Kultkneipe Zwick

Corona-Party: Promi-Wirt Uli Salm will Bußgeld nicht zahlen

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Daniel Herder
Die Kultkneipe  "Zwick" in Pöseldorf

Die Kultkneipe "Zwick" in Pöseldorf

Foto: Marcelo Hernandez

Dutzende Gäste der Kultkneipe Zwick feiern trotz geltender Auflagen. Einige bepöbeln die anrückenden Beamten. Die greifen durch.

Hamburg. Uli Salm, Inhaber der Hamburger Kultkneipe Zwick, hätte auf dieses „Geschenk“ zum 72. Geburtstag nur zu gern verzichtet. Gegen 2 Uhr am Sonntagmorgen klingelt sein Handy, am Apparat: einer seiner Mitarbeiter. Die Polizei räume seine Kneipe, erfuhr Salm, die Beamten hätten die Personalien von etlichen Gästen aufgenommen. Kaum jemand habe sich an die Corona-Auflagen gehalten. Zwei Stunden zuvor sei die Kneipe von feierwütigen Gästen regelrecht überrannt worden.

Salm droht jetzt ein in doppelter Hinsicht teures Nachspiel – einmal ein Bußgeld in Höhe von 5000 Euro, weil die Gäste mutmaßlich in eklatanter Weise und dutzendfach gegen die Corona-Auflagen verstoßen haben. Noch empfindlicher dürfte den Gastronom aber die erneute Schließung seines Lokals nach der coronabedingten Pause treffen.

Er selbst hat sich dazu entschlossen. „Jetzt zu öffnen, das wäre mir zu gefährlich, das Risiko möchte ich nicht eingehen“, sagt Salm. Solange Hamburg nicht ähnlich umfassende Lockerungen wie Thüringen beschließe, bleibe seine Kneipe dicht. Für die Gäste tue es ihm „sehr leid“.

Polizei löst wilde Party im Zwick auf

Anders als in Leer (Ostfriesland), wo bisher mindestens 22 neue Corona-Fälle nach einem Restaurantbesuch bekannt wurden, sind der Hamburger Gesundheitsbehörde bislang keine Neuansteckungen im Zusammenhang mit der Episode im Zwick bekannt – allerdings dauert es im Durchschnitt fünf bis sechs Tage von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit.

So wie es Uli Salm dem Abendblatt erzählt, hatte das Personal dem Ansturm in der Nacht zum Sonntag wenig entgegenzusetzen. Mehrfach seien die Gäste ermahnt worden, die Abstandsregeln einzuhalten – offenbar erfolglos. „Gegen Mitternacht wurde es plötzlich so voll, dass meine Leute gar nicht wussten, wie ihnen geschieht“, sagt der Zwick-Wirt.

Das Gedränge blieb auch in der Nachbarschaft nicht unbemerkt. Gegen ein Uhr alarmierten Anwohner die Polizei, im Zwick laufe gerade eine „wilde Party“. Keine zehn Minuten später schauten sechs Beamte nach dem Rechten.

Gäste bepöbeln die Beamten

Wie aus ihrem Bericht hervorgeht, stießen sie auf eine „nicht mehr zählbare Anzahl von Personen“, die sich in und vor der Kneipe tummelten. Das Zwick sei dermaßen überfüllt gewesen, dass seine Kollegen die Räume nicht hätten betreten können, sagt Polizeisprecher Florian Abbenseth. Die Gäste hätten „dicht an dicht gestanden, es gab engen Körperkontakt, niemand trug einen Gesichtsschutz, auch die Tresenbedienung nicht“.

Manche seien stark alkoholisiert gewesen und hätten „ungehalten“ auf das Erscheinen der Polizisten reagiert. „Sie wurden beschimpft und bepöbelt“, so Abbenseth. Folge: Weitere Streifenwagen, Bereitschaftspolizisten und ein Hundeführer rückten zum Lokal aus; dort machten die Beamten Tabula rasa: Party aus, Licht an, Feiervolk raus.

Insgesamt nahmen sie die Personalien von 89 Gästen auf. „Welche und wie viele Ordnungswidrigkeiten ihnen zugeordnet werden müssen, wird noch geprüft“, so Abbenseth. Hauptverantwortlich dafür, dass die Corona-Regeln eingehalten werden, sei ein 32 Jahre alter Angestellter gewesen.

Im Zwick Pöseldorf gehen Prominente ein und aus

Die Vorgänge in der Nacht zum Sonntag – sie waren auch eine Lehrstunde für den passionierten und erfahrenen Promi-Wirt. Uli Salm hatte sich auf die Vernunft und die Regeltreue seiner Gäste verlassen. Ihm gehören die zwei Zwicks in Hamburg, eins steht auf St. Pauli, das andere in Pöseldorf. Insbesondere die Dependance am Mittelweg gilt als eine der Topadressen für Nachtschwärmer in Hamburg. Nicht selten mischen sich Prominente unter die Gäste. Regelhaft ist das „Rockin‘ Restaurant“ an den Wochenenden bis zum Bersten gefüllt.

Während das Zwick St. Pauli bereits am 15. Mai wieder öffnete, mussten Fans des Zwicks Pöseldorf weitere sechs Tage ausharren. Am Standort Mittelweg habe sich die Umsetzung der (jüngst gelockerten) Corona-Auflagen als besonders schwierig erwiesen, so Salm. „Aber wir haben alles Menschenmögliche getan, überall lagen Zettel, die auf die Bestimmungen und Abstandsregeln hinwiesen, lagen Listen, in die sich die Gäste eintragen sollten. Wir haben Teile des Tresens und der Tische gesperrt und Spender mit Desinfektionsmitteln aufgestellt.“

Und in den ersten drei Tagen sei auch alles rund gelaufen. „Es war ein wenig voller, aber die Auflagen wurden seitens der Gäste gut eingehalten.“

Salm will 5000 Euro Bußgeld nicht zahlen

Dann kam das Wochenende – und Salms Traum von fröhlich feiernden und gleichzeitig regelkonformen Gästen fiel in sich zusammen wie die Schaumkrone im frisch Gezapften. Von der Polizei hätte sich der 72-Jährige dennoch ein umsichtigeres Vorgehen gewünscht. „Eine Verwarnung hätte doch ausgereicht, dann hätten wir das Zwick sofort geschlossen.“

Gegen das Bußgeld in Höhe von 5000 Euro werde er Widerspruch einlegen. Wie reagiert die Gastronomie-Szene auf die Regelverstöße im Zwick? Erstaunlich entspannt. „Es wäre der einzige Fall, der uns in Hamburg bekannt wurde“, sagt Franz J. Klein, Präsident des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes in Hamburg. Der Dehoga vertritt in der Hansestadt rund 1600 Unternehmen aus Gastronomie und Hotellerie. Klein: „Insofern befürchten wir keine negative Auswirkungen auf die Hamburger Gastronomie insgesamt.“

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

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