Corona-Lockerungen

Pfingsten: Party auf Sylt, Ausnahmezustand an Ostsee-Orten

Während auf Sylt gefeiert wurde, herrschte in Timmendorf Ausnahmezustand: Trotz coronabedingter Einschränkungen haben sich zu Beginn des Pfingstwochenendes viele Touristen und Ausflügler auf den Weg zur Nord- und Ostseeküste gemacht.

Während auf Sylt gefeiert wurde, herrschte in Timmendorf Ausnahmezustand: Trotz coronabedingter Einschränkungen haben sich zu Beginn des Pfingstwochenendes viele Touristen und Ausflügler auf den Weg zur Nord- und Ostseeküste gemacht.

Foto: dpa

Mehrere Badeorte wurden am Montag abgeriegelt – auf Sylt kam es zu massiven Verstößen. Staus in Hamburg länger als 2019.

Hamburg. Ansturm und Ausnahmezustand an den Küstenorten: Das sonnige Wetter und die Lockerungen nach den langen Corona-Einschränkungen haben am Pfingstwochenende zahlreiche Touristen an die Strände von Nord- und Ostsee gelockt. War die Lage in den Küstenorten am Sonntag noch entspannt, wurde es am Montag mancherorts schnell zu voll – und die Abstandsregeln nicht mehr beachtet.

In den Strandbädern Scharbeutz und Haffkrug war die Kapazitätsgrenze bereits am späten Vormittag erreicht, die Orte wurden gesperrt. „Bitte bleiben Sie zu Hause, und haben Sie Verständnis für die Maßnahmen“, bat Bürgermeisterin Bettina Schäfer auf Facebook. Auch in Timmendorf herrschte Ausnahmezustand. Rundfunkdurchsagen forderten auf, den Ort nicht mehr anzufahren. „Blechkolonnen führen im gesamten Ort zu Stillstand“, so ein Timmendorfer, der sich auf Facebook Sorgen um die Gesundheit der Einheimischen machte. „Das Einhalten der Schutzmaßnahmen kann bei den Besuchermengen nicht praktiziert werden.“

Massen-Party mit 3500 Menschen auf Sylt

Auf Sylt war es offenbar schon am Sonnabend zu teils chaotischen Zuständen gekommen. Zwar durfte die Insel (wie alle Nordfriesischen Inseln) am Pfingstwochenende wegen der Corona-Regeln nicht von Tagesgästen betreten werden. Dennoch kam es dort zu einer Massen-Party. Wie die „Bild“-Zeitung berichtete, spielten sich am Strand des Nobelorts Kampen beispiellose Szenen ab. Am Sonnabend hätten sich dort rund um ein Strandlokal etwa 3500 Personen versammelt, um zu feiern – ohne sich an die geltenden Abstandsregeln zu halten. Überwiegend Jugendliche sollen dort getanzt und Alkohol getrunken haben. Das Blatt zitierte Kampens Bürgermeisterin, die Menschen seien „von allen Seiten“ an den Strand gekommen.

Besucher sprachen focus.de gegenüber von einem ausufernden Geschehen und unaufmerksamen Sicherheitsleuten vor der „Buhne 16“. Das Thema Corona-Maßnahmen sei „ein Witz“ gewesen, so eine Touristin. „Mindestabstand gab es nicht, die Zwei-Haushalte-Regel auch nicht – das war alles egal.“ Den Strand bezeichnet sie als „bumsvoll“, die Leute wären dort in 20er-Gruppen beisammengesessen und gefeiert. Als einzige Einschränkung habe sie wahrgenommen, dass die „Buhne 16“ nur eine begrenzte Personenanzahl hereingelassen habe. Doch vor dem Lokal hätten „hunderte Leute“ in der Schlange gestanden – ohne Mindestabstand. Die Polizei rückte schließlich an und sperrte den gesamten Strandabschnitt.

Nach Angaben der Polizei sollen an einem Sylter Strandübergang vor einer öffentlichen Toilette viele Menschen gewartet haben, ihre Zahl habe im dreistelligen Bereich gelegen. Der Strandzugang wurde geschlossen, nur Menschen mit gültiger Kurkarte oder einer Strandkorbkarte hatten noch Zutritt.

Wissenswertes über Sylt

  • Sylt ist mit einer Fläche von 99,14 km Deutschlands viertgrößte Insel und die größte deutsche Nordseeinsel
  • Die Insel ist durch den mehr als elf Kilometer langen Hindenburgdamm seit 1927 mit dem Festland verbunden
  • Sylt ist 38 Kilometer lang und an der schmalsten Stelle nur 320 Meter breit
  • Die Hin- und Rückfahrt mit dem Autozug von Niebüll nach Westerland und zurück kostet derzeit knapp 100 Euro
  • Eine einfache Fahrt mit dem Regionalzug von Hamburg-Altona nach Westerland kostet rund 32 Euro

Tagestourismus-Verbot in St. Peter Ording: 200 Autos zurückgeschickt

Während an der Ostseeküste für Tagesgäste über Pfingsten keine speziellen Einschränkungen galten, herrschten an der Nordseeküste strengere Vorschriften. Ebenso wie für die nordfriesischen Inseln und Halligen galt für St. Peter-Ording über Pfingsten ein Betretungsverbot für Tagesgäste. An zwei Kontrollstellen an der Bundesstraße 202 und der Landstraße 305 wurden allein am Sonntag rund 800 Autos kontrolliert. „Davon mussten wir rund 200 zurückschicken“, sagte der Direktor des Amtes Eiderstedt, Herbert Lorenzen. Am Sonnabend waren an beiden Stellen sogar fast 1500 Fahrzeuge bei der Anreise nach St. Peter-Ording überprüft worden, von denen 126 umkehren mussen. „Insgesamt verliefen die Kontrollen sachlich und ruhig ohne Zwischenfälle, die Menschen waren einsichtig“, berichtete Lorenzen am Sonntag. „Manche sagten sogar 'gut, dass ihr kontrolliert'."

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Nachdem sich Reisende bei der Autoverladung von Niebüll nach Sylt noch am Sonnabend teilweise in Geduld üben mussten, verkehrte der Sylt-Shuttle am Sonntag planmäßig. Die Wartezeiten in Niebüll hätten maximal eine halbe Stunde betragen, von Westerland zum Festland gab es nach Angaben der Deutschen Bahn keine Verzögerungen. Auch der Rückreiseverkehr am Pfingstmontag sei ohne längere Wartezeiten verlaufen, erklärte ein Sprecher am Nachmittag.

Ordnungsamt war auf Norderney unterwegs

Auch auf Norderney spazierten viele Menschen am Strand entlang. In den engen Straßen der Stadt sei es manchmal schon schwierig gewesen, die Abstandsregeln einzuhalten, erklärte ein Polizeisprecher am Montag. Mitarbeiter des Ordnungsamtes seien deshalb auch am Wochenende unterwegs gewesen.

Platznot für Wohnmobile in Cuxhaven

In Cuxhaven gab es eine große Nachfrage nach Ferienwohnungen und Stellplätzen für Wohnmobile, wie Wolf-Dieter Schink, Geschäftsführer der Cux-Tourismus GmbH, am Montag sagte. Der Andrang sei in diesem Jahr wegen der vorherigen Corona-Reisebeschränkungen besonders hoch gewesen. Dabei seien auch viele Tagesgäste gewesen. Etliche Besitzer von Wohnmobilen hätten Probleme gehabt, noch einen Stellplatz zu finden. Die Menschen hätten sich aber an die Mindestabstände gehalten, sagte Schink. Cuxhaven habe einen elf Kilometer langen Sandstrand, da verlaufe es sich. Auf der Strandpromenade sei es aber schon mal etwas voller geworden. Dort gilt ein „Rechtsgehgebot“, um Mindestabstände einzuhalten.

Staus in und um Hamburg länger als 2019

Zu längeren Staus und Verkehrsbehinderungen durch anreisende Touristen und Tagesausflügler ist es laut Polizei in Schleswig-Holstein bis Sonntag nicht gekommen. Lediglich auf der Autobahn 1 vor Lübeck gab es Verzögerungen. Dort wird derzeit aber auch gebaut.

In und um Hamburg geriet der Verkehr aber sogar noch mehr ins Stocken als im Vorjahr. Der ADAC zählte am Pfingstwochenende auf den Autobahnen 102 Staus. Das waren zwar elf weniger als im Vorjahr. Doch mit einer Gesamtlänge von 165 Kilometern (2019: 116 Kilometer) und 5954 Stauminuten (2019: 4750 Minuten) forderten sie in diesem Jahr sogar mehr Geduld von Autofahrern.

Auch in Mecklenburg-Vorpommern bewegten sich die Staus auf Vorjahresniveau. In den anderen Nordländern Bremen, Schleswig-Holstein und Niedersachsen hat sich die Zahl der Autoschlangen laut ADAC dagegen halbiert.

Überfüllte Seebrücke in Binz auf Rügen

Auf der Ostseeinsel Rügen in Mecklenburg-Vopommern sorgte am Sonntag lebhafter Nordostwind für Freude bei Wellenreitern und Kitesurfern. In der Nähe der mit Menschen überfüllten Seebrücke in Binz warteten die Surfer auf die höchsten Wellen.

Auch Spaziergänger und Sonnenbader bevölkerten bei Temperaturen um 15 Grad den Strand, der wegen des auflandigen Windes schmal geworden war. Seit dem Morgen war bei Windstärke 4, Seegang und Strömungen rot geflaggt gewesen – Baden und Schwimmen verboten. An einige Strandkörbe leckte das Wasser.

In der Fischräucherei Kuse in Binz herrschte einem Mitarbeiter zufolge reger Betrieb. Auf der Terrasse saßen die Gäste windgeschützt hinter Glas. Um das Abstandsgebot einzuhalten, ist die Zahl der Tische reduziert worden. Das Fischerboot hatten die Strandfischer weit hochgezogen – es hätte sonst weggespült werden können.