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Corona-Beschränkungen: Kontrollen, aber keine Verstöße

| Lesedauer: 11 Minuten
Eine Hafenfähre legt an den Landungsbrücken ab.

Eine Hafenfähre legt an den Landungsbrücken ab.

Foto: Andreas Laible / HA

Nur wenige Neuinfektionen in Hamburg. Mehr als 50 Fälle bei Amazon in Winsen. Spielhallen durch Corona-Regeln benachteiligt.

Hamburg. Entspannt sich die Corona-Krise im Norden? Das Verhalten der Menschen am Vatertag wird mit Sicherheit Einfluss auf die Zahl der Neuinfektionen in ein bis zwei Wochen haben – in allen norddeutschen Bundesländern haben Behörden und Politik davor gewarnt, an Christi Himmelfahrt die weiterhin geltenden Abstandsregeln und Beschränkungen zu ignorieren: Welche Vorschriften gelten, haben wir in einer Übersicht zusammengestellt. Bis zum Nachmittag war die Polizei im Norden zufrieden: Schwerwiegende Verstöße gegen die Regeln gab es nicht.

Auch die Zahlen in Hamburg haben sich in den letzten Tagen positiv entwickelt: Die Zahl der Neuinfektionen liegt fast durchgängig im einstelligen Bereich, am Dienstag wurde sogar erstmals seit Anfang März kein neuer Covid-19-Fall bekannt. Zuletzt waren am Donnerstag sechs weitere Erkrankte gemeldet worden.

Der Newsblog für Hamburg und den Norden am Feiertag (21. Mai):

Keine neuen Corona-Fälle in Mecklenburg-Vorpommern

In Mecklenburg-Vorpommern sind innerhalb eines Tages keine neuen Corona-Infektionen festgestellt worden. Das teilte das Landesamt für Gesundheit und Soziales am Donnerstag mit. Es war das zweite Mal seit Beginn der Pandemie, dass keine Neuinfektionen in dem Land registriert wurden. Allerdings war Donnerstag auch ein Feiertag. Insgesamt wurden in Mecklenburg-Vorpommern bislang 762 Menschen positiv auf das Virus getestet.

Polizei kontrolliert in Schleswig-Holstein – Hamburger halten sich an Regeln

Das von mehreren Landkreisen und Kommunen ausgesprochene Verbot für Tagestouristen in Schleswig-Holstein wird von Polizei und Ordnungsamt kontrolliert: Auf der Landstraße kurz vor St. Peter Ording bildeten sich lange Autoschlangen vor dem Kontrollpunkt. Zum Schutz vor Ansteckung ist der Zutritt für Tagestouristen unter anderem auf den Nordseeinseln Sylt, Helgoland, Föhr und Amrum verboten.

Um das durchzusetzen, sperren Ordnungsamt und Polizei die Zufahrten bereits ab dem frühen Morgen ab. „Die meisten zeigen Verständnis für die Kontrollen“, sagt Amtsdirektor Herbert Lorenzen. Selbst, wenn sie zurück geschickt werden wie ein Ehepaar aus dem Wetteraukreis in Hessen, das nicht nach St. Peter Ording darf. Der Mann zuckt gleichmütig mit den Schultern und wendet sein Auto, um anderswo den sonnigen Tag mit seiner Frau zu genießen.

Auch in Büsum werden die Ansammlungs- und Kontaktverbote problemlos eingehalten. Die Situation an Deich und Strand „ist ruhig und entspannt, und die Abstandsmaßnahme funktioniert bis jetzt“, sagt Olaf Raffel vom Tourismus Marketing Service. „Die Gäste verteilen sich durch die fünf Meter-Abstände der Strandkörbe entlang des gesamten Deichs.“

In Hamburg lockt das frühsommerliche Wetter vor allem Spaziergänger und Wassersportler nach draußen: An und auf der Alster herrscht reges Treiben, grobe Verstöße gegen die Kontaktbeschränkungen sind bisher nicht beobachtet worden – auch nicht durch die vereinzelten Vatertags-Ausflügler mit Bollerwagen.

An der Elbe erfreuen sich – wie an jedem Tag mit schönem Wetter – die Hafenfähren großer Beliebtheit. Die Maskenpflicht, die auch an Bord der Hadag-Fähren als Teil des öffentlichen Personennahverkehrs gilt, wird überwiegend eingehalten. Bis zum Nachmittag waren beim Lagedienst der Polizei noch keine Einsätze bekannt, die auf Verstöße gegen die Corona-Regeln zurückgehen.

Nur wenige Neuinfektionen in Hamburg

Die tägliche Zahl der Neuinfektionen bleibt in Hamburg auf niedrigem Niveau: Seit Mittwoch sind nur sechs weitere Fälle hinzugekommen, damit liegt die Gesamtzahl der bekannten Covid-19-Erkrankungen bei 5051. Die Gesundheitsbehörde geht davon aus, dass der allergrößte Teil dieser Menschen inzwischen genesen ist und beziffert die Zahl der akuten Fälle mit 200. 47 Hamburgerinnen und Hamburger werden derzeit wegen einer Coronavirus-Erkrankung im Krankenhaus behandelt, 18 von ihnen auf der Intensivstation.

Das Robert-Koch-Institut meldet Stand heute 239 Corona-Tote in Hamburg (+3 im Vergleich zum Vortag). Das Institut für Rechtsmedizin sieht bei 211 Verstorbenen eine Covid-19-Erkrankung als todesursächlich an (+1 im Vergleich zum Vortag).

Mehr als 50 Corona-Fälle bei Amazon in Winsen

In einem Logistikzentrum des Online-Händlers Amazon im niedersächsischen Winsen an der Luhe sind 53 Corona-Infektionen festgestellt worden. Das geht aus einer Antwort der Landesregierung in Hannover auf eine Anfrage der Grünen hervor. Die Angaben beziehen sich auf den Zeitraum vom 16. März bis 29. April. Amazon zufolge sind im Mai keine weiteren Fälle hinzugekommen. Insgesamt sind an dem Standort rund 1800 Menschen beschäftigt.

Ein Amazon-Sprecher teilte am Mittwoch auf Anfrage mit, das Unternehmen tue alles, um die Mitarbeiter „so weit wie möglich zu schützen“. Im Zuge der Corona-Krise seien mehr als 150 Prozesse in der Logistik angepasst worden: „Nichts ist uns wichtiger als die Gesundheit und das Wohlergehen der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.“

Amazon hat am Eingang des Komplexes Wärmebildkameras aufgestellt und weitere Kontrollen eingerichtet – zur Zahl der Erkrankten machte man auf Abendblatt-Anfrage Anfang Mai aber keine Angaben.

Autokino auf dem Heiligengeistfeld: Welche Filme laufen

Gute Nachrichten in der Corona-Krise: Ab Juni können Hamburger auf dem Heiligengeistfeld in einem Autokino Filmklassiker und Blockbuster sehen. Die Bergmann-Gruppe, die auch die Harley Days veranstaltet, hat in Kooperation mit den Zeise-Kinos dafür den Zuschlag erhalten. Das Autokino soll „Bewegte Zeiten – Das Autokino für Hamburg“ heißen und mit dem Film "Lindenberg! Mach dein Ding" Premiere feiern. Welche Filme außerdem gezeigt werden.

Zahl der Corona-Fälle in Schleswig-Holstein steigt nur leicht

In Schleswig-Holstein ist die Zahl der offiziell gemeldeten Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus nach Angaben der Landesregierung zuletzt binnen 24 Stunden um sieben Fälle gestiegen. Somit beträgt die Gesamtzahl der seit Ausbruch der Corona-Krise nachgewiesenen Fälle mit Stand Mittwochabend 3021, wie die Landesregierung auf ihrer Webseite unter Berufung auf das Robert Koch-Institut mitteilte.

Die Zahl der Gestorbenen erhöhte sich demnach um drei auf 134. Rund 2700 Infizierte gelten inzwischen wieder als gesund. 31 werden noch in Krankenhäusern behandelt.

Sieben Wochen Intensivstation: letzter französischer Patient entlassen

Der letzte der sechs französischen Patienten, die in den Kliniken des UKSH in Lübeck und Kiel wegen einer schweren Covid-19-Erkrankung behandelt worden waren, ist zurück in seiner Heimat. Nach sieben Wochen intensivmedizinischer Versorgung wurde der Mann am Dienstag entlassen und mit einem Sonderflug der Luxembourg Air Ambulance ins Elsass ausgeflogen. Beim Ausbruch des Coronavirus im französischen Mulhouse und Colmar waren die dortigen Kliniken Ende März so überlastet, dass sie einen internationalen Hilfeaufruf gestartet hatten.

DRK ruft zu mehr Blutspenden auf

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ruft zu mehr Blutspenden auf: Durch die Wiederaufnahme des regulären Betriebs in den Kliniken sei der Bedarf an Spenderblut sprunghaft wieder angestiegen, die Präparate seien aber teilweise nur wenige Tage haltbar. Zudem war die Spendebereitschaft im Zug der Corona-Pandemie zurückgegangen.

Um die Versorgung während und nach dem langen Pfingstwochenende sicherstellen zu können, hat das DRK Nord mehrere Sonder-Spendetermine eingerichtet: Am Pfingstmontag (1. Juni) wird in Geesthacht, Bad Bramstedt, Kropp und Heide Spenderblut gesammelt. Spendewillige können sich auf blutspende.de über die genauen Termine und Orte informieren und einen Termin reservieren. Das DRK weist darauf hin, dass die Hygienemaßnahmen vor Ort gegeben sind: Unter anderem wird das Ansteckungsrisiko durch eine Maskenpflicht bei allen Beteiligten, durch größtmöglichen Abstand zwischen den Spendern und medizinische Kurzkontrollen gewährleistet.

Weil eine Übertragung von Sars-CoV-2 durch Blut nach derzeitigem medizinischen Kenntnisstand unwahrscheinlich ist, werden die Spenden nicht auf das Coronavirus getestet.

Spielhallen durch Corona-Regeln benachteiligt

Das Verwaltungsgericht Hamburg hat nach Fitnessstudios nun auch Spielhallen als durch die Coronavirus-Eindämmungsverordnung benachteiligt eingestuft. Das Gericht teilte am Donnerstag mit, dass Spielhallen im Vergleich zu Gaststätten benachteiligt würden, da bei beiden Betriebsformen vergleichbare Voraussetzungen und Infektionsrisiken gegeben seien: Entsprechend sei für die Kammer nicht ersichtlich, warum Gaststätten unter Einhaltung von zusätzlichen Hygieneregeln öffnen dürfen, Spielhallen aber nicht.

Gegen die Entscheidung hat die Stadt beim Hamburgischen Oberverwaltungsgericht Beschwerde erhoben – dieses hat bereits entschieden, dass Spielhallen bis zur weiteren rechtlichen Klärung des Sachverhalts trotz der jetzt ergangenen Entscheidung vorerst nicht öffnen dürfen.

Corona-Demos machen Polizei zunehmend Probleme

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Schleswig-Holstein hält an Corona-Grenzwert fest

Anders als andere Länder hält Schleswig-Holstein an dem mit dem Bund vereinbarten Grenzwert im Frühwarnsystem für Corona-Neuinfektionen derzeit fest. Es sei momentan auch keine Senkung geplant, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums der Deutschen Presse-Agentur. Bund und Länder hatten sich auf den Grenzwert von 50 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen in einer Stadt oder einem Kreis geeinigt.

Bayern setzte den Grenzwert mittlerweile auf 35 Neuinfektionen pro 100 000 Einwohner herab. Berlin entwickelte ein Warnsystem, das bereits bei 30 auf Rot schaltet.

In Baden-Württemberg soll ab 35 Neuinfektionen eine Vorwarnstufe „gelb“ gelten. Ähnlich in Schleswig-Holstein: Hier werden laut Gesundheitsministerium spätestens ab 30 Neuinfektionen je 100 000 Einwohner konkrete Abstimmungen mit den Landräten und Oberbürgermeistern der kreisfreien Städte vorgenommen. Bei mehr als 50 Neuinfektionen werde dann sofort ein „konsequentes Beschränkungskonzept“ umgesetzt.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum, und halten Sie mindestens 1,50 Meter Abstand zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an Ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

"AKK": Sind die Corona-Einschränkungen übertrieben?

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( josi/dpa )

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