Verkehr in Hamburg

Nach tödlichem Unfall: Sind Radfahrer geschützt?

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Christoph Heinemann und Jens Meyer-Wellmann
Am Schiffbeker Weg überrollte ein Lkw einen Radfahrer.

Am Schiffbeker Weg überrollte ein Lkw einen Radfahrer.

Foto: Michael Arning

Der neue Hamburger Senat will die Sicherheit erhöhen. Es soll mehr Kontrollen und geschützte Radstreifen geben.

Hamburg.  Der tragische Unfalltod eines 46 Jahre alten Radfahrers beschäftigt weiter die Polizei – und facht auch die Debatte um die Sicherheit im Hamburger Straßenverkehr neu an. Der designierte neue Verkehrssenator Anjes Tjarks (Grüne) und Innensenator Andy Grote (SPD) wollen den Schutz von Fußgängern und Radfahrern erhöhen. Erneut gibt es aber auch Kritik an vermeintlich brandgefährlichen Straßen und Kreuzungen.

Der 46-jährige Radfahrer war am Dienstagnachmittag auf dem Schiffbeker Weg von einem Lkw tödlich erfasst worden. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei schob er im Bereich einer Baustelle sein Fahrrad über einen Grünstreifen, ehe er kurzzeitig auf die Fahrbahn ausweichen musste. Der dort fahrende Lastwagen überrollte den Mann. In Zuschriften sprachen auch mehrere andere Radfahrer gegenüber dem Abendblatt davon, dass es für Radfahrer praktisch nicht gefahrlos und regelkonform möglich sei, die Stelle zu passieren. Zwar gebe es dort noch einen Fußweg , dieser sei aber zu schmal für einen Fußgänger, der sein Rad neben sich herschieben will.

Ermittler suchen Zeugen des Unfalls

Aus Polizeikreisen heißt es dagegen, Radfahrer hätten zum Beispiel auch die Möglichkeit, vorher die Straßenseite zu wechseln und ein Stück auf der linken Fahrseite zu schieben. Zum aktuellen Unfall halten sich die Beamten noch bedeckt. „Die Ermittler der Verkehrsstaffel Süd bitten mögliche Zeugen, sich zu melden“, so ein Polizeisprecher.

Mann mit Fahrrad wird von Lkw überrollt und stirbt:

Vor fast genau zwei Jahren hatte der Unfalltod der 33-jährigen Radfahrerin Saskia S. am Eppendorfer Weg in Eimsbüttel eine große Debatte um die Sicherheit entfacht. Sie wurde von einem Lkw-Fahrer beim Abbiegen übersehen und überrollt. Der Fahrer wurde später zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Trotz der Diskussion stieg die Zahl der in Hamburg verunglückten Radfahrer im vergangenen Jahr jedoch um 4,3 Prozent auf 3542 Kollisionen an. Die Zahl der verunglückten Radfahrer insgesamt stieg leicht von 2515 auf 2540, während die Zahl der Schwerverletzten aber abnahm. Vier Radfahrer starben bei Unfällen.

Polizei will intensiver gegen Falschparker vorgehen

Der designierte Verkehrssenator Tjarks sagte dem Abendblatt, dass es zur Erhöhung der Sicherheit für Radfahrer um drei wesentliche Dinge gehe: um sichere Kreuzungen, mehr geschützte Radwege („Protected Bike Lanes“) und die Einführung von Abbiegeassistenten für Lkw. Im neuen Koalitionsvertrag von SPD und Grünen heißt es dazu etwa, dass bei Kreuzungsneubauten „in geeigneten Fällen vorgezogene Aufstellflächen“ eingerichtet werden sollen – also Flächen, auf denen Radfahrer vor den Autos und damit gut sichtbar auf Grün warten. Hamburg befürworte „die verpflichtende Einführung von Rechtsabbiegewarnsystemen auf Bundesebene und setzt sich dafür ein, dass diese bereits ab einem zulässigen Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen verpflichtend zum Einsatz kommen“. Die Stadt rüste ihre „etwa 2200 kommunalen Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen bereits sukzessive mit Abbiege-Assistenzsystemen aus“.

Vier Frauen, acht Männer: Das ist der neue Senat

Für mehr Sicherheit soll auch die Polizei sorgen – durch ein intensiveres Vorgehen gegen Falschparker und mehr Geschwindigkeitskontrollen. Man wolle „die Verkehrsüberwachung ausbauen und sie durch mindestens 20 zusätzliche stationäre und mobile Verkehrsüberwachungsgeräte verbessern“, so der Koalitionsvertrag. Dieses Ziel bekräftigte am Mittwoch auch die Innenbehörde: „Der Radverkehr nimmt seit Jahren zu. Die Radverkehrssicherheit bildet daher einen besonderen Schwerpunkt der Verkehrssicherheitsarbeit.“

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