Medizin

Neubau für Immunforscher am Uniklinikum Eppendorf

So könnte der zweiteilige Neubau für das geplante Immunforschungszentrum HCTI (l.) und für den geplanten Campus Forschung II (r.) aussehen.

So könnte der zweiteilige Neubau für das geplante Immunforschungszentrum HCTI (l.) und für den geplanten Campus Forschung II (r.) aussehen.

Foto: HDR Architekten, Düsseldorf

Das geplante Zentrum soll rund 45 Millionen Euro kosten. Die Gutachter des Wissenschaftsrats schüren die hohen Erwartungen.

Hamburg. Erst im zweiten Anlauf gewannen die Immunforscher des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) die begehrte Unterstützung des Wissenschaftsrats (WR). Nun aber lobt das Gremium die Hamburger Pläne in höchsten Tönen: Das ausgewählte Thema sei „medizinisch­ sowie gesellschaftlich sehr relevant“, das konzipierte Forschungsprogramm könne „aufgrund des hohen Innovationspotenzials als herausragend gelten“, die beteiligten Wissenschaftler seien „national wie international ausgewiesen“, heißt es in den Ende April veröffentlichten Empfehlungen des WR zur Förderung von Forschungsbauten.

Durch dieses Votum ist es sehr wahrscheinlich, dass der Bund die Finanzierung des voraussichtlich 45,4 Millionen Euro teuren Hamburg Centers for Translational Immunology (HCTI) am UKE zur Hälfte übernehmen wird.

Es soll dort um die Erforschung von Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose und um chronisch-entzündliche Erkrankungen etwa der Leber, der Nieren und des Darms gehen. Sie entstehen durch eine Fehlsteuerung des Immunsystems, das überschießend reagiert und sich gegen den Körper richtet, statt ihn zu schützen.

Verfestigen sich solche Erkrankungen, können sie Teile von Organen dauerhaft schädigen und unter Umständen lebensbedrohlich verlaufen, sagt Prof. Ulf Panzer, Internist und Nierenarzt am UKE. Von Autoimmun­erkrankungen seien weltweit etwa fünf bis acht Prozent der Bevölkerung betroffen, „mit steigender Tendenz“, sagt Panzer, der federführend den Antrag beim Wissenschaftsrat zum Erfolg brachte.

Mehr Platz für Labore

Es gibt noch viel zu tun für Forscher wie ihn. Wie die erwähnten Erkrankungen entstehen, sei bisher ungenügend verstanden, sagt Panzer. Erheblich verbessern lasse sich die Übertragung neuer Forschungsergebnisse in die klinische Anwendung – ein Prozess, den Mediziner als Translation bezeichnen.

Therapien für Betroffene bestehen bisher aus einer ungenauen Unterdrückung des Immunsystems, die oft unzureichend funktioniert und schwere Nebenwirkungen haben kann, wie Panzer sagt.

Das geplante HCTI soll den einen Teil eines zweiteiligen Gebäudekomplexes bilden, in dem künftig auch die Infektionsexperten des UKE arbeiten sollen, sodass Studien zu Entzündungen, Infektionen und Immunität bald unter einem Dach vorangetrieben werden könnten – von der Grundlagenforschung bis zur angewandten Forschung.

Dadurch sollen sich die beteiligten Disziplinen besser vernetzen. Es soll mehr Platz als bisher für Labore geben, beantragt sind zudem Großgeräte der jüngsten Generation im Wert von 2,5 Millionen Euro.

Neuartige Verfahren

Am HCTI sollen zudem neuartige Verfahren wie die Einzelzellanalyse zur Anwendung kommen. Dieser Forschungszweig, 2018 vom Fachjournal „Science“ zum Durchbruch des Jahres erklärt, zielt darauf ab, in einem Gewebe in jede einzelne Zelle hineinschauen zu können und Krankheitszeichen dort möglichst früh zu erkennen, um anschließend mit einer passgenauen Therapie für den Patienten gegensteuern zu können. Dafür müsste es solche Therapien allerdings geben.

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Auch andere deutsche Standorte – etwa Berlin, Bonn und Würzburg – sind stark in der Immun- und Entzündungsforschung. Um den Wissenschaftsrat vom Konzept für den Neubau des HCTI zu überzeugen, musste das UKE zunächst eine Schippe drauflegen und eine zusätzliche Professur für Systemimmunologie ausschreiben.

In dieser Forschungsrichtung geht es darum, Daten aus Studien etwa mithilfe künstlicher Intelligenz auszuwerten und für Computersimulationen nutzbar zu machen. Die Leiterin oder der Leiter dieser künftigen Abteilung soll dazu beitragen, dass Forschungsergebnisse am UKE schneller als bisher nutzbar werden. Bei den Verhandlungen für diese Stelle befinde man sich „im Endspurt“, heißt es aus dem UKE.

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Die Gutachter des Wissenschaftsrats schüren die hohen Erwartungen an das neue Hamburger Zentrum: Es könne „davon ausgegangen werden, dass die internationale Sichtbarkeit von in Deutschland erzielten Forschungsergebnissen durch das HCTI weiter erhöht wird“, schreiben sie. Im HCTI sollen etwa 250 Mitarbeiter zusammengeführt werden, wie Ulf Panzer sagt.

Den Architekturwettbewerb für das zweiteilige Gebäude samt des geplanten Campus Forschung II gewannen 2018 die Architekten des Düsseldorfer Büros HDR. Ihr Entwurf zeigt zwei fünfgeschossige Riegel aus Backstein, die über eine zentrale gläserne Halle erschlossen werden.

Nach Angaben der Wissenschafts­behörde hat die Bürgerschaft dem Vorhaben schon zugestimmt – vorbehaltlich der Beteiligung des Bundes. Die endgültige Entscheidung über die Förderung trifft voraussichtlich am 26. Juni die Gemeinsame­ Wissenschaftskonferenz (GWK) des Bundes und der Länder. Ende 2023 könnte das neue Forschungszentrum am UKE in Betrieb gehen.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden