Hamburg

Corona-Krise: Wie die Psyche leidet – und was man tun kann

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Dr. Ania C. Muntau ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Das UKE macht jetzt unter Leitung von Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer eine neue Studie zur psychischen Situation von Kindern während der Corona-Krise.

Dr. Ania C. Muntau ist Direktorin der Klinik und Poliklinik für Kinder- und Jugendmedizin im Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Das UKE macht jetzt unter Leitung von Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer eine neue Studie zur psychischen Situation von Kindern während der Corona-Krise.

Foto: picture alliance/Christian Charisius/dpa/Pool/dpa

Neue UKE-Studie zu Kindern – und ein Vorstoß der FDP: Das Risiko, dass sich seelisches Leid verschlimmert, ist hoch – mit Folgen.

Hamburg. Es sind Ängste, Panikattacken und Depressionen: Viele Menschen in Deutschland entwickeln oder verstärken psychische Leiden während der Corona-Krise. Zwei wichtige Initiativen versprechen nun eine Linderung für die seelisch Corona-Kranken. Das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) widmet sich dabei den Kindern. In einer Studie in Zusammenarbeit mit der Hertie School in Berlin, dem Robert-Koch-Institut sowie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und der Gesundheitsbehörde werden auch Kinder und Jugendliche befragt.

Schon in sechs Wochen sollen Ergebnisse vorliegen und gleichzeitig Empfehlungen, was aus dieser sogenannten Copsy-Studie umgesetzt werden soll. Prof. Dr. Ulrike Ravens-Sieberer von der Forschungsgruppe „Child Public Health“ des UKE vermutet anhand erster internationaler Erkenntnisse bei Kindern ein „erhöhtes Risiko“ für psychische Auffälligkeiten.

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FDP: Krankenkassen müssen alle Behandlungen psychisch Kranker voll bezahlen

Die FDP-Fraktion hat unterdessen einen Antrag in den Bundestag eingebracht, in dem gefordert wird, dass alle psychischen Erkrankungen von den Krankenkassen auch voll bezahlt werden und dass man die Wartezeiten auf eine Therapie verkürzt.

In dem Antrag, der dem Abendblatt exklusiv vorliegt, heißt es: Für die „Dauer der epidemischen Lage von nationaler Tragweite nach dem Infektionsschutzgesetz“ solle die Budgetierung (Begrenzung) psychotherapeutischer Behandlungen aufgehoben werden. Auch müssten Psychotherapeuten, die keinen eigenen Arztsitz haben, gesetzlich versicherte Patienten direkt versorgen dürfen.

Wie der Hamburger FDP-Gesundheitsexperte Wieland Schinnenburg dem Abendblatt sagte, sollten die Patienten schneller Termine bekommen, um die psychische Erkrankung nicht zu verschlimmern. „Je länger die Schutzmaßnahmen gegen die Ausbreitung von Covid-19 dauern, desto höher die Gefahr, dass psychische Erkrankungen ausbrechen oder sich verschlimmern. Durch Homeschooling werden Familien stark beansprucht und der fast dauernde enge Kontakt lässt Konflikte aufbrechen. Bei Menschen, die bereits vor der Coronakrise psychisch krank waren, muss mit einer Verschlimmerung gerechnet werden.“

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Schinnenburg sagte, voll ausgebildete Psychotherapeuten hätten bislang aufgrund von restriktiver Bedarfsplanung keine Kassenzulassung. „Ich fordere Gesundheitsminister Jens Spahn auf, psychische Erkrankungen ernst zu nehmen und hier schnell Abhilfe zu schaffen.“

Der Mediziner und Jurist wies auch darauf hin, dass die Kosten für lange Krankschreibungen und Fehlzeiten enorm seien. Auch für die Patienten wirke sich das negativ aus. Umso dringender seien schnell zur Verfügung stehende Therapien.

( ryb )

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