Jahresbilanz

Rekord! Zoll stellt Kokain für 1,5 Milliarden Euro sicher

| Lesedauer: 5 Minuten
Dorothea Benedikt
Im Sommer 2019 entdeckten Fahnder in einem Containerschiff im Hamburger Hafen gleich 4,5 Tonnen Kokain. In den 211 Taschen befanden sich 4200 Pakete mit der Droge.

Im Sommer 2019 entdeckten Fahnder in einem Containerschiff im Hamburger Hafen gleich 4,5 Tonnen Kokain. In den 211 Taschen befanden sich 4200 Pakete mit der Droge.

Foto: Hauptzollamt Hamburg

Rund 6,8 Tonnen der Drogen in Hamburg entdeckt. Den Beamten gingen auch viele Plagiate und Schwarzarbeiter ins Netz.

Hamburg. Noch nie hat der Hamburger Zoll so viel Kokain innerhalb eines Jahres sichergestellt wie im vergangenen Jahr. 2019 entdeckten die Fahnder rund 6,8 Tonnen der weißen Droge, die nach Hamburg geschmuggelt wurde. Der Zoll schätzt den Straßenverkaufswert auf rund 1,5 Milliarden Euro. Bislang galt das Jahr 2017 als Rekordjahr. Damals wurde rund 3,8 Tonnen Kokain in Hamburg entdeckt.

„Herausragend im vergangenem Jahr waren zwei Rekordsicherstellungen im Bereich des Kokainschmuggels“, heißt es in der Vorstellung der Jahresbilanz des Hamburger Zolls. Im Juli entdeckten die Zollfahnder 4,5 Tonnen hochreines Kokain verpackt in 4200 Sporttaschen in einem Container aus Uruguay. „Laut Schiffsmanifest sollte der aus Südamerika kommende Container mit Sojabohnen beladen sein“, erklärt Oliver Bachmann, Sprecher des Hauptzollamts Hamburg. Es ist der bislang größte Kokainfund in Deutschland, der allein einen Straßenverkaufswert von einer Milliarde Euro hat.

Zoll stellt Risikoanalyse auf

Nur knapp einen Monat nach der Rekordsicherstellung wurden rund 1,5 Tonnen Kokain in einen Container aus Brasilien im Hamburger Hafen entdeckt. Um die illegale Ware in den Tausenden von Containern im Hafen zu finden, stellt der Zoll eine Risikoanalyse auf. „Wir bewerten beispielsweise die Schiffsrouten oder prüfen, ob die Reedereien besonders anfällig für den Drogenschmuggel sind“, sagt Bachmann. Auch die Zusammenarbeit mit den Behörden im Starthafen spiele bei der Analyse eine Rolle. „Am Ende haben wir ganz viele Mosaiksteinchen, die ein Bild ergeben“, sagt der Zollsprecher und betont, dass dieses Bild bei den beiden Rekordfunden „besonders markant“ war.

Weil beide Container weiter nach Antwerpen transportiert werden sollten, mussten die Zollfahnder die Ladung noch auf dem Schiff kontrollieren. „Je nachdem wo sich der Container befindet, kann das schon mal zur Herausforderung werden“, so Bachmann.

Vom Hamburger Zoll 2019 sichergestellte Drogen:

  • 6,8 t Kokain
  • 58,8 kg Amphetamin
  • 16 kg Kath
  • 5,4 kg Haschisch
  • 3,8 kg Heroin

Einfacher ist die Kontrolle, wenn der Container im Hamburger Hafen abgeladen wird. Dann haben die Beamten die Möglichkeit, den Container durch eine Röntgenanlage zu schicken. Diese kommt laut Zoll auch mehrmals täglich zum Einsatz. Dabei geht es nicht nur darum, geschmuggeltes Rauschgift zu entdecken.

Plagiate im Wert von 34,3 Millionen Euro sichergestellt

Die Zollfahnder suchen auch nach Produktfälschungen, Waffen, Tabak oder Waren, die unter den Artenschutz fallen. So wurden 2019 Plagiate im Wert von rund 34,3 Millionen Euro entdeckt – ein deutlicher Rückgang im Vergleich zum Vorjahr. 2018 schätzte der Hamburger Zoll den Wert der sichergestellten Produktfälschungen auf rund 54 Millionen Euro.

Laut Zoll werden am häufigsten Spielzeuge und Sportartikel gefälscht. „Auf Platz zwei liegen Nahrungsmittel und Getränke und auf Platz drei Kleidung“, sagt Oliver Bachmann. Die meisten Plagiate kommen in Containern oder Paketen aus China (73,6 Prozent). Am zweithäufigsten aus der Türkei (4,3 Prozent), auf Platz drei liegt Thailand (3,1 Prozent).

Wohin die Plagiate letztlich weitertransportiert werden, ist oft nicht klar. Oft gehen sie nach Osteuropa. Doch auch hierzulande können die Produktfälschungen beim Kunden landen. Bachmann warnt, dass insbesondere bei auffällig günstigen Angeboten im Internet Vorsicht geboten sein sollte.

Hamburger Zoll möchte mehr als 100 neue Mitarbeiter einstellen

Ein weiterer Schwerpunkt der Arbeit des Hamburger Zolls ist die Bekämpfung von Schwarzarbeit. Christian Schaade, Leiter des Hauptzollamts Hamburg, bilanziert: "Das Hauptzollamt Hamburg hat im Jahr 2019 bei mehr als 1300 Arbeitgebern Prüfungen der Betriebe durchgeführt. Im Zusammenhang mit diesen Prüfungen leiteten die Beamten fast 2.600 Strafverfahren und fast 800 Bußgeldverfahren ein. Die ermittelte Schadenssumme belief sich auf über 13,7 Millionen Euro." Dabei handelt es sich um Geld, das nicht an die Sozialversicherungen wie Kranken- oder Rentenversicherungen gezahlt wurde.

Um auch in Zukunft gut im Kampf gegen den Drogenschmuggel, Schwarzarbeit und Produktpiraterie aufgestellt zu sein, stellt der Zoll landesweit verstärkt ein. Laut Bachmann sollen in diesem Jahr bis 130 neue Mitarbeiter ihre Ausbildung in Hamburg beginnen. Zusätzliche Kräfte würden insbesondere im Kampf gegen die Schwarzarbeit und bei der Zollabfertigung gebraucht. „Ferner wissen wir nicht, was mit dem Brexit noch auf uns zukommt.“

Einnahmen des Hamburger Zolls 2019:

  • 32 Milliarden Euro hat der Hamburger Zoll eingenommen und damit fast ein Viertel der bundesweiten Zolleinnahmen (141,6 Mrd)
  • 30,4 Milliarden kommen dem Deutschen Fiskus zugute. Der Großteil (17 Mrd) ist auf die Energiesteure zurückzuführen, die Mineralölkonzerne zahlen müssen. Die Einfuhrumsatzsteuer betrug rund 12,2 Milliarden Euro.
  • 1,6 Milliarden Euro gehen an die Europäischen Union.

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