Koalitionsverhandlungen

Hamburg plant Schwimmbäder und Sporthallen

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Rainer Grünberg
Sportsenator Andy Grote (51) will mehr Bewegungsmöglichkeiten in Parks schaffen.

Sportsenator Andy Grote (51) will mehr Bewegungsmöglichkeiten in Parks schaffen.

Foto: Andreas Laible

Exklusiv: SPD und Grüne wollen weiter in Infrastruktur investieren, Kinder in Bewegung bringen und die Vereine stärken.

Hamburg.  SPD und Grüne haben in ihren Koalitionsverhandlungen die gesellschaftliche und gesundheitliche Bedeutung von Sport und Bewegung für den Zusammenhalt und das Lebensgefühl in einer modernen Großstadt hervorgehoben und entsprechende Maßnahmen für die nächsten fünf Jahre beschlossen. „Was wir 2016 mit unserer Active-City-Strategie begonnen haben, wollen wir kraftvoll fortsetzen und jetzt die nächste Stufe zünden. Wir wollen überall in der Stadt, im öffentlichen Raum, in Parks und Grünanlagen weitere kostenlose Bewegungsangebote schaffen, die allen Bürgerinnen und Bürgern zugänglich sind“, sagte Sportsenator Andy Grote (SPD) im Gespräch mit dem Abendblatt. Ein solch umfangreiches Konzept wie das der Active City entfalte erst seine volle, nachhaltige Wirkung, wenn es über einen längeren Zeitraum umgesetzt werde.

Alles, was viel Geld kostet, haben die Koalitionäre in ihrem Papier explizit benannt. Der Ausbau der Sportinfrastruktur wird ohne Abstriche fortgesetzt. Bis 2027 ist im Rahmen des Schulausbauprogramms der Neubau von 130 Hallen und die Sanierung von 150 Anlagen geplant. Schon jetzt stehen Vereinen und Verbänden 564 Sporthallen entgeltfrei zur Verfügung. Der Olympiastützpunkt in Dulsberg soll bis 2025 modernisiert, der Active-City-Modellstadtteil Oberbillwerder mit seiner neuartigen Bewegungskultur bis zum Ende der Dekade realisiert werden. Der Bau und Betrieb öffentlicher Sportstätten wird unter dem Dach der Gebäudemanagements Hamburg (GMH) GmbH stärker gebündelt. Dafür gründet die Stadt die Sparte „GMH-Sport“.

Zusätzliche Wasserzeiten für das Kinderschwimmen

Fürs Kinderschwimmen und den Reha-Sport sollen zusätzliche Wasserzeiten geschaffen, Freibäder wie das Stadtparkbad erhalten werden. Die Sanierung der Alsterschwimmhalle wird fortgesetzt, für die älteren Bäder im Süderelberaum ein Sanierungskonzept erstellt. In Hamm-Süd ist im Sportzentrum Aschberg ein neues Hallenbad vorgesehen. Das St.-Pauli-Bad an der Budapester Straße soll in Kooperation mit dem FC St. Pauli und möglichst mit Bundesmitteln umgestaltet und in den Gebäudekomplex eine Dreifeldhalle integriert werden. Das Bad an der Elbgaustraße wird erweitert, wenn es sich dann wirtschaftlich betreiben lässt. Die Eintrittspreise sollen familienfreundlich bleiben.

„Der Senat ist trotz der Corona-Krise bereit, in den nächsten Jahren in neue, leistungsfähige Strukturen für die Stadt zu investieren. Es soll kein Sparprogramm geben, sondern wir wollen den wirtschaftlichen Motor der Stadt wieder anschmeißen“, sagt Grote.

Kooperation Schule/Verein und die Nachmittagsbetreuung sollen ausgebaut werden

Ein Schwerpunkt der Sportpolitik bleibt die Bewegungsförderung für Kinder und Jugendliche. Die Kooperation Schule/Verein und die Nachmittagsbetreuung sollen ausgebaut werden. „Wir wollen in diesem Bereich Zählbares erreichen“, sagt Grote, „wir wollen mehr Kinder in die Vereine bringen, mögliche Bewegungsdefizite im Grundschulalter mit einem umfassen Screening frühzeitig ermitteln, um danach mit gezielten Angeboten effektiv gegensteuern zu können.“ Dafür sei es nötig, in Zusammenarbeit mit der Schulbehörde beim Bau neuer Schulgebäude und Schulhöfe Bewegungskomponenten einzuplanen. Das könnten Basketballkörbe, Kleinspielflächen oder Laufbahnen seien.

Corona-Lockerungen: Das ist wieder erlaubt

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Grundsätzlich will die alte und neue Koalition die Vereine stärken, „weil sie als Keimzelle demokratischer Selbstorganisation für den gesellschaftlichen Zusammenhalt unschätzbare Dienste leisten“, sagt Grote. Der Sportfördervertrag der Stadt mit dem Sportbund (HSB) und dem Fußballverband soll auf hohem Niveau, zuletzt mehr als zehn Millionen Euro im Jahr, fortgeschrieben werden. Die Corona-Hilfen seien davon unabhängig, betont der Senator, sie solle es „solange geben, wie sie benötigt werden“. Bisher wurden rund 470.000 Euro an nicht zurückzahlbaren Zuschüssen aus dem Nothilfefonds (Volumen: fünf Millionen Euro) von den Clubs abgerufen.

Mehr Frauen in Vorständen

Integration, Inklusion, Stärkung des Ehrenamts, mehr Frauen in Vorständen sind weitere Ziele für die nächsten Jahre. „Wir wollen nicht nur alte weiße Männer wie mich auf den Gruppenfotos sehen, die gesellschaftliche Wirklichkeit muss in den Organisationsstrukturen besser abgebildet werden“, fordert Grote im Namen von SPD und Grünen. Dazu habe es keine konkreten Beschlüsse gegeben, „wir wollten aber dieses wichtige Thema auf die Tagesordnung setzen“.

Corona in Hamburg – die Bilanz des Bürgermeisters

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Auch bei Sportveranstaltungen hält die Stadt an ihrer Linie fest. „Wir werden alles dafür tun, dass die zuletzt ausgefallenen Events im Spätsommer nachgeholt werden können“, sagt Grote. Das betrifft zunächst den Triathlon, den Ironman und den Marathon, die jetzt für die ersten beiden September-Wochenenden terminiert sind. Nach der Corona-Pandemie sollen alle Top-Ten-Veranstaltungen im „Hamburger Format“, Spitzen- und Breitensport zusammen, wieder stattfinden. Grote: „Wir wollen, dass kein Veranstalter aufgeben muss.“

Sport in seiner Bedeutung für die Stadt stärken

Hamburg wird sich weiter als Standort auf die Fußball-Europameisterschaft 2024 in Deutschland vorbereiten. Für alle diese Ambitionen, sagt Grote, sei die Stadt inzwischen professionell aufgestellt. Der promovierte Jurist Jonas Leder (40) wurde jetzt zum Leiter des Landessportamtes ernannt, zuvor hatte er die Stelle interimsmäßig besetzt.

Eines seiner Hauptaufgaben wird es sein, das Konzept der Active City in Anlehnung an die 2021 auslaufende Dekadenstrategie zu konkretisieren und auszuformulieren, „damit wir ein klares Programm nicht nur für eine, sondern für mehrere Legislaturperioden haben“, sagt Grote. Ziel bleibe es, den Sport weiter ressortübergreifend in seiner Bedeutung für die Stadt zu stärken.

Coronavirus: Verhaltensregeln und Empfehlungen der Gesundheitsbehörde

  • Reduzieren Sie Kontakte auf ein notwendiges Minimum und halten Sie Abstand von mindestens 1,50 Metern zu anderen Personen
  • Achten Sie auf eine korrekte Hust- und Niesetikette (ins Taschentuch oder in die Armbeuge)
  • Waschen Sie sich regelmäßig die Hände gründlich mit Wasser und Seife
  • Vermeiden Sie das Berühren von Augen, Nase und Mund
  • Wenn Sie persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das Coronavirus im Labor nachgewiesen wurde, sollten Sie sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges Gesundheitsamt wenden

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