotos zur Krise:

Für die Urlaubszeit kündigte Günther an: „Wir werden weiter stark kontrollieren. Dass alle dicht an dicht wie in der Sardinenbüchse liegen, wird es bei uns nicht geben.“ Den Verlauf des Himmelfahrts- und des Pfingstwochenendes wertete der Ministerpräsident als gutes Zeichen für den Tourismus in Schleswig-Holstein. „Beide Wochenenden sind in den Tourismusorten gut verlaufen. Es gab gelegentlich Absperrungen, wenn zu viele Tagesgäste kamen. Aber der erste Test auf die Sommersaison hat funktioniert.“

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( ade/HA/ryb/dpa )

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