Corona-Krise

Flaute bleibt: Hamburger Hotelbetten über Pfingsten leer

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Ulrich Gaßdorf
Die neue Normalität an der Heilwigstraße in Harvestehude: Auch im Mai 2020 sitzen viele Menschen am Alsterlauf, auf dem Wasser sind zwei Stehpaddler („SUP“) unterwegs

Die neue Normalität an der Heilwigstraße in Harvestehude: Auch im Mai 2020 sitzen viele Menschen am Alsterlauf, auf dem Wasser sind zwei Stehpaddler („SUP“) unterwegs

Foto: Marcelo Hernandez / FUNKE Foto Services / MARCELO HERNANDEZ / FUNKE Foto Services

Um der Branche zu helfen, sollen Hamburger ihre Stadt als Touristen entdeckten und die Freizeitangebote und Hotels nutzen.

Hamburg.  Zwei Monate lang waren die meisten Hotels geschlossen, jetzt sind sie wieder geöffnet – doch die meisten Betten bleiben leer. Auch zu Pfingsten. Anstatt nahezu ausgebuchter Zimmer liegt die Auslastung wegen der Corona-Krise meist bei 20 bis 30 Prozent.

Der Baseler Hof an der Esplanade ist eines der traditionsreichsten Häuser in Hamburg, hier ist von einem Aufschwung wenig zu spüren. Von den 172 Zimmern, werden am Pfingstwochenende nur knapp 30 Prozent belegt sein. In den vergangenen Jahren hatte das Viersternehotel zu Pfingsten eine Auslastung von weit mehr als 80 Prozent.

„Es gibt momentan nur wenige Gäste, die sich für eine Städtereise begeistern können. Die Musicals und Theater sind geschlossen, das Vergnügungsviertel St. Pauli mehr oder weniger verwaist. Zahlreiche Buchungen die wir an diesem Wochenende haben, stammen noch aus der Zeit vor Corona“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter Niklaus Kaiser von Rosenburg dem Abendblatt.

Umsatzeinbußen bei 60 bis 80 in Hotels und Gaststätten

In der kommenden Woche werde die Auslastung bei weniger als 15 Prozent liegen. „Wir brauchen durchschnittlich mindestens 70 Prozent, um Gewinn zu erwirtschaften“, sagt Kaiser von Rosenburg, der auch Vizepräsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) ist. „In der Gastronomie und Hotellerie liegen die Umsatzeinbußen immer noch bei 60 bis 80 Prozent. In der nächsten Zeit werden viele Betriebe aufgeben müssen, weil sie wirtschaftlich nicht mehr überleben können.“

Vor Corona war der Tourismus eine Erfolgsgeschichte. Jedes Jahr konnten neue Rekorde verkündet werden – 2019 wurden mehr als 15,6 Millionen Hotelübernachtungen in Hamburg gezählt. Im Jahr 2020 werden es zwei bis drei Millionen weniger sein. Allein im März war die Zahl der Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahr um 62 Prozent auf 456.000 gesunken.

Hamburg-Tourismus-Chef Michael Otremba sagt im Abendblatt-Gespräch: „Wir haben erwartet, dass der Tourismus in Hamburg zunächst einmal langsam anläuft. Es ist ja nicht so, dass man auf einen Knopf drückt, und alles läuft wie vor dem Lockdown weiter.“ Die Tourismusbranche sei „komplett ausgebremst, viele Betriebe kämpfen noch um ihre Existenz“. Otremba: „Aber mit den ersten Gästen kommt auch die Zuversicht zurück, dass wir die Vielfalt im Hamburg-Tourismus erhalten können.“

Hamburger sollen in Hamburger Hotels übernachten

Das stadteigene Unternehmen Hamburg Tourismus GmbH (HHT) arbeitet an Kampagnen, um die unterschiedlichen Angebote der Branche zu zeigen. Und die richten sich nicht nur an Gäste. „Wir möchten auch die Hamburger dafür begeistern die Freizeitmöglichkeiten in ihrer eigenen Stadt zu entdecken, die lokalen Attraktionen zu besuchen oder auch mal in einem der Hotels vor Ort zu übernachten“, sagt Otremba.

Außerdem wirbt die HHT derzeit dafür, „dass die Hamburger ihre auswärtigen Freunde und Verwandte in die Hansestadt einladen. Wir haben dafür gemeinsam mit Hotels und touristischen Partnern passende Angebote entwickelt“, sagt Otremba. Mit „Entdecke Deutschland“ hat die HHT eine weitere Kampagne gemeinsam mit den anderen Tourismusorganisationen der Bundesländer gestartet. Auch Hamburg setzt erst einmal auf Touristen aus dem Inland und, wenn die Grenzen wieder geöffnet sind, auf Märkte wie Dänemark, Österreich oder die Schweiz.

Auch die Auslastung im Le Méridien an der Außenalster liegt am Pfingstwochenende bei gut 20 Prozent. 65 der 296 Zimmer sind reserviert – vielleicht kommen noch ein paar Kurzentschlossene dazu. Dem Vernehmen nach hatte das Luxushotel vor der Corona-Krise durchschnittlich eine Belegung von mehr als 80 Prozent. „Natürlich kann man mit der aktuellen Auslastung ein Hotel nicht wirtschaftlich führen. Der Tourismus läuft erst langsam wieder an, aber zumindest kommen Gäste, und das Haus füllt sich wieder mit Leben. Das ist auch für unsere Mitarbeiter ein wichtiges Signal“, sagt Direktor Anton Birnbaum.

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Viele Gäste sind nach wie vor verunsichert

Wenig los ist auch im Hotel Grand Elysée an der Rothenbaumchaussee: „Aktuell haben wir nur eine von sechs Hoteletagen in Betrieb, da die Nachfrage zurückhaltend ist. Es stehen nur wenige Geschäftsreisen an, und die privaten Besucher unserer Stadt warten noch ab“, sagt Direktor André Vedovelli.

Enttäuscht ist Marlies Head, geschäftsführende Gesellschafterin vom The Madison: „Die Auslastung zu Pfingsten liegt nur bei knapp einem Drittel und damit weit unter unseren Erwartungen. Viele Gäste sind nach wie vor verunsichert, nicht allein wegen des Virus, sondern vielmehr, ob sie überhaupt reisen dürfen oder welche Sehenswürdigkeiten und Attraktionen geöffnet sind. Durch die unterschiedlichen Regelungen in den Bundesländern herrscht hier große Verwirrung.“ Head, Schwester von Eugen Block (Block House), ist seit mehr als 60 Jahren im Geschäft und klagt: „Die aktuelle Situation ist in der Tat besorgniserregend, da die Nachfrage ausbleibt.“

Direktor des Hotel Atlantic ist zufrieden

Auch wenn die Buchungslage im Hotel Atlantic nicht anders aussieht, ist der geschäftsführende Direktor Franco Esposito zufrieden: „Wir erwarten an den Pfingsttagen 30 Prozent Belegung, was etwa 120 Gästen entspricht. Das ist in der jetzigen Lage ein positives Signal für die ersten Tage nach Wiedereröffnung des Atlantic am 29. Mai.“ In der Zukunft sieht Esposito Hamburg wieder als attraktives Städtereiseziel.

Flaute herrscht auch im Hafen. Von einer „noch extrem verhaltenen Nachfrage“, spricht Hubert Neubacher, Chef von Barkassen Meyer. Von großer Bedeutung seien in Zukunft wieder Großveranstaltungen, Messen und Kongresse, die Millionen auswärtige Besucher nach Hamburg locken, sagt HHT-Chef Otremba. Die Termine für den nächsten Hafengeburtstag (7. bis 9. Mai 2021) und die Hamburg Cruise Days (10. bis 12. September 2021) stehen bereits fest.

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